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Bundesverband der Fleischkontrolleure wählt in Berchtesgaden neuen Vorsitzenden

Kontrolle pro Schwein dauert 56 Sekunden

Berchtesgaden – Bei der Bundesversammlung der Fleischkontrolleure im Hotel »Bavaria« in Berchtesgaden ist Josef Schulze-Spuentrup erneut zum Bundesvorsitzenden der amtlichen Fachassistenten gewählt worden. Vertreter aus allen Bundesländern nahmen an der Wahl teil. »Unsere Arbeitsbedingungen werden immer schwieriger«, sagte Schulze-Spuentrup. Helge Zeidler aus Berchtesgaden nahm als bayerischer Vertreter an der Bundesversammlung teil.

Josef Schulze-Spuentrup (4.v.l.) ist zum Bundesvorsitzenden der Fleischkontrolleure gewählt worden. An der Wahl nahm auch der Berchtesgadener Fleischkontrolleur Helge Zeidler (l.) teil. (Foto: Pfeiffer)

»Amtliche Fachassistenten« – so bezeichnen sich Fleischkontrolleure, seitdem dies in Brüssel so beschlossen wurde. Ihre Hauptaufgabe ist es, in Schlachthöfen Tiere zu kontrollieren, die gerade frisch geschlachtet wurden. Während im Schlachthof in Berchtesgaden pro Woche rund 30 Schweine und acht Großtiere sowie bis zu 20 Lämmer verarbeitet werden, sind es im Betrieb, in dem der neue Bundesvorsitzende Josef Schulze-Spuentrup arbeitet, rund 50 000 Schweine pro Woche.

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Josef Schulze-Spuentrup kommt aus Nordrhein-Westfalen. Seine Schichten absolviert er gemeinsam mit sieben Kollegen am Band. Jeder Kontrolleur hat rund acht Sekunden Zeit, ein Schwein zu überprüfen. Jeder Einzelne ist auf einen besonderen Bereich spezialisiert. »Wir schauen, ob die Organe gesund sind, ob es generelle Veränderungen gibt«, sagt er. Wird eine Abweichung festgestellt, muss das Tier nachbearbeitet oder aussortiert werden. Bei sieben Kontrolleuren bleibt pro Schwein insgesamt rund 56 Sekunden Zeit für die Kontrolle. »Viel zu wenig«, sagt der Bundesvorsitzende. Wegen diverser EU-Entscheidungen und einer starken Lobby der Fleischindustrie habe sich die Arbeitssituation der Fleischkontrolleure im Laufe der Jahre deutlich verschlechtert. Der Zeitfaktor sei das größte Problem.

»Wir haben kaum Zeit, um gründlich zu untersuchen«, sagt Josef Schulze-Spuentrup, der deutschlandweit rund 3 000 amtliche Fachassistenten vertritt. In beinahe jedem Bundesland ist man organisiert, nur im Saarland gebe es keine Landesvertretung. Große Konzerne bestimmten den Markt, kleinere Schlachthöfe, wie etwa in Berchtesgaden, an dem nur einmal pro Woche geschlachtet wird, würden häufig aufgekauft werden. Der Druck, der von »den Großen« ausgeübt würde, sei groß, so Schulze-Spuentrup.

»Wir bemühen uns, für unseren Berufsstand Verbesserungen herbeizuführen. Unser Ziel ist es, qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern«, so Josef Schulze-Spuentrup. »Bei acht Sekunden pro Kontrolleur und Tier wird es schwierig, das zu schaffen.«

Deutlich bessere Voraussetzungen gibt es im Schlachthof in Berchtesgaden, wo Helge Zeidler arbeitet. Jeden Montag ist dort Schlachttag. Die Tiere werden bereits zwei Tage im Vorfeld angeliefert und haben Zeit, sich auszuruhen. »Für die Fleischqualität ist das optimal«, weiß der Bundesvorsitzende. Anders sieht es dort aus, wo Josef Schulze-Spuentrup selbst arbeitet: Tausende Tiere werden hier jeden Tag mit Lastwagen angeliefert, um in kürzester Zeit geschlachtet, verarbeitet und für den Handel vorbereitet.

Der Berchtesgadener Helge Zeidler erzählt hierzu, dass früher die Zustände deutlich besser gewesen seien: »Da durften wir noch jedes Schweineherz mit dem Messer anschneiden, um die Gerinnung des Blutes zu überprüfen«, so Zeidler. Daran könne man ablesen, ob alles in Ordnung sei.

Seit 2013 gibt es eine Verordnung, die etwa diesen Arbeitsschritt untersagt. Hier meldet sich der Bundesvorsitzende zu Wort: »Für den Verbraucher ist das natürlich schlecht«, weiß Schulze-Spuentrup. Wenn er nicht gerade im Betrieb steht, fährt er durch Deutschland und hält die Verbindung zu anderen Ländern. »Wir müssen in Brüssel schließlich gemeinsam auftreten«, sagt er.

Helge Zeidler berichtet im Anschluss, dass die Tendenz zu Großbetrieben deutlich spürbar sei. Kleinere Betriebe würden aufgekauft. Beim Berchtesgadener Schlachthof, zu dem die hiesigen Landwirte ihre Tiere zum Schlachten bringen, laufe es aber noch gut. Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass die Zukunft für die Einrichtung unsicher wäre. Der Bundesvorsitzende Josef Schulze-Spuentrup fügt noch hinzu: »Es darf nicht sein, dass die Qualität unserer Arbeit wegen einzelner Verordnungen leidet.« Dafür werde er sich auch in den kommenden vier Jahren einsetzen. Kilian Pfeiffer