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KSK Chieming feierte ihr 175-jähriges Bestehen

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KSK Chieming feierte ihr 175-jähriges Bestehen
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Lang war er, der Festzug, der vom Chiemseer Wirtshaus zur Pfarrkirche führte und von der Musikkapelle Grabenstätt und Vorstand Siegfried Engl (Bild unten) angeführt wurden. Beim Gottesdienst segnete Pater Gabriel Budau das neue Fahnenband, das Heinrich Rehberg gespendet hat. (Fotos: Endlicher)

Chieming Ihr 175-jähriges Bestehen feierte die Krieger-und Soldatenkameradschaft Chieming mit einem eindrucksvollen Gründungsfest. Dabei wurde auch das neue Fahnenband gesegnet, das Heinrich Rehberg gespendet hat.


Josef Strohmeier und Simon Schuhböck hatten zur Pflege treuer Kameradschaft und zum Andenken an die verstorbenen Kameraden 1844 einen Veteranenverein gegründet. 1872 gab sich der Verein eine Satzung, die beim Bezirksamt Traunstein niedergelegt und genehmigt wurde. In die wechselvolle Geschichte des Vereins fallen 1929 die Errichtung des Kriegerdenkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, 1938 die zwangsweise Eingliederung in den Nationalsozialistischen Reichskriegerbund, 1953 die Umgestaltung des Kriegerdenkmals und 1976 die Umbenennung in »Krieger- und Soldatenkameradschaft«.

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Im Ersten Weltkrieg fielen 34 Angehörige der Pfarrei Chieming, für den Zweiten Weltkrieg sind im Protokollbuch des Vereins 52 gefallene Mitglieder aufgeführt; genaue Zahlen über die Toten dieses Kriegs sind aber nicht festzustellen. 1969 trat der Verein dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei und beteiligt sich alljährlich an dessen Sammlungen. 1984 gab sich der Verein eine beispielhafte neue Satzung, gemäß der auch fördernde Mitglieder aufgenommen werden.

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An dem eindrucksvollen Kirchenzug zur Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, angeführt von Vorstand Siegfried Engl und der Musikkapelle Grabenstätt, nahmen acht umliegende Krieger- und Soldatenkameradschaften mit ihren Fahnen und alle Ortsvereine teil. Pater Gabriel Budau und der evangelische Pfarrer Friedemann Krocker gestalteten den ökumenischen Gottesdienst. Pfarrer Krocker erinnerte in seiner Predigt an den Kunstschmied Stefan Nau, der 1983 in der damaligen DDR nach einem Wort des Propheten Jesaja ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet hat, verwies auf die immer noch in der Welt tobenden Kriege und Konflikte und forderte dazu auf, sich unermüdlich für das kostbare Gut des Friedens einzusetzen, wie es die Krieger- und Soldatenkameradschaften tun.

Pater Gabriel weihte das neue Fahnenband mit der lateinischen Aufschrift »Mortui Viventes Obligant« (»Die Toten sind Verpflichtung für die Lebenden«), das vom Stifter Heinrich Rehberg, dem Bezirksvorsitzenden des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, an die Vereinsfahne geheftet wurde. Ein feierliches Libera am Kriegerdenkmal mit Salutschüssen durch Kanonier Hubert Steiner und seinem Sohn Wolfgang beendete den kirchlichen Teil der Jubiläumsfeier.

Die Musikkapelle Grabenstätt leitete den Festabend mit flotter Musik ein. Vorstand Siegfried Engl mahnte an, die Erinnerung an das Leid der beiden Weltkriege nicht verblassen zu lassen. Die Rimstinger Sänger ließen ein Jägerlied hören, bevor die Reihe der Grußworte begann. Der Stellvertretende Landrat Andreas Danzer unterstrich die Bedeutung der Krieger-und Soldatenkameradschaften für das Gedenken an die Katastrophen der Weltkriege und lobte ihr Eintreten für den Grundsatz »Nie wieder Krieg«. Auch junge Menschen sollten verstehen lernen, dass die Ereignisse der Geschichte uns alle angehen, dass die Errungenschaft des Zusammenwachsens der europäischen Länder nicht selbstverständlich ist und unsere verletzliche Demokratie geschützt werden muss.

Heinrich Rehberg ging auf die Arbeit des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein, die von Zusammenarbeit mit Archiven und Behörden im Ausland, vor allem russischen, bestimmt ist. Der oft tot gesagte Suchdienst habe noch seine Bedeutung, denn »ein Krieg ist erst aus, wenn der letzte Tote beerdigt ist«. Gauvorstand Michael Bernauer betonte die Bedeutung des Erinnerns, mahnte zum Frieden, würdigte die Arbeit des Vereins und wünschte alles Gute für die Zukunft. Zweiter Bürgermeister Georg Hunglinger lobte den Verein für seine Tätigkeit. Von ihm gab es einen Zuschuss der Gemeinde für die Musik am Festabend.

Fünf noch lebende Kriegsteilnehmer der Gemeinde nahmen ebenfalls am Festabend teil. Josef Wiesholler wies drauf hin, dass er in seinen Einheiten im Zweiten Weltkrieg keine Gräueltaten erlebt hat. fb