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Krapfen mit Hiffenmark und geklaute Diamanten

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»Schatz, was ist, wenn ich morgen sterbe?« – »Dienstag.« Mit solchen Sprüchen erheiterten die beiden fränkischen Komödianten Martin Rassau (52) und Bernhard Ottinger (59) ihr Publikum in der vollbesetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie ihr Programm »Louh mer mei Rouh« vorgestellt haben.


Als Kulisse dient ihnen dabei eine Parkbank in Bad Kissingen, wo sie zur Kur weilen. Rassau, weil er »Rücken« hat, Ottinger, weil er einen Herzinfarkt hatte. Für Gesprächsstoff ist also gesorgt, zumal Ottinger einen bodenständigen Taxifahrer gibt, der gleich eingangs betont: »Wennst a Kassenpatient bist, bist du der Arsch.« Entsprechend ist er auch untergebracht: im sechsten Stock der Reha-Klinik mit »Stragula« als Bodenbelag und Saftstation, während Rassau mit spöttisch elegantem Gehabe einen Privatpatienten spielt, der in einer Villa mit allen Annehmlichkeiten residiert.

Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und so sitzen die beiden auf ihrer Bank und plaudern in gepflegtem Fränkisch über Behandlungsmethoden, militante Veganer oder Helikopter-Mütter, die ihre Kinder im »Suff« zur Schule fahren. Und freuen sich nebenbei darüber, dass sie Männer sind, »weil was die Frauen mit den Männern alles so mitmachen müssen!« Das Publikum freut sich mit ihnen, auch wenn so mancher Witz oder Kalauer nicht gerade taufrisch ist. Für zwei Vollblut-Komödianten wie Rassau und Ottinger aber kein Problem: Sie gehen mit umwerfender Gestik und Mimik derart temporeich vor und ihr Humor ist so staubtrocken, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Nur bei Rassaus Loblied auf den mit Hiffenmark gefüllten Krapfen kommt auch der Berichterstatter kurz ins Grübeln: Hiffenmark? Ein Blick in Wikipedia schaffte Abhilfe: Hagebutten-Marmelade. Ja die Franken.

Höhepunkt des Abends ist schließlich ihr Auftritt beim Tanztee, wo sie bei der Damenwelt, sprich: Publikum, ihr Glück versuchen. Erfolglos, versteht sich. Und kein Wunder, bei Sprüchen wie »Ich verrate auch nicht, dass dein Vater ein Dieb war und die geklauten Diamanten in deinen Augen versteckt hat«, mit denen sie die Zuschauer überschütten. Mit einem Sketch in einem Laden für Damenunterwäsche neigte sich der Auftritt dann dem Ende zu, und damit ein Spaß, dem sich sichtlich keiner entziehen konnte. Wolfgang Schweiger