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Lawinenabgang am Hintersee in Ramsau

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Lawinenabgang am Hintersee in Ramsau
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Foto: Privat

Ramsau – Eine Lawine ist am Freitag gegen 9 Uhr in der Ramsau abgegangen, am sogenannten Gerstfeld, oberhalb des Gasthofs »Auzinger« am Hintersee. Die Lawine, die laut Augenzeugen großteils nicht aus schwerem Schnee, sondern aus Schneestaub bestand, reichte bis auf das Grundstück der Familie Bartels. Die Wirtsleute des Gasthofs »Wörndlhof«, Barbara und Wolfgang Bartels, sowie die »Auzinger«-Wirtin Christina Hillebrand schilderten dem »Berchtesgadener Anzeiger« auf Nachfrage den Lawinenabgang.


»Du siehst erst mal gar nichts mehr. Nur Staub«, erzählt Barbara Bartels. Erst, als sich der pulvrige Schnee gelegt hatte, sah die Familie Bartels vom Fenster aus, wie viele Bäume die Lawine mit sich gerissen hat. »Das ganze Ausmaß wird dann im Frühling ersichtlich, wenn der Schnee geschmolzen ist«, so Bartels. Auf sie und ihren Mann kommt dann viel Aufräumarbeit zu. Dieser stand ebenfalls am Fenster, als sich die gewaltigen Schneemassen den Hang hinunterschoben. »Später dann hab ich auch oben die Abrisskante gesehen, wo sich das Schneebrett gelöst hatte«, erzählt Wolfgang Bartels. Die Kante sei mindestens zwei Meter lang, fügt er hinzu.

In der Gerstfeldrinne gingen, wie bereits berichtet, in der Vergangenheit schon mehrere Lawinen ab. Diese Staublawine nun kam laut dem »Wörndlhof«-Wirt nicht im »gewöhnlichen« Lawinengraben herunter. »Sie hat den normalen Graben verlassen und sich einen neuen Weg gesucht.« Dies ist besonders heikel, weiß der Ramsauer. Durch den Druck knickten der Reihe nach Bäume um, so entstand eine neue Schneise im Wald.

1999 hat sich eine Grundlawine, also mit schwerem Schnee, am Gerstfeld gelöst. Damals, so erinnert sich Christina Hillebrand, schob sich die Schneemasse bis über die Straße. »Aber dieses Mal blieb der schwere Schnee schon viel weiter oben liegen.« Rudi Fendt, Leiter der Bergwacht Ramsau, ist froh, dass niemand verschüttet wurde. »Zum Glück hat die Lawinenkommission die Staatsstraße 2099 am Hintersee schon zuvor sperren lassen«, so Fendt. Es gibt laut dem zweiten Bürgermeister der Gemeinde Ramsau eine Notzufahrt für Anlieger über den kürzlich renovierten Klausbachdamm. Die Lawine habe hauptsächlich großen Schaden im Wald angerichtet. »Zudem ist zu befürchten, dass noch etwas nachkommt.«

Auch Barbara Bartels ist sich dieser anhaltenden Gefahr bewusst. »Darum lasse ich die Kinder auch nicht raus zum Spielen. Auch, wenn es so schönes Wetter ist«, so die Ramsauerin gestern. Annabelle Voss