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Lange Hornensemble-Tradition neu belebt

Bereits Kurfürst Max Emanuel III. hatte 1706 die ersten Hornisten an der Bayerischen Hofkapelle angestellt. Diese jahrhundertelange Tradition neu zu beleben, haben sich die Hornsolisten des Bayerischen Staatsorchesters zur Aufgabe gemacht. Die Grassauer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die vor allem von der Spätgotik und ihren Wandmalereien des frühen 15. Jahrhunderts und der Pracht des Hochbarock geprägt ist, bildete für ihr Konzert im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach einen stimmigen Rahmen, ebenso wie der laue Sommerabend draußen mit prachtvollen Farbenspielen am Himmel.

Als Oktett begeisterten die Hornisten mit Renaissance-Musik, Wagner und Bach. (Foto: Mergenthal)

In der Werkauswahl konzentrierten sich die acht Musiker, darunter zwei Frauen, auf zwei Epochen: die Renaissance und die Romantik. Dazwischen streuten sie wie Farbtupfer zwei zeitgenössische Werke ein. Die Alte Musik präsentierte das Ensemble als Doppel-Quartett, das einander zuspielte, zunächst in der Suite Es-Dur von Michael Praetorius. Einer Galliarde mit weit schwingenden Klängen folgten eine tänzerisch beschwingte Courante, eine sagenhaft singende Air und ein fetziger »Passpied«-Rundtanz. Bearbeitungen von Verne Reynolds griffen den Schwung dieser Eröffnung auf, zunächst in Hans Leo Hasslers »Echo«. Wie eine etwas edlere Version des Echo-Blasens an der Falkensteiner Wand am Königssee wirkte diese feine, witzige Musik, die die Hornisten lustvoll zelebrierten.

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In der »Laudatio« von Bernhard Krol, geboren 1920, zeigte Milena Viotti ausdrucksstark und verinnerlicht, was auf einem Solo-Horn alles möglich ist. Immer wieder schien sie dem Klang nachzuhorchen. Zum Schluss hin verdichtete sich die Komposition immer mehr, um in einem wie aus dem Instrument heraus geküssten Ton zu verklingen. Umrahmt war dieses Werk durch zwei wunderbar bewegte Canzones von Giovanni Gabrieli.

Völlig andere musikalische Welten des spätromantischen Gefühlsüberschwangs eröffnete ein »Notturno« von Nicolas Rimsky-Korsakov. Die Alphorn-Stücke »Dank« und »Ruf vom Fellhorn« des 1950 geborenen Tonsetzers Hans Jürgen Sommer erinnerten an das in der Region übliche Weisenblasen und die Musik als uraltes Verständigungsmittel der Almhirten und Senner. Höchste Konzentration verlangt das Erzeugen der Naturtöne nur durch veränderte Lippenspannung in den relativ flotten Akkordbrechungen selbst Profis ab, wie hier dem Schlechinger Christian Loferer und Franz Draxinger, die wie der Überseer Johannes Dengler früher beim Grassauer Blechbläserensemble mitspielten, und Max Hochwimmer.

Spirituelle Tiefe, getragene Feierlichkeit und ein inneres Beben erfüllte das kraftvoll anschwellende Sextett »Christus factus est« von Anton Bruckner in einer Bearbeitung von Rupert Schmidhuber, der auch ein Abendlied von Joseph Rheinberger ebenfalls für sechs Hörner arrangiert hat. Intensive Spannungsakkorde und ihre Auflösung und polyphone Elemente prägten dieses Stück, das von der Bewegtheit des Tages zu Frieden und Ruhe führte. In sattem Blech mit lustvoll aufblühenden Klängen schwelgten die acht Hornisten zum Abschluss beim Vorspiel zum 3. Akt aus »Die Meistersinger von Nürnberg« von Richard Wagner (von Franz Kanefzky arrangiert). Spannend gestalteten sie die Dynamik und ließen dabei den unendlichen Melodiefluss nie abreißen. Für den begeisterten Beifall mit Bravos gab es noch den Choral »Wachet auf« von Johann Sebastian Bach, bei dem wie bei Wagner Johannes Dengler das Solo spielte. Ein pfiffiger Gag: Die Schlussphrase der Solomelodie wurde jeweils von unterschiedlichen Kollegen zu Ende gespielt und wechselte so wie ein Ball durchs Ensemble. Veronika Mergenthal