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Kultusminister verbindet Klassik und bayerische Tradition

Berchtesgaden – Bei Bilderbuch-Sommerwetter lockte das dritte Familienkonzert des »Intercontinental Berchtesgaden Resort« mit der Bad Reichenhaller Philharmonie etwa 500 große und kleine Besucher auf den Obersalzberg. Höhepunkt des Open-Air-Konzerts war heuer die Aufführung der von Kultusminister Wolfgang Heubisch, der selbst als Sprecher auftrat, verfassten Mundart-Version von Sergei Prokofjews »Peter und der Wolf«.

Christina Schwab aus der Schönau genoss das Konzert mit ihrer Oma Johanna Hasenknopf unter einem neu gewonnenen DSV-Schirm. Fotos: Anzeiger/Mergenthal
Zum Stück »Gänsemarsch« führte Dirigent Christian Adt im Federvieh-Kostüm einen lustigen Gänsemarsch durch die Wiese an.
Kultusminister Wolfgang Heubisch liest den von ihm selbst verfassten Mundart-Text zu »Peter und der Wolf«.

Viele Zuhörer hatten sich unter den großen Sonnenschirmen oder unter umfunktionierten Regenschirmen verschanzt. »Diesen Schirm haben wir gestern erst beim Marktfest für ein Zwei-Euro-Los gewonnen«, erzählte Johanna Hasenknopf aus Maria Gern, die mit ihrer Enkelin Christina Schwab, einem Ferienbesuch, zum ersten Mal da ist. Nun kam die neue Errungenschaft gleich zum Einsatz. Vorsorglich hatten sich die beiden mit ihren Schirmen liegend ganz vorne postiert, um niemand die Sicht zu nehmen.

Einige Familien suchten im Schatten mitgebrachter Zelte Schutz vor der sengenden Hitze, wie Claudia Seißler aus Freilassing mit den Söhnen Jonathan (13) und Bastian (3), der sich zusätzlich mit einem Eis abkühlte. Mitgebracht hatte sie auch ihre Schwägerin Birgit Stegmeier aus Neuburg an der Donau, die auf der Durchreise war. »Die Kulisse hier ist fantastisch. Und in ein paar Jahren sind die Bäume ja größer und spenden mehr Schatten«, betonte die Freilassingerin.

Alle Bemühungen um Abkühlung waren spätestens dann zunichtegemacht, als Dirigent Christoph Adt, als gelbes Federvieh verkleidet, die Kinder und einige Erwachsene zum »Gänsemarsch« von Adolf Vancura in einer vor allem für ihn selber schweißtreibenden Polonaise über die Wiese jagte.

Vorher durften die Kinder nach der Ouvertüre zu »Dichter und Bauer« von Franz von Suppé herausfinden, wie das Orchester beim Stück »Auf dem Mühlenrad« das Klappern der Mühle imitiert. Geschrieben hat es Joseph Gungl, der das Reichenhaller Orchester 1868 gegründet hat.

Aus nächster Nähe, mitten unter den Musikern, erlebten die Buben und Mädchen den beschwingten Faust-Walzer aus der Oper »Margarete« von Charles Gounod und ein Medley zu George Gershwins »Porgy and Bess«. Gerade hier gab es immer neue Instrumente zu entdecken, die in den Vordergrund traten: mal die Oboe, mal die Trompete, mal die Posaunen, mal Celli und Bässe.

Nach einer kleinen Stärkung an den Ständen einheimischer Betriebe waren die Gäste fit für »Beda und da Woif«, wie Heubisch seine Version nennt. Als Vizepräsident der Münchner Musikhochschule hat Alt gute Kontakte zu Heubisch und hatte »Peter und der Wolf« als gemeinsames Projekt angeregt. Den hochdeutschen Text wollte der Minister nicht lesen. Da er im Internet nichts Passendes fand, schrieb er selber eine bairische Version, die er mit Alt vor einem Jahr in Wolfratshausen und danach einige Mal in München aufgeführt hatte. In Bundlederhose trug er den Text am Obersalzberg selber vor. Als Zugabe gab es den Marsch »Hoch Reichenhall« von Gustav Paepke, der die Philharmonie von 1879 bis 1921 leitete.

»Mir hat’s richtig Spaß gemacht«, verriet Heubisch danach. Er sei froh, in seiner Kindheit auf einem Bauernhof in der Nähe des Elternhauses in Großhadern noch richtig Münchnerisch gelernt zu haben. Mit seiner Mundart-Version von »Peter und der Wolf« möchte er zwei Dinge, die für ihn zusammengehören, wieder zusammen bringen: die klassische Musik und die altbayerische Tradition, zu der die Trachtler ebenso wie der Dialekt gehören. Das Familienkonzert findet er »eine klasse Einrichtung«.

Zufrieden mit dem Echo war auch Hoteldirektor Michael Caspar, der erstmals zu einem Open Air »im Doppelpack« geladen hatte. Bereits am Vorabend hatten etwa 450 Gäste die erste Boogie-, Blues- und Swing-Nacht am Obersalzberg genossen (eigener Bericht folgt). Veronika Mergenthal

Weitere Fotos vom Familienkonzert gibt es in der »Anzeiger«-Bildergalerie www.berchtesgadener-anzeiger.de.