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Unfallschwerpunkt Bundesstraße: Seit Jahren versuchen die Anwohner der B 305 eine Geschwindigkeitsreduzierung durchzusetzen

»Langsam gehen die Schutzengel aus«

Linker Hand kann man zum Kilianhof abbiegen. Auch hier ereigneten sich schon mehrere Unfälle. (Foto: Pfeiffer)
Viel zu schnell, aber mit einem Schutzengel unterwegs. Bis auf einen erheblichen Sachschaden ist dem Fahrer nicht viel passiert. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Gekracht hat es an der B 305, kurz vor der Unterau, schon mehrfach. Das Tempolimit liegt bei 100 km/h. Doch viele Autofahrer halten sich nicht daran. Die Folge: viele Verkehrsunfälle. Die Anwohner sind besorgt, auch deshalb, weil hier ein Schulweg ausgeschildert ist. »Unser Ziel ist, dass endlich ein Tempolimit auf 70 km/h eingeführt wird«, sagt Verena Ilsanker, die mit ihrer Familie im Kilianhof, direkt an der B 305, wohnt.


Noch keinen Monat ist es her, da hat es auf der B 305 in Richtung Unterau wieder mal gekracht. Verena Ilsanker war am Unfall beteiligt, sie war die Geschädigte. Sie kam aus Berchtesgaden, wollte nach Hause zum Kilianhof und abbiegen. Der Fahrer hinter ihr hatte zu wenig Abstand, war zu schnell dran und konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Anstatt rechts an Verena Ilsanker vorbeizufahren, wählte er die linke Seite und fuhr der Mutter einer achtjährigen Tochter an die vordere Fahrzeugseite. Der Schaden betrug 5 000 Euro. »Hier passieren regelmäßig Unfälle«, sagt Verena Ilsanker, die von ihrer Küche aus die B 305 gut im Blick hat.

Die B 305 ist eine stark befahrene Straße. Von Berchtesgaden fährt man darauf nach Marktschellenberg und weiter nach Salzburg. Vor allem im Sommer sind dort Tausende Fahrzeuge am Tag unterwegs. An das Geschwindigkeitslimit von 100 km/h halten sich viele nicht. Zufrieden wären die Anwohner bereits, wenn das Tempo auf 70 km/h reduziert würde. Aber damit es überhaupt soweit kommt, muss viel passieren.

»Eine Bundesstraße hat die Aufgabe, Regionen miteinander zu verbinden«, sagt etwa Berchtesgadens Marktbaumeister Peter Hasenknopf. Die Straßen seien extra so breit ausgebaut, damit man entsprechend fahren könne, schneller als auf anderen Straßen. Was nicht bedeuten soll, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht die bessere Alternative wäre. Aber seitens der Gemeinde hat man keinerlei Möglichkeiten, das Tempo zu beschränken. Zuständig dafür ist wiederum die Verkehrsbehörde, die im Landratsamt Berchtesgadener Land sitzt. Mehrfach hat man seitens der Gemeinde Unfälle dort gemeldet. Allerdings sei der Abschnitt auf der B 305 kein »Unfallschwerpunkt.« Demnach sei dort auch noch nichts passiert. Eine Anfrage am Montag im Landratsamt blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Zahlreiche Unfälle

Schaut man auf die Unfälle, die sich in Höhe des Kilianhofs ereignet haben, wird schnell klar, dass man hier von einer Gefahrenstelle sprechen kann: 2008 krachte ein Pkw an das Anwesen neben dem Kilianhof. Ein Jahr später passierte ein Auffahrunfall, als ein Laster einen Wagen beim Abbiegen übersah. Das Auto des Geschädigten war ein wirtschaftlicher Totalschaden. 2010 ereignete sich erneut ein Auffahrunfall mit beträchtlichem Schaden. Zwei Jahre später kam ein Fahrzeug aus Berchtesgaden in Richtung Salzburg von der Straße ab und fuhr mit hoher Geschwindigkeit an die Außenwand des Anwesens der Familie Maltan, das gegenüber dem Kilianhof liegt. 2013 das gleiche Schauspiel: Erneut war ein Auto zu schnell unterwegs, wegen überhöhter Geschwindigkeit kam es von der B 305 ab und landete auf dem Innenhof der Nachbarn. Die Unfallbeispiele ließen sich lange fortführen. Schon vor Jahrzehnten galt der Streckenabschnitt als Unfallschwerpunkt, zumindest wenn man die Zahl der Unfälle betrachtet.

»Seit Jahren versuchen wir, dass ein Geschwindigkeitslimit eingeführt wird, bislang mit wenig Erfolg«, sagt Verena Ilsanker. Vor wenigen Jahren wurde auf der B 305, rund einen Kilometer von Verena Ilsankers Zuhause entfernt, ein Ehepaar überfahren. Beide starben. Ihre achtjährige Tochter wird jeden Tag zur Schule gefahren und auch wieder abgeholt, weil der Weg entlang der Bundesstraße bis zur nächsten Bushaltestelle viel zu gefährlich sei. Vor allem jetzt im Winter existiert nur ein schmaler Streifen direkt an der Straße, voll mit Matsch und Schnee. »Wir müssten jeden Tag Angst haben, dass etwas passiert«, sagt die junge Frau. Deshalb haben sich im Frühjahr vergangenen Jahres alle Anwohner zusammengetan und Unterschriften gesammelt. Für eine Tempobegrenzung und eine Lärmreduzierung. 500 Unterschriften sind damals zusammengekommen, die wiederum bei Marktbürgermeister Franz Rasp abgegeben worden waren.

Zudem wurde ein Lärmaktionsplan ins Leben gerufen. Denn neben der Gefahr, die von den zu schnell fahrenden Autos ausgeht, ist der Lärm direkt an der B 305 erheblich.

Teil der Lärmaktionsplanung

Marktbaumeister Peter Hasenknopf sagt, dass es in Berchtesgaden derzeit zwei Abschnitte gebe, die innerhalb der Lärmaktionsplanung behandelt würden. Zum einen die Strecke vom Kreisverkehr am Bahnhof entlang der Bundesstraße 305, zum anderen die Königsseer Straße. »Es wurden Vorschläge gemacht, wie der Lärm reduziert werden kann«, sagt Peter Hasenknopf. Ob Flüsterasphalt, Lärmschutzwände oder doch eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit – die Möglichkeiten sind vielfältig. Lärmschutzwände fallen an der B 305 allerdings weg. »Das ist nicht umsetzbar«, sagt der Marktbaumeister. Die Lärmschutzplanung ging im Sommer weiter an die Verkehrsbehörde im Landratsamt. Dort wurden Stellungnahmen eingearbeitet. Mittlerweile liegt die Planung bei der Regierung von Oberbayern. »Dort soll in den nächsten Tagen entschieden werden, was umgesetzt werden kann«, sagt Hasenknopf. Welche rechtliche Bindung der Lärmaktionsplan allerdings am Ende haben wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen.

Verena Ilsanker ist allerdings zuversichtlich, dass etwas passiert und Vorschläge realisiert werden. »Es wird ja auch Zeit. Wir warten seit Monaten, werden ständig gefragt, und wissen selbst nichts über den Stand der Dinge.« Auf dem Kilianhof hofft man, dass sich in der nahen Zukunft keine Unfälle mehr ereignen. »Die Schutzengel könnten irgendwann mal ausgehen.« Kilian Pfeiffer