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»Künstler sein ist eine andere Lebensform«

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Johannes Hüppi nimmt sich in seinen Kursen in Bad Reichenhall Zeit für Einzelgespräche mit den Teilnehmern. (Foto: Mergenthal)

Eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre herrscht im Atelier im ersten Stock. Es riecht nach Ölfarbe und Malmittel. Ruhig geht der Maler Johannes Hüppi von Staffelei zu Staffelei, nimmt sich viel Zeit für Dinge, die ein sensibler Mensch und Künstler nicht in der großen Gruppe bereden will. Mit Hüppi wird das Angebot zur Ölmalerei im Programm der Bad Reichenhaller Kunstakademie, das über Jahre ein Schattendasein führte, gestärkt.


Johannes Hüppi begann mit Aquarellmalen, das ein gegensätzliches Vorgehen erfordert: Durch die hellen, frei gelassenen Partien bestimmt der Künstler die dunklen Werte – beim Öl malt man vom Dunkeln ins Helle. Bald packte Johannes Hüppi die Passion für die Ölfarbe und lässt ihn bis heute nicht los: »Mich interessiert die unendliche Tiefe der Ölfarbe. Und es ist die Königsdisziplin.« Das Acrylmalen lehre und lerne sich leichter. »'Laien' haben hier ein schnelleres Ergebnis. Das geht beim Öl nicht,« erklärt Johannes Hüppi.

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Generationswechsel bei den Dozenten in Bad Reichenhall

Mit dem Maler vollzieht sich auch ein Generationswechsel bei den bekannten Künstlerpersönlichkeiten, die in Bad Reichenhall dozieren. Er wurde 1965 in Baden-Baden geboren, als Sohn der Künstler Alfonso Hüppi und Brigitta Weber. Auch sein Großvater Heinrich Weber und sein Bruder Thaddäus Hüppi sind Künstler. Alle Männer in der Hüppi-Weber-Dynastie hatten auch Professuren. Johannes Hüppi hofft, dass künftig auch die Frauen im künstlerischen Lehrbetrieb mehr mitmischen. Sie seien viel sensibler, hätten oft mehr Gefühl für die Farbe, verlören aber dann oft den Mut in dieser »Macho-Gesellschaft«.

Der Anfang sei für ihn »brutal schwer« gewesen, erzählt Hüppi. Er studierte von 1984 bis 1990 an derselben Kunstakademie in Düsseldorf, an der auch sein Vater, der, anders als sein Sohn, nicht gegenständlich, sondern abstrakt in der Linie des amerikanischen Expressionismus malt, lehrte. Da hieß es natürlich nur immer: »Das ist der Sohn vom Alfonso Hüppi.« Eines Tages jedoch wurde der Spieß umgedreht. Da sei sein Vater zu ihm gekommen und habe sich beklagt: »Das ist so gemein.« Da er, der Sohn, inzwischen öfter in der Zeitung stand, sei sein Vater gefragt worden: »Sind Sie der Vater von Johannes Hüppi?«

Johannes Hüppi weiß aber auch, dass viele Dinge für ihn einfacher waren: Er musste sich vor seinen Eltern nie für seinen Weg rechtfertigen. Anfangs waren diese zurückhaltend und warnten ihn vor einem harten Leben. Dann aber freuten sie sich mit ihm, bis es zur Vater-Sohn-Konkurrenz kam. Seine Mutter starb früh und bekam den Erfolg ihres Sohnes nicht mehr mit.

Im Elternhaus seien »unglaubliche Charaktere ein- und ausgegangen«, erinnert sich Johannes Hüppi. So bekam er von Kindheit an ein Gespür für das, was einen echten Künstler auszeichnet. »Es gibt nicht viele Künstler auf der Welt. Die wenigen sind besondere Seelen«, sagt er. Kunst zu schaffen ist für ihn eine Lebensentscheidung und hat mit Geld zunächst gar nichts zu tun. Viele Künstler stünden, egal ob mit oder ohne Erfolg, nach 30 bis 40 Jahren im Beruf an der Grenze ihrer Kraft, weil sie einerseits mit jeder Handlung eine Entscheidung treffen und andererseits nie wissen, ob ihr Bild gut ist. »Dieses Existenzielle versuche ich den Leuten hier auch zu vermitteln – dass man für das, was man tut, verantwortlich ist, nicht einfach nur ein 'Bildchen' malt. Kunst ist keine Dekoration.«

Johannes Hüppi hatte jedenfalls – trotz seiner »extremen Außenseiterposition« mit »vielen Nasenrümpfern außenherum« – Erfolg. Dieser ermöglichte es ihm, zehn Jahre lang in den USA zu leben sowie jeweils längere Zeit in Spanien, Korea und Frankreich. Er hatte Ateliers in San Francisco und Los Angeles, in Brooklyn in New York, in Miami und Rom. Fast zwei Jahre lang lehrte er in Mexiko an der Universität.

Der Durchbruch gelang dem Baden-Badener in den 90er Jahren mit 40 bis 50 Ölgemälden von Küssenden – die Bildwelt der 90er Jahre ließ wenig Raum für Emotionen. Berühmt wurde auch seine Kellnerinnen-Serie. Genau beobachtet er Alltagsszenen und Menschen. »Ich bin kein politischer Maler. Aber das sind alles Themen, die gesellschaftlich relevant sind«, meint Johannes Hüppi.

Das Verhältnis von Frau und Mann in Bildern

Er widmet sich dem Verhältnis von Frau und Mann, malt zum Beispiel Paare beim Liebesakt im Grünen. Bäume und Wald, Landschaften, weibliche Akte, oft in ungewöhnlichem Umfeld oder in einem stummen Dialog mit Tieren, oder auch klassische Motive wie Badende sind wichtig für ihn. Mit einer Schönen, die auf einem Teller einen Männerkopf darbietet, streift er auch die Salome-Thematik. Seine Zeit auf den Kapverden inspirierte ihn zu Bildern von afrikanischen Wäscherinnen. Ziel der nächsten Studienreise ist Senegal. In Baden-Baden hat er sein Atelier in derselben ehemaligen Möbelfabrik wie Bruder und Vater.

In seinen Kursen legt Johannes Hüppi Wert auf die handwerkliche Basis und möchte die Teilnehmer inspirieren, mehr über sich selbst und ihre inneren Bilder zu erfahren. Er unterstützt sie, indem er sich in jede Einzelne und jeden Einzelnen mit den eigenen Talenten, Vorkenntnissen, Unkenntnissen und Blockaden hinein versetzt, bei der malerischen Umsetzung und beim Sich-Positionieren in der Außenwelt. Den nächsten Kurs »Ölmalerei und Zeichnung« in Bad Reichenhall gibt es vom 6. bis 11. November 2017. Veronika Mergenthal

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