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Lebensbejahende Farbexplosionen

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Brigitte Sporer mit ihrem Gemälde »Red Wing Falling«. Am 16. April um 11 Uhr kommt sie zu einer »Kunstsprechstunde« nochmal ins Hotel. (Foto: Mergenthal)

Erfrischende Farbexplosionen verleihen derzeit dem Hotel Gut Edermann in Holzhausen bei Teisendorf ein besonderes Flair. Brigitte Sporer zeigt bis einschließlich Samstag, 16.  April im Gang zwischen Rezeption und Wellnessbereich fast 30 abstrakte Arbeiten in Acryl und Mischtechniken. Am 16. April um 11 Uhr ist die Malerin zu einer Kunstsprechstunde präsent.


1961 in Oberaudorf geboren, besuchte Brigitte Sporer Kurse bei Peter Mairinger und Gerhard Almbauer an der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor. Derzeit lässt sie sich zur Kunsttherapeutin ausbilden. Nach ihrem Berufsleben als Architektin beschäftigt sie sich erst seit fünf Jahren intensiv mit Acrylmalerei und hatte bereits ein knappes Dutzend Einzelausstellungen.

»Unverhüllt« ist der Titel der Präsentation. Die Bilder von Brigitte Sporer ziehen mit ihrer Direktheit und Unmittelbarkeit in Bann. In stimmigem Wechsel von dunkleren und helleren Klängen treten sie in Dialog mit den Licht- und Schatteneffekten der dezenten, teils indirekten Beleuchtung und mit den künstlerischen Innenarchitektur-Akzenten von Alfons Egger. Bei der Auswahl ihrer Farben und Formen lässt sich die Malerin von der chinesischen Harmonielehre des »Feng Shui« inspirieren, die sie bei Großmeister Yap Cheng Hai erlernt hat. Einen kleinen Einblick gab Klaus Wildmoser, Nachbar der Künstlerin. Nach dem Feng Shui stehe beispielsweise Grün für Holz, belaubte Bäume in Saft und Kraft, Familie und Gesundheit. Rot bedeute Feuer und damit Ruhm und Anerkennung. Auch Sporers Formen sowie die Wechselwirkungen der Farben und Formen untereinander folgen laut Wildmoser einer Logik. Trotzdem seien ihre Bilder nicht am Reißbrett entstanden, sondern in einem freien Schöpfungsprozess. Manche seien mehrfach übermalt oder geändert worden.

Doch auch ohne Kenntnisse des Feng Shui und der Gestaltungskriterien der Künstlerin kann der Betrachter die Bilder für sich sprechen und auf sich wirken lassen. Das grüne Bild »Auf zu neuen Ufern« erinnert an einen Dschungel, wirkt wie ein Blick durch einen lichtdurchfluteten Vorhang aus grünen Pflanzen. Der temperamentvolle »Freudentanz« in Blau, Violett, Gelb und Orange greift in Kreisbewegungen des Pinsels die Drehung beim Tanz auf. Spritzer und Flecken wecken Assoziationen von Spontaneität und Freude.

Eine Farbfülle prägt auch ihre gleichsam Friedensvisionen beschwörenden Bilder mit Regenbogen-Bruchstücken. Sporer lässt sich von Landschaften wie der Camargue anregen, verarbeitet aber auch Themen wie »Mauerfall« oder »Management«. Das Hochformat »Kurz die Welt erobern« schildert augenzwinkernd die Expeditionen einer Ameise.

Unter dem Titel »Red Wing Falling« hat die Malerin eine Komposition aus einer Art von runden Dreiecken, »eine archaisch wichtige Form für Männer«, wie sie schmunzelnd anmerkt, in Rot- und Gelbtönen geschaffen. Indem sie zuerst »munter drauf los« gemalt und danach erst mit flotten Zeichenstrichen die Form konturiert hatte, ist etwas sehr Lockeres, Dynamisches entstanden. Die runden Dreiecke scheinen sich wie ein Windrad zu drehen. Es könnten auch fallende Flügel oder Segel sein.

»Bilder von mir sind Erzählungen, die sich immer wieder selbst schreiben und ungeahnte Kapitel aufschlagen. Wie ein Gedankenspiel, das für jeden zu einem anderen Ende führt. Die Sprache der Kunst wird überall verstanden«, sagt Brigitte Sporer selbst über ihre Gemälde, die durchwegs etwas Positives, Lebensbejahendes haben. Veronika Mergenthal