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Kurz vor dem Tonnenuntergang

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Mülltonnen-Stillleben: In der Deponie in Winkl werden die ausrangierten Tonnen aus dem südlichen Landkreis zwischengelagert. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Die Verantwortlichen der seit 1. April neu geregelten Abfallwirtschaft im Landkreis ziehen überraschenderweise eine positive Bilanz der ersten sieben Wochen. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag im Landratsamt. Ein paar Fehler räumte die beauftragte und viel kritisierte Firma Wurzer aus Eitting dennoch ein.


Landratsamtspressesprecher Andreas Bratzdrum und der Chef der Kommunalen Abfallwirtschaft, Christian Enninger, hoben vor allem die intensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit seit Herbst hervor. Die Umstellung der Abfallwirtschaft, für die nun der Landkreis zuständig ist, und die gleichzeitige Einführung der Biotonne bezeichnete Bratzdrum als »Mammutprojekt«.

Insgesamt waren rund 22 500 Grundstückseigentümer und 58 000 Haushalte von der Umstellung betroffen. Bis zum 15. März seien mit etwa 80-Lastwagenfuhren rund 15 900 Bio- und an die 26 400 Restmülltonnen ausgeliefert worden. Rund 9 800 Grundstückseigentümer wurden wegen Eigenkompostierung von der Biotonne befreit. 57 Prozent der Grundstückseigentümer nutzen sie. Rund 2 000 Haushalte haben sich bei der Tonnengröße verschätzt und mussten eine neue Tonne beantragen. Laut Enninger sind inzwischen mehrere Hundert dieser Anträge abgearbeitet.

Um kritische Fragen der Journalisten sind die Verantwortlichen allerdings nicht herumgekommen. Herrschte schon bei der Neuorganisation der Abholung des Gelben Sacks im Januar Chaos, so war das im April bei der Bio- und Restmüllabfuhr nicht anders. Wie Christian Enninger erklärte, habe es in den vergangenen sieben Wochen mehrere Tausend E-Mails und Anrufe gegeben. Das Hauptproblem: nicht abgeholte Tonnen.

Die, auch von vielen »Anzeiger«-Lesern oft kritisierte Hotline, verteidigte der Fachbereichsleiter jedoch. Seine Mitarbeiter – in Hochphasen sieben bis acht fachkundige Personen – hätten sich um die Fragen und Beschwerden der Bürger gekümmert. Die Tatsache, dass die Leitung häufig belegt war, habe am Bearbeitungsaufwand der Anliegen gelegen. »So ein Telefonat konnte schon mal 20 Minuten dauern«, so Enninger. Zwar habe man bereits im Herbst Personal aufgestockt. Ein Call-Center habe man allerdings bewusst nicht beauftragt. »Da braucht man Fachwissen«, betonte der Chef der Abfallwirtschaft.

Darauf angesprochen räumte Roman Hausner, der Logistikchef der neu beauftragten Firma Wurzer, zwar eigene Fehler ein, sah einen Teil der Problemursache aber auch bei den Kreisbewohnern. »Es ist schwierig einen Landkreis zu übernehmen, wo über viele Jahre hinweg alteingesessene Firmen unterwegs waren«, sagte er. Denn die hätten die verkehrstechnischen Herausforderung und Sondervereinbarungen mit Bewohnern gekannt. Zum Beispiel, dass in der Oberau die Gelben Säcke oft in der Mülltonne liegen. Als weitere Gründe für die »Anlaufschwierigkeiten« nannte Hausner die vielen Feiertage, ein kaputtes Fahrzeug, ein nicht geliefertes Fahrzeug, das großteils neue Personal und zahlreiche Gebietsverschiebungen. Christian Fischer