Kritik an unterlassenen Ausschreibungen

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Die Kunstschaffenden in Traunstein wünschen sich, dass die Kunst noch mehr als bisher identitätsstiftender Bestandteil des Lebens in der Kreisstadt wird. Dies war der Tenor einer Podiumsdiskussion zum Thema »Ist das Kunst oder kann das weg?« im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage in Kooperation mit dem Kunstverein Traunstein und der Städtischen Galerie. Eine stattliche Schar an Kunstinteressierten war in das Veranstaltungszelt im Stadtpark gekommen, darunter der künftige Oberbürgermeister Christian Kegel.


Moderatorin Dr. Christine Fuchs fragte die Podiumsteilnehmer zunächst nach ihrem Beitrag zur Kunstszene und ihrer Sicht von Kunst. Wie Vorsitzender Herbert Stahl erläuterte, ist das Ziel des Kunstvereins Traunstein die lokale Anbindung, die aber die Öffnung nach außen nicht ausschließt. Jurierte Ausstellungen sollen die Qualität sicherstellen. Da der aktuelle Altersschnitt der 159 Mitglieder laut Stahl bei 60 Jahren liegt, sind ihm Projekte mit jungen Leuten besonders wichtig.

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»Schreiben Sie Kritiken oder schreiben Sie Berichte?«, wollte Fuchs von Kulturjournalistin Christiane Giesen wissen. Ihr Ziel sei, ein Spiegel der heimischen Kunstszene zu sein, so Giesen. Sie schreibe niemanden »nieder«, betonte sie. Sie gewichte durch ausführlichere Berichte über herausragende Ausstellungen. Wichtig ist ihrer Ansicht nach auch eine gute Kommunikation zwischen Kunstschaffenden und Presse.

An Helmut Mühlbacher richtete Fuchs die Frage, wie er an seine Aufträge kommt. Der Konzeptkünstler führte aus, er sehe sich nicht als Unternehmer. Er wolle durch seine Arbeiten überzeugen. »Für mich ist Kunst eine Wissensform. Die möchte ich im öffentlichen Leben integriert haben«, betonte er. Kunst müsse vermehrt Teil der städtischen Gesamtplanung sein. Als Beispiel nannte er die von der Stadt gekaufte Güterhalle. In der einen Hälfte der Halle werden ein Jugendtreff und die »Schule der Fantasie« untergebracht. Ein Kreativzentrum im übrigen Teil könnte Mühlbachers Ansicht nach die Wahrnehmung von Kunst im Alltag, Jugendprojekte und Impulse für die Stadt ermöglichen.

Ursula Lay, Kulturreferentin der Stadt, unterstützte klar das Güterhallen-Kreativ-Projekt. Es sei schade, die reizvolle Architektur für Büroräume zu opfern. Der Stellenwert der bildenden Kunst ist ihrer Meinung nach groß. Wichtig ist ihr, in Kooperation mit Kindern, Künstlern und anderen Bürgern sowie Vereinen und Institutionen Projekte anzustoßen, wie die von einer alten Dame vorgeschlagene Ausstellung von Kinderbildern zum Thema »Mein Freund, der Baum«.

»Der bildenden Kunst geht’s nicht gut in Traunstein«, widersprach Mühlbacher. Oft werde erwartet, dass Künstler ihre Arbeiten umsonst als Dekoration zur Verfügung stellen. Dass Kunst am Bau öfter nicht öffentlich ausgeschrieben wird, beklagten der frühere Kunstvereinsvorsitzende Dr. Friedrich Mumm von Mallinckrodt, Herbert Stahl und der Bildhauer Johann Wimmer. Letzterer forderte auch »gute, saubere Wettbewerbe«.

Kunstpreis-Trägerin Cosima Strähhuber, die mit Mühlbacher die »Kunstsprechstunde« zur Kunstvermittlung eingeführt hat, wünschte sich, dass die Stadt private Initiativen nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung sieht und dass man gemeinsam am runden Tisch ein Konzept erarbeitet. Eine »Kunstkommission« könnte den Stadtrat bei Ausschreibungen unterstützen. Dr. Birgit Löffler, Direktorin des Gegenwartskunst-Museums »Das Maximum« in Traunreut, hält es für wichtig, einer Stadt zu vermitteln, dass sie, wie in anderen Sachbereichen auch, bei der Kunst Fachleute einsetzen kann.

Als geglücktes Projekt für Kunst am Bau nannte Christian Hussmann, der am Landratsamt für Heimatpflege und Kultur zuständig ist, das mit Hilfe eines Schülerwettbewerbs entworfene und von einem örtlichen Künstler umgesetzte Kunstwerk bei der Walter-Mohr-Realschule Traunreut.

Ein Besucher wünschte sich, mehr über die Beurteilung von Kunst zu erfahren. Ein Kunstwerk arbeite nicht mit dem schnellen Effekt, sondern erschließe sich langsam, erläuterte Löffler. Es baue auf breitem Wissen auf und führe dieses weiter. Es sei ein Geheimnis dahinter und eine eigene Idee. Die Beziehung zur Kunst müsse auch wachsen.

Judith Baders Ziel ist es, in der städtischen Galerie repräsentative Strömungen zu zeigen, auch Kunst, die »Reibung erzeugt, was wirklich Neues darstellt«. Christel Kaa äußerte die Hoffnung, dass Künstler auch künftig existieren und eine andere Dimension in die Gesellschaft einbringen können. Veronika Mergenthal

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