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Lahm vor Färöer-Spiel der WM-Antreiber

Barsinghausen (dpa) - Der Zuckerhut ruft und der Kapitän will endlich ganz nach oben. Während sich Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff vor dem Start in die WM-Qualifikation mit Zielvorgaben zurückhielten, sprach Philipp Lahm ohne Umschweife vom WM-Triumph in Brasilien.

Titelhungrig
Philipp Lahm denkt schon an den WM-Titel 2014. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

«Wer unsere Vergangenheit sieht, mit vier Turnieren minimal im Halbfinale - da kann es unser Anspruch nicht mehr sein, ins Viertelfinale zu kommen. Es ist klar, dass man um den Titel spielen und den Titel gewinnen will», sagte Lahm vor dem ersten Ausscheidungsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2014 am Freitag gegen die Färöer.

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«Wir freuen uns, dass die Qualifikation losgeht, ein neuer Wettbewerb beginnt mit dem Ziel, die WM 2014 zu erreichen», formulierte Löw die Ansprüche deutlich moderater. Immerhin: Die EM-Enttäuschung wurde vor der Partie in Hannover abgehakt. Für Lahm ist das neue Ziel ohnehin klar. 674 Tage nach dem Startschuss gegen die Fußball-Zwerge von den Schafsinseln will er an der Copacabana den WM-Pokal in die Höhe halten. «Jeder muss sich neu beweisen, weil wir junge, gute Spieler haben, die in die Mannschaft drängen. Es ist sehr viel Qualität da. Wir haben einen neuen Konkurrenzkampf, der uns wieder nach vorne drängt», betonte der kämpferische Lahm.

Den ganz großen personellen Umbruch wird Löw in dem für ihn und Lahm vielleicht letzten Titelzyklus vorerst nicht vornehmen. «Ich sehe, dass unsere Mannschaft, was die Basis betrifft, ganz gut eingespielt ist», sagte Löw. Aber erste Umbaumaßnahmen wird es auch als Konsequenz aus dem bitteren EM-Aus schon gegen die Färöer geben. Lahm wechselt wieder auf die von ihm bevorzugte Position des rechten Außenverteidigers. Marcel Schmelzer darf sich auf links beweisen. Stabilität in der Abwehr ist für Löw ein großes Thema in der Gruppe C mit Österreich, Irland, Schweden und Kasachstan als weiteren Gegnern.

Löw-Assistent Hansi Flick verriet am Donnerstag in Barsinghausen schon vor der letzten Trainingseinheit, dass Thomas Müller und Marco Reus mit Sami Khedira und Mesut Özil im Mittelfeld spielen werden. Den fünften Akteur im zentralen Verbund ließ er noch ungenannt. «Ich glaube schon, dass wir eine gewisse Ordnung brauchen. Die Tendenz ist eher, dass man einen offensiven Spieler reingibt», sagte Flick.

Toni Kroos wird sich ärgern. Der Bayern-Profi würde die Anforderungen erfüllen, er fällt aber wegen einer Beckenprellung für das Färöer-Spiel aus. Auch beim Abschlusstraining am Donnerstagabend fehlte Kroos als einziger des 22-Mann-Kaders. Nun können Ilkay Gündogan oder Lars Bender auf einen Einsatz spekulieren. Allerdings probierte Löw im Abschlusstraining auch eine sehr offensive Variante mit Müller, Mario Götze, Özil und Reus vor Khedira.

Neue Hoffnung auf eine Rückkehr in die Startformation kann sich plötzlich auch wieder Per Mertesacker machen. Der im EM-Jahr ins zweite Glied gerutschte Innenverteidiger vom FC Arsenal wurde von Flick ausdrücklich gelobt.

Gegen die Färöer können die gestrauchelten EM-Helden auch wieder Kredit bei den Fans gewinnen. Am Tag vor dem Spiel waren erst knapp 30 000 Karten verkauft. Der Gegner Färöer wird von der DFB-Crew mit größtmöglichem Respekt betrachtet. Mittags um zwölf bat Löw seine Spieler wie üblich zu einem Videostudium des Kontrahenten.

Thema dabei waren auch die beiden wenig berauschenden Spiele der DFB-Elf gegen die Inselkicker in den Jahren 2002 (2:1) und 2003 (2:0). Miroslav Klose, in beiden Partien Torschütze und am Freitag einzige deutsche Spitze, war laut Flick als «Zeitzeuge» gefragt. Löw hatte bereits zuvor daran erinnert, dass die Halbprofis genau vor einem Jahr dem späteren Deutschland-Bezwinger Italien beim 0:1 alles abverlangt hatten. «Es wird morgen gefordert sein, dass die Einstellung da ist», sagte Flick.

Ein klarer Sieg könnte die im Sommer verletzte Fußball-Seele streicheln. Erste Anzeichen eines Mentalitätswechsels waren schon in Barsinghausen zu erkennen. Im klassisch blauen Trainingsanzug statt im Designerhemd zeigte Löw auch modisch, dass es primär wieder um sportliche Arbeit geht. Die Spieler vergnügten sich volkstümlich beim Bowling und zeigten sich beim Streetfußball im Zentrum der Kleinstadt volksnah. Auch die Schattenseiten wurden nicht ausgeblendet. Am Tag vor dem Spiel besuchten Bierhoff, Klose, Mertesacker und Podolski das Grab ihres früheren Kollegen Robert Enke.

Voraussichtliche Aufstellungen Deutschland - Färöer

Deutschland: Neuer (FC Bayern München/26 Jahre/31 Länderspiele) - Lahm (FC Bayern München/28/91), Hummels (Borussia Dortmund/23/20), Badstuber (FC Bayern München/23/26), Schmelzer (Borussia Dortmund (24/7) - Gündogan (Borussia Dortmund/21/3), Khedira (Real Madrid/25/33) - Müller (FC Bayern München/22/33), Özil (Real Madrid/23/39), Reus (Borussia Dortmund/23/9) - Klose (Lazio Rom/34/122)

Färöer: Mikkelsen (IF Fuglafjördur/42/72) - Naes (Valur Reykjavik/25/24), Faerö (Forfar Athletic/22/1), Baldvinsson (Aalgaard FK/22/6), Justinussen (NSI Reykjavik/23/6) - Benjaminsen (HB Torshavn/34/69), Hansson (Aalborg BK/20/1) - Samuelsen (HB Torshavn/27/37), Suni Olsen (B 36 Torshavn/31/45), Holst (Silkeborg IF/30/30) - Edmundsson (Viking Stavanger/21/14)

Schiedsrichter: Madden (Schottland)