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»Landwirtschaft ein maßgebender wirtschaftlicher Faktor«

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Vor der Festhalle wurde Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber vom Vorstand des BDM Traunstein, Sepp Hubert, empfangen. (Foto: Albrecht)

Kirchanschöring – Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sprach anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Burschenvereins Lampoding beim Milchbauernabend des Bundesverbands Deutscher Milchbauern der Kreisverbände Traunstein und BGL.


Der BDM feierte im Festzelt auch sein 20-Jähriges. Für Kaniber war das kein einfacher Termin, schließlich sind die Milchbauern nicht gut zu sprechen auf die Politik.

Die Vorträge des Abends begannen deshalb auch etwa eine halbe Stunde später als geplant. Denn vor der Veranstaltung hatten sich Ministerin Kaniber und die Verantwortlichen des BDM zurückgezogen, um im »stillen Kämmerlein« ihre Standpunkte darzulegen. Es sei ein durchaus brisantes Thema, meinte Sepp Hubert, der Vorstand des BDM-Kreisverbands, dann auch in seinem Vortrag.

Auch vor 20 Jahren schon Probleme mit Milchquote

Zunächst blickte er aber zurück auf die Geschichte der Milchbauernorganisation dieser Region vor gut 20 Jahren bei einer Versammlung in Fridolfing. Drei Bauern, neben ihm selbst, Sebastian Wallner, Kirchanschöring und Josef Krautenbacher, Petting, hatten die Zusammenkunft organisiert, um Gerüchten über die Abschaffung der Milchquote nachzugehen, sowie über einige weitere Probleme der Milchbauern zu beraten. Etwa ein Jahr später wurde dann die Vereinigung von Milchbauern am 7. 1. 1998 gegründet.

Die Ziele seien zwar noch immer nicht komplett erreicht, ohne den BDM hätten die Milchbauern aber praktisch keine Stimme in Wirtschaft und Politik, denn der Bauernverband habe zuerst zwar auf regionaler Ebene geholfen, später aber, auf Landes-, Bundes-, und in Europa kaum Interesse an den spezifischen Problemen der Milchbauern gezeigt, kritisierte Hubert. Durch den BDM und seine vielen Aktionen, wie dem Milchlieferstopp, Demos auf dem Odeonsplatz in München, in Brüssel, bei Ministerkonferenzen und weiteren, sei die breite Öffentlichkeit erst auf diese Probleme aufmerksam geworden.

Der Vorstand des BDM-Kreisverbands kann nicht verstehen, warum massiv für den Export produziert werde und sich die Preise nur am Weltmarkt orientierten. Schon innerhalb Deutschlands seien Produktionskosten unterschiedlich, erst recht aber weltweit gesehen, so Hubert.

Direkt an die Ministerin gewandt, sagte er, Bayern habe großen Einfluss, sowohl in Berlin als auch Brüssel und sie solle diesen Einfluss für die Bauern geltend machen und »schaun, dass in der Politik endlich etwas gemacht wird, das Hand und Fuß hat«. »Wir Milchbauern verlangen von der Politik, endlich Rahmenbedingungen – anpassungsfähig genug, um damit Angebot und Nachfrage dauerhaft in Einklang zu bringen.«

Arbeit der Bauern angemessen belohnen

Der stellvertretende Traunsteiner Landrat Josef Konhäuser sagte, die Arbeit der Bauern solle angemessen belohnt werden. Lebensmittel dürften nicht aus aller Herren Länder importiert und damit die Existenzen der hiesigen Bauern zunichte gemacht werden. Insbesondere Milch sei ein sehr vielseitiges Lebensmittel und ihre Produktion sollte dementsprechend behandelt und belohnt werden, beginnend beim Bauern.

Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner, betonte, dass unsere Gegend geprägt sei von der bäuerlichen Landwirtschaft. »Schon deswegen verdienten die Bauern einen gerechten Lohn und keine Almosen für ihre Arbeit.«

Ministerin Michaela Kaniber betonte, dass die Landwirtschaft ein maßgebender wirtschaftlicher Faktor im ländlichen Raum sei. Die Anforderungen an die Milchbauern würden ständig zunehmen und obendrein seien die Märkte sehr sprunghaft. Deshalb sei es höchste Zeit für den Milchsektor, freiwillig Maßnahmen zu ergreifen, um Angebot und Nachfrage dauerhaft in Einklang zu bringen. »Es sollten bessere Lieferbeziehungen angestrebt werden, in die feste Vertragsbestandteile hinsichtlich Preisen, Mengen und Laufzeiten integriert sind«, betonte Michaela Kaniber. Dies sollte aber auf freiwilliger Basis geschehen. Im Falle einer ausgeprägten Milchkrise stehe sie allerdings hinter dem Beschluss des Landtags, für eine EU-weit verpflichtende, entschädigungslose Mengenbegrenzung. Gegenwärtig fehlten jedoch die für solche Regelungen nötigen Mehrheiten auf EU-Ebene.

Bezüglich anderer Bereiche der Landwirtschaft, wie der Anbindehaltung, oder der Wasserqualität, meinte Kaniber, sie wolle diese Belange für Bauern so verträglich wie möglich gestalten. Beim Problem mit Wölfen sollte nicht gewartet werden, »bis der Wolf einmarschiert«, vielmehr sei nach dem »Bayerischen Aktionsplan Wolf« zu handeln. An die Verbraucher appellierte Kaniber, durch ihre Einkäufe gezielt die heimische Wirtschaft zu stärken und die Arbeit der Bauern zu honorieren.

Viele Betriebe geben auf

Romuald Schaber, der frühere Bundesvorsitzende des BDM und des EMB (European Milk Board), kritisierte Wirtschaft und Politik für ihren Glauben an die neoliberale Marktwirtschaft. Das sei eine »Quadratur des Kreises«. Als Beispiel könne die Milchproduktion dienen, bei der die Produktionskosten zwar stiegen, die Preise im Laden aber kontinuierlich sinken. Eine solche Wirtschaft sei nicht überlebensfähig. »Wir, als Bauern, brauchen nicht nur eine Deckung der Produktionskosten, sondern Preise, die uns auch Zukunftsperspektiven erlauben.« In der gegenwärtigen Situation würden viele Betriebe aufgeben, die oft für Jahrhunderte in Familienbesitz gewesen seien. Andere investierten und verschuldeten sich, ohne jegliche Ahnung über Zukunftspreise für ihr Produkt. »Deshalb brauchen wir Unterstützung für eine andere Politik«, sagte Schaber.

Nach diesen Ansprachen sorgte die »Millemusi« für gute Unterhaltung. Der frühere BDM-Kreisvorsitzende des Berchtesgadener Landes, Hans Haunerdinger, hatte es nämlich fertiggebracht, aus 12 Musikkapellen aus drei Landkreisen, eine ansehnliche Musiktruppe zusammenzutrommeln. al