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»Künstlerlandschaft Chiemgau – Kunst im Chiemgau«

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Werke des Seeoner Malers Hermann Wagner sind in der Galerie in Prien zu sehen. (Foto: Morgenroth)

In der Ausstellungsreihe »Künstlerlandschaft Chiemgau – Kunst im Chiemgau« sind noch bis zum 16. September in der Galerie im Alten Rathaus in Prien Exponaten von mehr als 60 Künstlern zu sehen.


Die Auswahl der präsentierten Werke ist weder zeitlich noch thematisch beschränkt und offen für jede Kunstgattung. Die verschiedenen Ausprägungen spiegeln sich in der Malerei mit Werken in Öl und Acryl, sowie in Aquarell, in Gouachen, in Collagen und Decollagen wie auch Mischtechniken, in der Grafik mit Holzschnitten, mit Radierungen, mit Materialdrucken, Linoldrucken und Handdrucken/PVC, mit Monotypien, mit Pastellen und Tusche sowie auch mit Zeichnungen, in der Bildhauerei mit Plastiken, Skulpturen und Betongüssen wider.

Faszinierende, ausdrucksstarke und tiefgründige Arbeiten in dieser Kunstschau zeigen Eva Aicher, Walter Angerer der Jüngere, Horst Beese, Siglinde Berndt, Greta Fischer, Lenz Hamberger, Hans-Herbert Hartwieg, Karl-Heinz Hauser, Anna Klammer-Nagy, Herbert Klee, Rolf Märkl, Hendrik Müller, Wilhelm Thomas Regensburger, Josua Reichert, Willy Reichert, Gudrun Reubel, Alfons Röckl, Sylvia Roubaud, Maximilian Schmetterer, Nikolaus Steindlmüller, Hannes Stellner, Josef Werner und Wilhelm Zimmer.

Die diesjährige Studioausstellung im 2. Stockwerk der Galerie im Alten Rathaus ist dem Maler Hermann Wagner aus Seeon zu seinem 90. Geburtstag gewidmet. Mit seinen großformatigen, teils farbintensiven Bildtafeln ist der Seeoner Künstler in der regionalen und überregionalen Kunstwelt sehr geschätzt und gefragt. Einen Einblick in sein umfangreiches Oeuvre zeigt Hermann Wagner in Prien mit acht Exponaten, deren Inhalt und Ausdruckskraft allein durch die Farbe bestimmt wird.

Beim Betreten der Studioausstellung wird der Betrachter sofort von den Gemälden mit den strahlenden und leuchtenden Farben in den Bann gezogen, die von den Vorsitzenden des Kunstvereins Traunstein, Herbert Stahl und Horst Beese, ausgezeichnet platziert wurden.

Hermann Wagner wurde am 31. Juli 1928 im oberfränkischen Gärtenroth bei Burgkunstadt geboren. Nach 1945 kam er mit der »Entarteten Kunst« in Berührung und war begeistert von der »Modernen Kunst«, vor allem vom deutschen Expressionismus. Ein Kunststudium nach dem Abitur war aus Existenzgründen nicht möglich. Er studierte in Weihenstephan Landwirtschaft und ging in den Staatsdienst. Während seines Berufslebens bis 1985 malte er in seiner Freizeit. In den 60er Jahren wurde er in den Berufsverband »Bildender Künstler« aufgenommen.

Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen sowie Ankäufe im In- und Ausland folgten. Seit 1999 ist Hermann Wagner Mitglied im Kunstverein Traunstein. Die Dekaden zwischen dem 60. und 90. Lebensjahr müssen bei dem überaus reichen und reifen Lebenswerk als die eigentliche »Hoch-Zeit« im Schaffen von Hermann Wagner bezeichnet werden. Bis heute malt er mit unermüdlichem Schaffensdrang seine Gemälde.

Schon seine frühen Beispiele verraten, was sich später als wichtiger Aspekt der Handschrift des Künstlers bezeichnen lässt: Die Farbflächen sind einerseits mit bildordnerischer Funktion eingesetzt und andererseits die Farbe teils Emotionsträger der Bilder. Noch in den 60er Jahren malte er informelle und gestische Gemälde mit impulsivem Pinselstrich. Ab den 90er Jahren gelangt er zu den für ihn so charakteristischen Arbeiten, bei denen die Farbe, ihr Verlauf und ihre Wirkung im Zentrum seiner Kunst stehen. Die Farben Gelb, Grau und Blau dominieren in den ausgestellten Werken. Schmale horizontale Streifen in unteren Teilen der Bilder setzen farbliche Gegenakzente und teilen die Bilder in zwei Teile. Dem Maler Wagner geht es zum einen um die Wirkung der Farbe als in sich differenzierte Fläche, zum anderen auch um das Zusammenspiel mit benachbarten Farben, die in Form eines farbigen »Begrenzungsstreifens« mit anderen Farben in eine Art Dialog treten.

Dabei ist nicht nur allein die Beziehung zwischen Farben und Flächen wichtig, sondern die Schwingungen, die ein Bild aussendet und die Farbe und ihre Verläufe als etwas Dynamisches erkennbar macht. Assoziationen an Landschaftliches werden dabei oftmals imaginiert. Hermann Wagner lenkt die Aufmerksamkeit auf die inneren Energien der Farbe und ihr Wirken im Raum. Wagners Werke in der Priener Ausstellung bestehen nicht nur aus Farbflächen, sondern weisen eine innere Struktur auf. Der Betrachter trifft auf polare Spannungen, die von warmen Gelb- und kalten Blau- wie auch Grün- und Grautönen gebildet werden, oder auf helle und dunkle Partien, sowie auf Unterschiede zwischen oben und unten.

Die »Farbflächen« werden zu Erlebniswelten auf der endlosen Suche nach dem Transzendenten, dem Erhabenen. Ungeachtet dessen, ob es sich um ein einzelnes Bild oder eine Gemäldegruppe handelt, hat er damit nicht nur einen Ort – eine Präsenz – geschaffen, sondern verleiht seinem Anspruch »menschlich« letztgültige Form. Am heutigen Dienstag feiert Hermann Wagner seinen 90. Geburtstag.

Die Ausstellung ist bis 16. September zu sehen und jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth