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Klimapaket, Holzcluster und mehr Schwung fürs Landratsamt

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Bartl Wimmer (Grüne): Klimapaket, Holzcluster und mehr Schwung fürs Landratsamt
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Berge und Natur spielen im Leben von Dr. Bartl Wimmer eine wichtige Rolle. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Dr. Bartl Wimmer ist ein Grüner der ersten Stunde. Der Berchtesgadener Arzt und Unternehmer protestierte einst gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, kämpfte mit Leidenschaft gegen die Berchtesgadener Olympiabewerbung und wetterte gegen Bauprojekte, wenn sie nach seiner Auffassung zu groß waren und dem Naturschutz nicht ausreichend Platz einräumten.


Heute, mit 59 Jahren, ist aus dem Grundsatz-Oppositionellen ein politischer Pragmatiker geworden, der sich auch einmal mit den Konservativen verständigt, wenn's denn der Sache dient. Und weil er dadurch für viele »wählbarer« geworden ist, möchte der Landratskandidat für die Wahl am 15. März für sich »Außenseiterchancen« erkennen.

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Seine Leidenschaft für den Naturschutz entdeckte Bartl Wimmer während seiner Zeit bei der Alpenvereinsjugend, als die Politik die Erschließung der Jennersüdseite und den Bau der Watzmannseilbahn realisieren wollte. Schon als 16-Jähriger hatte Wimmer hierzu eine klare Meinung, weil er seine Heimat vor der Übererschließung schützen wollte. Bei der Gründung der Grünen in Südostbayern war er dann dabei, ein entscheidender Termin fand im Gasthof »Neuhaus« statt. Und schon war Wimmer mittendrin: als Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Olympiabewerbung und als Demonstrant gegen die WAA in Wackersdorf.

Wimmer räumt ein, dass er heute etwas ruhiger geworden ist. »Mit fast 60 ist halt die Sturm-und-Drang-Zeit vorbei«, sagt er. Auch die Grünen insgesamt sind nicht mehr ganz so streitbar, »weil sich die verschiedenen politischen Seiten aufeinander zubewegt haben«.

Dr. Bartl Wimmer ist für die Grünen im Berchtesgadener Land ein Aushängeschild und Stimmengarant. Als Direktkandidat für den Bayerischen Landtag holte er im September 2013 stattliche 11,7 Prozent der Wählerstimmen, in Berchtesgaden waren es sogar 14,6 Prozent. Und bei der Landratswahl vor sechs Jahren stimmten sogar 22,81 Prozent der Wähler für Dr. Wimmer, der damit auf Platz zwei hinter Landrat Georg Grabner kam. Kein Wunder, dass sich Wimmer also für die kommende Landratswahl einiges ausrechnet. Vor einem halben Jahr hätte er seine Chancen noch auf eine Prozentzahl »zwischen null und fünf« eingeschätzt. Mittlerweile aber sieht Wimmer für sich »eine deutliche Außenseiterchance, wenngleich Bernhard Kern natürlich der Favorit ist«. Als Grund für seinen zunehmenden Optimismus gibt der 59-Jährige an, dass gerade in den letzten Monaten viele wichtige Leute den Kontakt zu ihm gesucht hätten. »Das war schon mal anders«, sagt Wimmer. Außerdem gebe es diesmal den Bonus des Amtsinhabers nicht. Respekt verschafft ihm wohl auch sein Engagement bei der Wiederbebauung des ehemaligen »Geiger«-Grundstücks in der Stanggaß, wo der Unternehmer einen Fest- und Kulturgasthof errichten will. Für seine Partei erhofft sich Wimmer, dass sie zweitstärkste Kraft im Kreistag wird. 12 bis 15 Mandate und 20 bis 25 Prozent der Stimmen – das sei das Ziel.

Drei Hauptziele gibt Dr. Bartl Wimmer an, falls er am 1. Mai das Amt des Landrats antreten sollte. So will er die Umsetzung des vom Kreistag beschlossenen Klimapakets noch stärker vorantreiben. Außerdem fordert Wimmer ein »grundsätzliches Neudenken bei der regionalen Wertschöpfung«. Eine Vision ist in diesem Zusammenhang der Aufbau eines Holzclusters durch Förderung und bessere Zusammenarbeit der heimischen Holzbearbeitungsbetriebe. Und ein großes Anliegen ist es Wimmer, aus dem Landratsamt einen echten Dienstleistungsbetrieb für den Bürger zu machen. »Hier gibt es noch deutlich Potenzial«, sagt Wimmer und nennt als Beispiel die Bearbeitungszeit von Bauanträgen.

Natürlich hat Dr. Bartl Wimmer auch zu Berchtesgadener Kernthemen eine eigene Meinung. Die aktuelle Diskussion nach der Vertragsauflösung mit BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel sieht Wimmer »keinesfalls als Nord-Süd-Konflikt«. Der Landratskandidat zeigt Verständnis für das Vorgehen Franz Rasps: »Wir haben rund 1 Million Euro für den Markenprozess ausgegeben. Wenn dann ein Geschäftsführer für Regionalprodukte einen nicht vorgesehenen, eigenen Markenprozess betreibt, seit Monaten daran arbeitet, das aber nicht den Gesellschaftern vorstellt, dann ist das nicht zu akzeptieren.« Allerdings, und auch das sagt Wimmer, sei der Zeitpunkt und die Art der Kommunikation bei der Vertragsauflösung »nicht glücklich« gewesen.

Das Hotelprojekt am Königssee ist Dr. Bartl Wimmer eindeutig zu groß. Man denke dabei die entstehende Verkehrsbelastung und die dortige Wohnungssituation nicht mit. Und zur Diskussion um den Bau einer barrierefrei erreichbaren Aussichtsplattform im Nationalparkbereich am Jenner sagt Wimmer: »Die würde ich als Landrat nicht genehmigen.«

Zeit für den aktuellen intensiven Wahlkampf hat Dr. Wimmer nur, weil er vor knapp zwei Jahren das Amt als Geschäftsführer des Augsburger Labordienstleiters synlab mit seinen 20.000 Mitarbeitern abgab. »Damals hatte ich oft 100-Stunden-Wochen mit extrem vielen Geschäftsreisen. Das ist mir auf den Nerv gegangen«, betont Wimmer. Sollte er nun tatsächlich Landrat werden, dann will er nach eigenen Angaben auch seine beiden Aufsichtsratsämter niederlegen und wäre dann nur noch synlab-Anteilseigner.

Beschäftigen könnten ihn dann aber vielleicht noch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Augsburg und München, die seit einigen Monaten gegen Konzernmitarbeiter und auch gegen Dr. Bartl Wimmer persönlich laufen. Es geht dabei um eine mögliche Beschäftigung von Kurierfahrern als Scheinselbstständige, die mögliche Hinterziehung von Sozialleistungen und um mögliche falsche Abrechnungen nach Auftragsvergaben an Fremdlabore. Wimmer zeigt sich gelassen: »Ich bin überzeugt, dass nichts dabei heraus kommt.« Ulli Kastner