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Landeplatz Kohlhiaslfeld

Der Waldrapp ist in freier Wildbahn hochgradig gefährdet. Momentan gibt es nur wenige Vögel im Mittleren Osten, eine Kolonie ist in Marokko zu Hause. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts war der Waldrapp auch ein bekannter Brutvogel in Europa, durch intensive Bejagung wurde er aber ausgerottet.

»Na sowas, wer seid denn ihr?«. Die seltenen Waldrapp-Vögel sorgten bei ihrer Zwischenlandung am Kohlhiaslfeld für erstaunte Blicke, auch beim heimischen Rind. Fotos: Hans Irlinger

Seit mehreren Jahren laufen nun in Deutschland, Österreich und Italien intensive Wiederansiedlungsversuche mit den marokkanischen Verwandten der Waldrappe. Dem österreichischen Biologen Dr. Johannes Fritz ist es erfolgreich gelungen, eine Brutkolonie in Burghausen anzulegen. Seit zehn Jahren kümmert er sich gemeinsam mit zahlreichen freiwilligen Helfern um das Projekt »Waldrappteam«, welches sich auf die Fahne geschrieben hat, die Ibisvögel oder auch Klausraben wieder in ihrem früheren Verbreitungsgebiet anzusiedeln.

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Dafür werden Jungtiere aus Zoonachzuchten von menschlichen Zieheltern aufgezogen und darauf trainiert, einem Ultraleichtflugzeug zu folgen. Das menschliche Fluggerät ist deshalb erforderlich, da die Jungvögel normalerweise die Zugroute in das Winterquartier von den Altvögeln lernen würden. Da es aber bis vor kurzer Zeit keine Altvögel gab, musste eben der Mensch mit seinem Flugobjekt diesen Part übernehmen. »Die Vögel, welche in Schönau am Königssee gelandet sind, gehören zu den ersten, die selbstständiges Zugverhalten aufzeigen«, freut sich Johannes Fritz über seinen Erfolg.

Von 2007 bis 2010 hat der Tiroler Biologe mit seinem Ultraleichtflugzeug pro Jahr rund 15 jungen Waldrappen den Weg nach Italien, ins Winterquartier nach Oasi Lagunde di Orbetello, gezeigt. Wenn alles gut geht, kehren die geschlechtsreifen Vögel nach zwei bis drei Jahren von ihrem Winterquartier zurück in ihr Brutgebiet, um dort ihre eigenen Jungen großzuziehen.

Seit August machen sich nun 16 Vögel in vier Trupps alleine auf den Weg von Burghausen in die Toskana. Ganz auf sich selbst gestellt sind sie aber doch nicht, ein GPS-Sender in einem Minirucksack auf dem Rücken der Vögel, verrät ihren menschlichen Zieheltern stets ihre Position. Die Batterie für die Sender muss rund alle zwei Monate aufgeladen werden, deswegen sind streckenweise freiwillige Helfer unterwegs, die dann die Vögel kurzzeitig einfangen und sich um die Batterien kümmern. So auch kürzlich in der Schönau. Die vier Waldrappe haben zuerst das Bodnerfeld und dann das Kohlhiaslfeld als schmackhafte Nahrungsquelle ausgewählt und dort eine Zwischenlandung eingelegt. Diese Gelegenheit wurde zum Batterieaufladen genutzt. »Die Gruppen halten sich im Moment noch nördlich der Alpen auf und warten auf besseres Wetter«, schmunzelt Fritz, »in den nächsten Tagen werden sie dann ihre Reise in den Süden fortsetzten«.

Müssen die Vögel nördlich der Alpen nicht permanent überwacht werden, ändert sich die Situation südlich der Alpen drastisch. »Die illegale Vogeljagd in Italien macht uns schwer zu schaffen, durch Medienarbeit versuchen wir, die Tradition der Vogeljagd etwas einzudämmen«. Das schlimmste Jahr hat Johannes Fitz 2011 erlebt. Insgesamt sind 15 seiner Waldrappe verschwunden.

Den Anstoß für sein Projekt hat der Österreicher von einem Kinderfilm bekommen. »Die Methodik, Vögeln ihre Zugroute zu zeigen, hat mich in »Amy und die Wildgänse« fasziniert«, so Fritz. Das Gleiche wollte Fritz dann auch mit den Waldrappen probieren. »Die Tiere würden schon auch von alleine fliegen, aber halt einfach irgendwohin«. Und dann mit wenig Überlebenschancen.

2011 brüteten in Burghausen erstmals erwachsene, selbstständige migrierende Waldrappe. Als geschlechtsreife Vögel können sie nun die Zugtradition an ihre Nachkommen weiter geben.

Weitere Brutgebiete sollen demnächst in Salzburg beim Zoo und in Passau entstehen. Neben Burghausen sollen dann auch in Salzburg und Passau jeweils 50 Waldrappe leben, die irgendwann von ganz alleine ihre Winter in Oasi Lagunde di Orbetello verbringen und im Frühling munter in ihre Heimat nach Deutschland und Österreich zurückkehren. ci