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Lawinenprojekt an der Weißwand beendet

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Richtig gefährlich wird es erst, wenn Lawinen über hunderte Höhenmeter hinweg Energie aufnehmen. Darum wurden viele Verbauungen oben angebracht.

Ramsau – Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat nach 30-jähriger Bauzeit die Maßnahme »Weißwand« abgeschlossen. Bei den Feierlichkeiten war auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber dabei. Er sprach vom größten Lawinen-Verbauungsprojekt in Bayern und stellt klar: »Lawinenschutz ist Lebensschutz.«


Die lange Zeitspanne, die Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro und der Umfang von rund 430 Hektar, machen diese Sicherungsmaßnahmen oberhalb der vier Kilometer langen Strecke der B 305 zwischen Schneizlreuth/ Unterjettenberg und Ramsau einzigartig.

»Die Lawinennetze helfen dem Bergwald und schützen die Bundesstraße«, betont der Minister und ist sichtlich beeindruckt von der Bauleistung im steilen Gelände. Dabei arbeiteten Wasserwirtschaftsamt, Straßenbauamt, Bayerische Staatsforsten und die Forstverwaltung eng zusammen.

Lawinenstriche

Fährt man die Straße hoch zum Wachterl, so fallen neben der Straße die hohen Netze der Verbauung auf. Doch der ganz große Teil weit oberhalb der Straße ist für den Autofahrer nicht erkennbar. Verbaut wurden zwölf »Lawinenstriche«, also jene Gräben, die sich durch die zahlreichen Abgänge in den 60er- und 70er-Jahren in den Boden gefräst haben und vermehrt zu Steinschlägen führten. Dabei sind 1 120 Lawinennetze, 7 200 Gleitschneezäune und fast 1 800 Meter Steinschlagschutzzäune im Boden verankert worden.

»Der Freistaat Bayern investierte für das Gesamtprojekt seit Baubeginn 20,6 Millionen Euro. Gegenüber dem damaligen Ansatz von 55 Millionen DM, also nach heutiger Rechnung über 28 Millionen Euro, konnten wir 7,4 Millionen Euro einsparen«, freut sich Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein. Damals habe man auch überlegt die Straße mit einer Galerie, also einer Überdachung, zu schützen. »Die Kosten aber wären doppelt so hoch gewesen«, so Rath, »und der Wald wäre dabei nicht saniert worden«.

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In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung. Auf dem Foto sind zu sehen (v.l.): Baudirektor Christian Rehm vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. (Fotos: Spranger)

Geht man heute in den Bergwald an der Weißwand, sieht man viele unterschiedliche Nadel- und Laubbäume. Dies wurde vor allem als Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung erreicht. Rund 400 000 Bäume wurden seit 1986 auf einer Fläche von 120 Hektar gesetzt. Bei den Nadelbäumen sind dies vor allem Fichte, Tanne, Lärche und Kiefer. Bei den Laubbäumen dominieren Buche und Bergahorn. Die Kosten der Bepflanzung werden mit 1,1 Millionen Euro beziffert.

»Dabei war es in den 80er-Jahren noch umstritten, ob eine Bepflanzung überhaupt erfolgreich sein kann. Man wollte die Ursachen der Schädigung durch einen viel zu hohen Wildbestand nicht wahrhaben. Der saure Regen sei Schuld, dass nichts nachwachse, so die Argumentation«, erklärt Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. »Es ist der Verdienst des ehemaligen Forstamtsleiters von Bad Reichenhall, Dr. Georg Meister, der sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Das Ergebnis sehen wir heute, 30 Jahre später, als ein außerordentliches Erfolgsprojekt der Natur, die sich mit Unterstützung wieder prächtig erholt.« Besonders freut sich Dr. Daniel Müller über die vielen kleinen Bäume in den Lawinenstrichen – der Wald wird sich auch dort wieder erholen.

Waldpflege

»In 30 Jahren ersetzt er dann die Funktion der heutigen Lawinenverbauung«, sagt der Forstbetriebsleiter. »Der Wald bildet Humus, ist Wasserspeicher, Luftfilter und gibt unzähligen Tieren und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum. Ganz nebenbei ist ein gesunder Wald auch für Bergstraßen, wie hier für die B 305, der beste Schutz.«

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Für Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber steht fest: »Lawinenschutz ist Lebensschutz«.

Für das Staatliche Bauamt Traunstein, das ein großes Netz an Bundesstraßen, Staatsstraßen und Kreisstraßen betreut, geht es immer mehr um die Sicherung, vor allem in der Bergregion. »Jährlich ist der Etat dafür auf bis zu acht Millionen Euro angestiegen. Wir sind in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen und das wird bei den vielen Baustellen auf wenigen Kilometern deutlich. Ob die Strecke von Jettenberg nach Bad Reichenhall, von Schneizlreuth nach Melleck oder auf der großen Baustelle bei Hallthurm am Eisenrichter-Berg – wir müssen umfangreiche Verbauungen durchführen und bis 2030 stehen noch einige große Projekte an«, informiert Baudirektor Christian Rehm. Auch für ihn ist das in den letzten 30 Jahren Geleistete außergewöhnlich und macht Mut für die Zukunft. Gerd Spranger