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Kunst und Natur in Eintracht

Berchtesgaden – Künstler und Förster freuten sich beim Nachgang in der Woche des Waldes. Die an Drahtseilen aufgehängten Ringe, die den konzentrierten Blick auf Waldleben und -probleme lenken sollten, sind noch so wie installiert vorhanden, ein wenig deformiert zwar von Kälteperioden, Dauerregen und folgender Hitzewelle, aber von zerstörungskranken Zeitgenossen unbehelligt geblieben. Die bayerische Forstverwaltung feiert in diesem Jahr den 300. Geburtstag des Begriffes Nachhaltigkeit. Unter anderem mit einem Kunstprojekt am Carl-von-Linde-Weg.

Förster Otto Ertl (l.) und Künstler Anton Hribar neben dem »mittleren Ring«, der den »Nachwuchs des Bergwaldes« zeigt. Fotos: Anzeiger/Meister

Der Begriff Nachhaltigkeit ist weit älter als zu glauben ist, wenn er in Gemeinderatssitzungen oder Parteiprogrammen auftaucht. Genau vor 300 Jahren schon hat ihn Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk »Silvicultura oeconomica« verwendet. Es ging ihm um langfristig angelegten, verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, mit dem Wald. Ausgehend von Carlowitz wird in diesem Jahr jubiliert, der Begriff Nachhaltigkeit wieder mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

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Die Bayerische Forstverwaltung, verankert in den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, feiert das Jubiläum mit. In der sogenannten Woche des Waldes, die heuer unter dem Motto »Wald und Kunst – Kreativ sein unter Bäumen« steht.

Nachhaltigkeit, also im ursprünglichen Wortsinn längere Zeit anhaltende Wirkung, die beispielsweise dem forstwirtschaftlichen Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann, zugrunde liegt, mit Kunst zu koppeln, war die Idee des für das Berchtesgadener Land zuständigen Försters Otto Ertl. Gemeinsam mit Künstler Anton Hribar hat er ein Projekt verwirklicht, das an drei Punkten entlang dem Carl-von-Linde-Weg auf Besonderheiten in den heimischen Wäldern hinweist.

Ertl, der den heimischen Wald außerhalb des in die Zuständigkeit der Bayerischen Staatsforsten fallenden Staatswaldes betreut, hat für das Kunstprojekt ein Waldstück ausgesucht, das im Besitz des Berchtesgadener Salzbergwerkes ist und dafür problemlos die Zustimmung von Standortleiter Franz Lenz erhalten.

Anton Hribar hat drei große Holzringe gefertigt, die, an Stahlseilen aufgehängt, jeweils einen Ausschnitt auf bestimmte Waldstrukturen lenken. Einmal wird die Aufmerksamkeit auf ein von Fichten-Altbestand dominiertes Teilstück gelenkt, das vor etwa 100 bis 130 Jahren angelegt wurde und das mit großteils mächtigen, fast immer stattlich hochgewachsenen Nadelbäumen (in Monokultur) brilliert.

Im Kontrast dazu steht ein Waldstück mit Durchforstungsbestand, dessen Fichten erst 25 bis 35 Jahre Zeit zum Wachsen hatten. Hier sind einige Stämme markiert, mit einem gelben Band der Auslesebaum, der erhalten bleiben soll, mit rotem Punkt dagegen Exemplare, die demnächst der Säge anheimfallen werden.

Zwischen diesen Punkten der vielleicht aussagekräftigste Ring, hinter dem sich Jungwald formiert, der laut Förster Otto Ertl ein bereits verändertes Bild zeigt, als es sich vor Wochen bot, als Anton Hribar die Ringe installierte. Die Fichten und Tannen und auch die nachwachsenden kleinen Laubbäume haben an Höhe und Breite zugelegt, haben außerhalb nahrungsarmer Zeiten für das Wild unbeschwert wachsen können. Ein gutes Beispiel also, wie sich der Wald immer wieder selbst regenerieren kann, wenn ihm Tier und Mensch die Zeit dafür geben.

Künstler Anton Hribar und Naturverwalter Otto Ertl sind zufrieden nach ihrem Rundgang auf dem Lindeweg. Das gemeinsame Ziel ist zumindest bisher erreicht. Jogger und Wanderer, sagt Otto Ertl, sprechen ihn gelegentlich an auf die Kunstaktion neben den (etwas abgelegenen) Waldpfaden.

Positiv und sie zum kurzen Anhalten animierend. Den drei Ringen sind jeweils Tafeln mit knappem Text beigestellt, die auf die bestimmte Situation aufmerksam machen. Kunst und Natur in einer harmonischen Symbiose.

Und es liegt wohl in der Natur der Sache, dass diese besondere »Kunstausstellung« nur von einem ausgesuchten Publikum frequentiert wird. Vielleicht aber ist nun Neugier geweckt. Die Kunst am Carl-von-Linde-Weg soll das ganze Jahr über in der Naturgalerie bleiben. Dieter Meister