weather-image
10°

Konzept für Senioreneinrichtung vorgestellt – Kritik der Überseer Bürger

0.0
0.0
Übersee: Konzept für Senioreneinrichtung vorgestellt – Kritische Stimmen der Bürger
Bildtext einblenden
So könnte ein Ein-Zimmer-Appartement mit einer exemplarischen Möblierung – in der Regel bringen die Leute eigene Möbel mit – aussehen. (Grafik: Domizilium)

Übersee – Seit vielen Jahren wünschen sich die Bürger in Übersee eine Senioreneinrichtung. Immer wieder gab es neue Ansätze der verschiedensten Betreiber und neue Standortvorschläge. Dass das Thema auf die Zielgerade geht, zeigte sich bei der »Sonderbürgerversammlung Seniorenwohnen und Seniorenpflege« im Gasthaus Hinterwirt vor rund 80 interessierten Zuhörern.


»Die Gemeinde hat sich kürzlich das 5000 Quadratmeter-Grundstück östlich des Bahnhofs gesichert, dessen Kernstück das Seniorenheim werden wird«, schilderte Bürgermeister Marc Nitschke die aktuelle Situation. Im Vorfeld hatte eine Konzeptgruppe bereits die für Übersee passenden Erfordernisse einer solchen Einrichtung erarbeitet wie beispielsweise eine Tages- und Kurzzeitpflege, eine stationäre Dauerpflege und eine Betreuung von Demenzkranken.

Anzeige

Ein entsprechendes Konzept stellten nun Geschäftsführer Robert Auer und Richard Gröbner von der »Domizilium-Unternehmensgruppe« vor. Allerdings sei man noch in einem sehr frühen Planungsstadium, wo noch nichts entschieden ist, betonte der Bürgermeister.

»Für die meisten Menschen ist es die schlimmste Vorstellung, ins Heim zu müssen und nicht mehr sein eigener Herr sein zu können«, sagte Gröbner. Aber auch die derzeit häufigste Form der Altenversorgung, »wenn morgens der Pflegedienst kommt und sich abends mal die Familie blicken lässt«, sei kein Zukunftsmodell. Studien hätten ergeben, so die Domizilium-Mitarbeiter, dass sich die Menschen auch im Alter ein Leben nach den eigenen Regeln wünschen: sicher und selbstbestimmt wohnen und leben, auch bei Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit mittendrin sein, Gemeinschaft erleben und nicht vereinsamen.

All das bietet nach Gröbners Worten das Domizilium-Konzept »Gepflegt Wohnen«. Es sei eine besondere Kombination von hochwertigem Wohnraum mit einem optimierten Angebotsmix, bestehend aus niedrigschwelligen Entlastungen und Betreuungsangeboten sowie ambulanten und teilstationären Pflegeangeboten unter einem Dach. Zudem werde für den Fall der Fälle und rund um die Uhr die Sicherheit einer vollumfänglichen Pflege geboten.

Der Ausgangspunkt für künftige Versorgungsstrukturen sei nicht mehr die Pflegeeinrichtung, sondern die Wohnung. Anders als in einem Pflegeheim bringen die Bewohner laut Gröbner ihre eigenen Möbel mit und bleiben Herr in ihrer eigenen Wohnung, auch im Pflegefall. Das Konzept der »Vario«-Wohnung ermögliche ohne großen Aufwand die Umwandlung von Ein-Zimmer- in Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen und umgekehrt. So könne schnell auf geänderte Bedürfnisse eingegangen werden. Neben der Pflege in der Wohnung biete das Haus auch eine Tagesbetreuung mit einem kurzweiligen Programm, eine besondere Betreuung in Form einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke, eine Versorgung für Intensiv-Patienten sowie eine Kurzzeit- und Nachtpflege.

Insgesamt umfasst die vorläufige Planung 70 Einheiten, davon zehn Einheiten für Demenzkranke. Vorgesehen sind Ein-Zimmer-Wohnungen mit 35 Quadratmetern sowie Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen (jeweils 70 beziehungsweise 105 Quadratmeter). Insgesamt wolle man keine »Entsorgungseinrichtung für Senioren« schaffen, sondern ein »Haus mit höchster Aufenthaltsqualität«, so Geschäftsführer Auer.

Der optimierte Mix aus verschiedenen Hilfs- und Pflegeangeboten in einem Gebäudekomplex bietet verbesserte Leistungsansprüche gegenüber den Pflege- und Krankenkassen. Hinzu kommt, dass die seit 2017 geltenden, neuen Regelungen ein verbessertes Leistungsrecht für ambulante und teilstationäre Pflege vorsehen, nach dem Motto »ambulant vor stationär«. Dadurch liegen die eigenen Kostenanteile der Bewohner in der Regel deutlich unterhalb denen eines Pflegeheims. Als ideale Wohnform für die Planung sieht Domizilium eine Genossenschaft, die nicht gewinnorientiert ist, langfristig stabile Mieten garantiert und maßgerecht für die Senioren strukturiert ist.

Bürgermeister Nitschke betonte, dass die Wohnungen für jedermann finanziell erschwinglich sein müssen. »Mit dem Thema Genossenschaft stehen wir noch ganz am Anfang.«

In der Diskussion zeigten sich die meisten Überseer skeptisch. Sie werteten die Einrichtung eher als Appartementanlage, denn als Pflegeeinrichtung. Auch, dass einige Leistungen extern zugebucht werden müssten, behagte vielen nicht. Der Rathauschef zeigte Verständnis: »Dieses Konzept kann man nicht in einer Stunde verstehen, weil der Ansatz nicht das klassische System des Pflegeheims ist, sondern ein modernes und bedarfsgerechtes Konzept für die Zukunft.« bvd

Italian Trulli