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Klare Konturen und feurige Rhythmen

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Unser Bild zeigt von links Alexander Krins, Thomas Hartmann, Felicia Graf und Markus Lentz. (Foto: J. Steiner)

Eine gelungene Idee, die zwei frühen Klavierquartette op. 25 und 26 nebeneinander zu stellen: Im Charakter grundverschieden, ergänzen sich die beiden Schwesternwerke doch perfekt. Die Interpretation des »ensemble Amphion« bot den begeisterten Hörern im Traunreuter k1 eine erfrischende Erfahrung in Sachen Kammer- musik.


Nun hat ja die Musik von Johannes Brahms mitunter den Ruf, kompliziert und nicht leicht zugänglich zu sein. Und das trotz so populärer Evergreens wie dem Volkslied »Guten Abend, gut Nacht« oder den Ungarischen Tänzen. In seinen beiden Klavierquartetten op. 25 und op. 26 präsentiert sich der Mitte 20-Jährige der Öffentlichkeit von beiden Seiten: Als ernstzunehmender Komponist, der sein Handwerk meisterhaft beherrscht, und zugleich als glänzender Unterhalter, der sich nicht scheut, angesagte Folklore in Form von »Zigeuner-Musik« in seine Werke einzubinden.

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Das »Ensemble Amphion«, das im Chiemgauer Musikleben längst eine namhafte Institution darstellt, interpretierte beide Quartette zupackend, ohne zu viel Sentimentalität oder Pathos, wozu die Musik so manchen Interpreten gerne verleitet. In der Besetzung Alexander Krins (Violine), Felicia Graf (Viola), Markus Lentz (Violoncello) und Thomas Hartmann (Klavier) brachte das Ensemble sowohl die Schönheit der Brahmsschen Melodik als auch die komplexe Struktur dieser Quartette überzeugend zur Geltung.

Dies gilt vor allem für das lyrische A-Dur-Quartett op. 26: Zwar griffen die Musiker energisch in die Tasten und die Saiten, wo es diese lebendige Musik verlangte, gestalteten das Werk jedoch durchweg schlank und licht, die Themen durchhörbar. Die transparente Spielweise kam vor allem dem ausladenden ersten der vier Sätze zugute, in dem Brahms mit musikalischen Themen freigebig, geradezu verschwenderisch umgeht. Nur so wurde es erreicht, die Spannung durchgehend aufrechtzuerhalten – eine Herausforderung für jeden Interpreten.

Clara Schumann, die das Werk sehr schätzte, meinte einmal zu Brahms: »Ich glaube, mit diesem Stücke ist es wie mit manchem von Dir, das wird einem erst recht lieb, wenn man es genau kennt, erst oft gehört hat.« Wie ihr erging es vielen Musikern, Kritikern und Zuhörern. Leichter zugänglich präsentiert sich dagegen das zeitgleich entstandene, aber noch mehr von ungarischer Folklore gefärbte g-Moll-Quartett op. 25. Dass der damals noch recht unbekannte junge Brahms damit nicht unbedingt bei den gestrengen Kritikern, aber doch beim breiten Publikum gehörig punkten konnte, war ihm durchaus bewusst: Die Wirkung der Csárdás-Klänge war damals enorm und ist es auch heute noch. Aus dem ersten Thema, eigentlich aus den vier ersten Tönen der Klavierstimme, entwickelt sich die Struktur des gesamten ersten Satzes, wie Alexander Krins dem Publikum eindrucksvoll darlegte.

Schon dieses Allegro mit seinen chromatischen Wendungen, seiner markanten Rhythmik und den vibrierenden Bordunklängen der Streicher ließ Assoziationen an »Zigeunermelodien« aufleben; am populärsten aber ist sicherlich der Schlusssatz, ein formal simpel angelegtes Rondo alla zingarese, das alle Attribute vorzuweisen hat, die man von einer feurigen »Zigeunermusik« erwartet: Cymbalklänge und Csárdás-Rhythmen, schwelgerische Gesangsmomente und rastloses Vorwärtsdrängen – ein furioses Finale für die vier hervorragend aufeinander eingespielten Musiker.

Und während Brahms noch nicht ganz verklungen ist, stehen neue Konzerte des vielseitigen Ensemble Amphion schon in den Startschuhen: Unter der Leitung von Alexander Krins erklingt barocke Weihnachtsmusik mit einer Sopranistin und der »capella cantabile« am 30. November um 18 Uhr in der Kirche St. Georgen. Dr. Johanna Steiner

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