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Kunstwerke aus tiefster Seele

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Jutta Mayr zeigt noch bis zum 29. Juli Werke wie »Mann mit Kind« in Seebruck. (Foto: Benekam)

Bei der Eröffnung der Ausstellung »fragwürdig?« von Jutta Mayr in der Seebrucker »CHIEMSEEBRUCKgalerie« war dem Betrachter schnell klar, woher der Ausstellungstitel rührt: Jutta Mayrs Gemälde und Zeichnungen werfen Fragen auf. Sie sind jeder Frage »würdig«. Und hinter jeder Antwort bleibt ein Fragezeichen, denn die »richtige« Antwort gibt es nicht, ist auch nicht gefragt, da ein Kunstwerk auf jeden Menschen anders wirkt und jeden wo anders trifft.


Kunst soll infrage stellen, polarisieren oder provozieren, zusammenführen, mit anderen Mitteln Dinge ausdrücken, die mit Sprache nicht auszudrücken sind. Genau das will die gebürtige Düsseldorferin, die seit 1970 in Bayern lebt. Herbert Stahl, Vorsitzender des Kunstvereins Traunstein, erläuterte in seiner Einführung, dass Jutta Mayrs Arbeiten jahrelanger konsequenter Auseinandersetzung mit dem Zeichnen und dem Malen entspringen, die sie dazu befähigen, mit unerbittlicher Genauigkeit ihrer Wahrnehmung Gestalt zu geben.

Dabei entspricht das Sichtbare, das Modell ihrer Zeichnungen oder Gemälde, nicht der Wirklichkeit. Zeichnen heißt für sie wahrnehmen, auch das, was unsichtbar ist, und es im Pinselstrich verarbeitet »erlebbar« zu machen: »Die Linie ist Sprache, Laute voller Überraschungen und Staunen. Worte laut und leise, energisch gezogen oder zärtlich angedeutet«, sagte Jutta Mayr. Ihre Werke »sprechen« ihr aus tiefster Seele und suchen den Weg zum Nächsten, zum Betrachter. Ein spannender Kunstdialog, dem sich die Besucher der Vernissage gerne hingaben.

Jutta Mayrs Tuschezeichnungen wirken ein wenig wie Charakterstudien. Zu sehen ist ein Mensch mit übergroßem Kopf, dargestellt in zarten, sparsamen Linien. Kopffüßler? Ein großer Denker? Proportionen werden schlicht dem Inhalt unterjocht, der gerade dadurch deutlich wird. Ein Gesicht mit unmissverständlichem Gesichtsausdruck: Momentaufnahme oder Seelenschau? Für Jutta Mayr zählt die Wirklichkeit des Augenblicks und diese erlebt wiederum der Betrachter. Fragwürdig? Ja und nein.

Die großformatigen Gemälde könnten in ihrer Wirkung in ähnlicher Weise beschrieben werden. Expressiv, stark farbig, mehr oder weniger abstrahiert und flächig definiert, sind sie zum großen Teil von vielen linearen Elementen durchzogen. Von oberster Priorität, auch in den Gemälden, ist nicht das bloße »Gefallen«, sondern ihre Aussage und Wirkung. Der Betrachter braucht Zeit und Ruhe, um in die Vielschichtigkeit ihrer Symbolik einzutauchen und verliert sich dann im Entdecken immer neuer Details.

Jutta Mayr steht still daneben. Betrachtet die Menschen, die ihre Werke betrachten, ist offen für Austausch, Gespräche oder eben Fragen. Diese kamen zuhauf. Fragwürdig – und das im positivsten Sinn. Kunst, die ankommt, unverpackt, unverblümt und unverschämt treffend. Die Ausstellung ist vom bis zum 29. Juli zu bewundern. Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Kirsten Benekam