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Königssee-Geschäftsleute wollen Petition einreichen

Schönau am Königssee - Eine Petition an den Bayerischen Landtag haben die Geschäftsleute vom Königssee ausarbeiten lassen. Innerhalb der nächsten Wochen sollen dafür in vielen Geschäften im Talkessel Unterschriften gesammelt werden. Ziel ist es, ein eigenes bayerisches Ladenschlussgesetz auf den Weg zu bringen.

Hoffen auf eine rege Unterschriftenbeteiligung (v. l.): die Geschäftsleute Markus Zeitz, Siegfried Renoth und Wolfgang Riehl. Anzeiger-Fotos

»Es geht schon lange nicht mehr nur um den Königssee«, sagt Siegfried Renoth, der dort ein Geschäft für Sportartikel betreibt. »Es geht vielmehr um den bayerischen Tourismus im Gesamten.« 500 Orte seien betroffen. Gemeinden, die allesamt vom Tourismus, von Urlaubsgästen und deren Kaufkraft abhängen. Vier Petenten haben sich zusammengeschlossen. Neben Renoth sind das Wolfgang Riehl, der ein Trachtengeschäft führt, sowie Markus Zeitz, der ebenso Trachtenbekleidung im Angebot hat. Franz Schön ist Inhaber eines Sportfachgeschäfts.

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Bislang hatten die Geschäfte am Königssee an bis zu 40 Sonntagen im Jahr geöffnet. »Unser Geschäft gibt es seit 50 Jahren. Genau so lange haben wir auch sonntags offen«, sagt etwa Wolfgang Riehl. Seit einigen Monaten trudeln beim Landratsamt Berchtesgadener Land Beschwerden ein. Die Behörde musste einschreiten. Der Sonntagsverkauf, der von offizieller Seite bislang geduldet wurde, kam auf den Prüfstand. Mit dramatischen Folgen für die Einzelhändler.

An maximal vier Sonntagen dürfen die Ladenbesitzer nun noch öffnen. Ausnahmen sind etwa Souvenirläden oder Geschäfte, die »Badegegenstände, frische Früchte, alkoholfreie Getränke, Milcherzeugnisse, Blumen, Zeitungen, Tabakwaren sowie Waren, die für diese Orte kennzeichnend sind« im Angebot führen. Vollkommen veraltet sei die Verordnung, sagen die Petenten und fordern in der 13-seitigen Petition, die dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt, ein neues Ladenöffnungsrecht.

Die bisher restriktive Handhabung bei der Sonn- und Feiertagsöffnung sei zu überdenken, fordern sie vom bayerischen Freistaat. Und weiter: »Es ist insbesondere kritisch zu hinterfragen, ob die Feiertagsruhe tatsächlich in nicht mehr vertretbarer Weise leidet, wenn in touristisch frequentierten Orten Sportgegenstände und Trachtenmode verkauft wird«, heißt es in der Petition.

In anderen Bundesländern, so auch im christlich geprägten Baden-Württemberg, dürfen sonntags zwar auch Badegegenstände verkauft werden, Sportartikel aber ebenso. In Bayern ist das nicht möglich. Renoth sagt, dass ein Großteil der Touristen aber wegen der Freizeitaktivitäten in die Gegend komme. Aus diesem Grund müssten sportliche Ausrüstungsgegenstände auch an Sonntagen zu erwerben sein. Zumal immer wieder Ersatz vom Urlaubsgast benötigt werde. »Eine andere Lösung ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß«, so die Petenten. In einem Tourismusort dürfe man an keinem Tag der Woche vor verschlossenen Türen stehen.

Auch Dirndl und Lederhose gelten laut Petition mittlerweile als Andenken an die Urlaubsregion. Nur die originale, »ortskennzeichnende« Berchtesgadener Tracht, die es auf Bestellung gibt, dürfe aber laut Verordnung verkauft werden. »Warum eigentlich«, fragen sich die Geschäftsleute vom Königssee. Denn ihrer Meinung nach verbinde der Urlaubsgast auch die Alltagstracht mit dem Berchtesgadener Land. »Dass der Verbreitungsraum erheblich größer ist, ist aus der Sicht des Touristen nicht entscheidend«.

Neben Schönau am Königssee gibt es weitere Orte, in denen das sonntägliche Verkaufsverbot bereits greift. Oberammergauer Geschäftsleute hatten sich erst kürzlich mit den Königsseern solidarisch gezeigt. Gemeinsam wolle man kämpfen. Auch Einzelhändler aus Prien am Chiemsee haben ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Anders in Bad Wiessee. Dort darf sonntags noch uneingeschränkt geöffnet werden. Beschwerden gab es dort keine. Das dortige Landratsamt duldet eine Öffnung weiterhin.

Das allerdings wollen die Geschäftsleute vom Königssee nicht hinnehmen und fordern einen einheitlichen Gesetzesvollzug. Für die Petenten ist es nicht hinnehmbar, dass sie nun schließen sollen und andernorts weiterhin verkauft werden darf. Kein Verständnis haben die Königsseer Geschäftsleute dafür, dass Läden in Staatshand sonntags offen sind. Nicht nachvollziehbar sei darüber hinaus, warum etwa Schmuck aus im Alpenraum abgebauten Salzen und Mineralien vertrieben werden darf. »Da ist doch keinerlei ortskennzeichnender Bezug zu erkennen«. Eine Salzlampe habe rein gar nichts mit dem Berchtesgadener Salzbergwerk zu tun.

Dass die Thematik inzwischen in der Landespolitik angekommen ist, stößt bei den Initiatoren der Petition auf positive Resonanz. »Das ist unsere einzige Möglichkeit, Erfolg zu haben«, sagt Markus Zeitz. Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag, bittet in einem Schreiben an Staatsministerin Christine Haderthauer, das dem Anzeiger vorliegt, »Dich, als zuständige Ministerin dringend um praktikable und zeitnahe Lösungsvorschläge. Leider entsprechen die Regelungen des Ladenschlussgesetzes aus dem Jahre 1956 in keinster Weise mehr den Anforderungen des modernen Tourismus und bedrohen zahlreiche Einzelhändler in ihrer Existenz«. Die Lage am Königssee müsse schnellstmöglich entspannt werden.

Auch Landrat Georg Grabner spricht sich in einem Schreiben an Christine Haderthauer vom 7. September für die Schaffung eines bayerischen Ladenschlussgesetzes aus: »Vielfach werden notwendige Gegenstände zu Hause vergessen, sodass auch am Sonntag ein schneller Ersatz verfügbar sein muss«, schreibt Grabner. »Scheitert ein Tagesausflug nur wegen der restriktiven Ladenöffnung, wird der Tourismusstandort Bayern sicher nicht in positiver Erinnerung bleiben.«

Praxisfern sei die momentane Regelung, außerdem kaum vermittelbar. Die vergangenen Wochen hätten viel Ärger und ein enormes Medienecho nach sich gezogen, so Grabner. Da die Problematik nicht nur den Königssee betrifft, sondern auch andere bayerische Gemeinden, »bitte ich Dich deshalb herzlich, auch in Bayern für eine zeitgemäße Ladenschlussregelung in touristischen Gebieten zu sorgen«. Die aktuelle Gesetzeslage schade dem Tourismus in Bayern nachhaltig.

Die Petition wird in den nächsten Wochen in vielen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen im Berchtesgadener Talkessel ausliegen. Etwa in den Geschäften am Königssee, den Betrieben der Bäckerei Zechmeister, bei der Metzgerei Kastner und dem Sportgeschäft Renoth am Triftplatz. Darüber hinaus wird die Petition auch in den Touristinfos in Schönau am Königssee und dem Rathaus zu finden sein. kp