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Leben und Werk von Virginia Woolf

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Fesselnd und lebendig sprach Dr. Ludwig Wagatha (links) beim Freundschaftsclub Haywards Heath über Leben und Werk von Virgina Woolf. Die englischen Muttersprachler Allison Kollmayer und Glen Ford lasen aus den Originaltexten. (Foto: Giesen)

Einen fesselnden Literaturabend – diesmal zu Virginia Woolf (1882 bis 1941), einer der wichtigsten Autorinnen der englischen Literatur – organisierte der englische Freundschaftsclub Haywards Heath in der Stadtbücherei Traunstein in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.


Woolfs Romane wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und die Eingabe bei Google liefert 13 Millionen Einträge. Virginia Woolfs berühmter Essay »A Room of One´s Own« über die Rolle der Frau in der Literatur beeinflusste nicht zuletzt die Darstellung der Rolle der Frau in Literatur und Gesellschaft und hatte großen politischen Einfluss auf die Frauenbewegung, auch in Deutschland.

In dem Essay beschreibt sie das Schicksal der von ihr erfundenen Schwester von Shakespeare, Judith, die – genauso schreibbegabt wie der Bruder – wegen der äußeren Umstände (kein Schulbesuch für Mädchen, vorgezeichnetes Leben als Hausfrau und Mutter) gar keine Chance hatte, ihr Talent je zu verwirklichen. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts rückten Woolfs Person und Werke wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Besonders ihre Schlussfolgerung aus dem oben genannten Essay: Auch als Frau braucht man ausreichend Geld und ein separates Zimmer, um Literatur zu schreiben, wurden immer wieder zitiert.

Der Hauptreferent des Literaturabends, Dr. Ludwig Wagatha, verstand es hervorragend, in seinem freien Vortrag Leben und Werk der Dichterin lebendig darzustellen, diesmal sogar ausschließlich in englischer Sprache, weil einige Besucher der Veranstaltung deutsch nicht verstanden. Allison Kohlmayer und Glen Ford lasen dazu abwechselnd Textausschnitte aus dem Werk von Virginia Woolf in ihrer englischen Muttersprache. Woolfs literarisches Werk, darunter »The Voyage Out« (Die Fahrt hinaus) und »To the Lighthouse« (Zum Leuchtturm) tragen viele autobiografische Bezüge und sind nicht einfach zu lesen.

Die Autorin beschreibt weniger äußere Ereignisse als innere Vorgänge: Ihr besonderer Erzählstil, die lyrische Sprache und die Technik des Bewusstseinstromes (»stream of consciousness«) mit seinen Gedankensprüngen führten dazu, dass Woolf in einer Linie mit den Wegbereitern der literarischen Moderne, James Joyce und Joseph Conrad, genannt wird. Bemerkenswert ist auch das Leben der Autorin, das von vielen psychischen Schwierigkeiten geprägt war, die schließlich zu ihrem frühen Tod führten. Wagatha wies auch darauf hin, dass das äußerst erfolgreiche Theaterstück von Edward Albee »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« außer der Verwendung ihres Namens nichts mit der berühmten Autorin zu tun hat und lediglich ein »intellektueller Spaß« war, wie Albee selbst anmerkte.

Nach viel Applaus überreichte der Vorsitzende des Freund-schaftsclubs Haywards Heath, Günter Miedaner, den Akteuren mit englischen Spezialitäten gefüllte Geschenkkörbe. Er wies darauf hin, dass seit Kurzem eine Partnerschaft zwischen der Stadtbücherei in Traunstein und der in Haywards Heath besteht, sodass in Traunstein auch englische Bücher von dort online entliehen werden können. Am Mittwoch, 16. Dezember, zeigt der Freundschaftsclub einen englischen Kinoabend mit einem Film in englischer Originalfassung in den Kinos am Bahnhof. Christiane Giesen