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Klangschönheit und technische Präzision

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Mit ihrem präzisen, aber dennoch ausdrucksstarken Spiel begeisterte die Klarinettistin Hsiang-Ching Liao in Traunstein. Die kleine Besetzung der Bad Reichenhaller Philharmonie wurde von Christian Simonis dirigiert. (Foto: Heigl)

Mit einem Werk der französischen Komponistin Germaine Tailleferre (1892 bis 1983), einer im impressionistischen Stil gehaltenen musikalischen Schilderung der Blumen ihrer Heimat, bezauberte die Bad Reichenhaller Philharmonie mit ihrem Dirigenten Christian Simonis gleich zu Beginn des Konzerts das zahlreich erschienene Publikum in der Traunsteiner Berufsschulaula.


Die poetische Anmut und Schlichtheit der Komposition, in der das Gelb der Kamille aus dem Roussillon, das Rot der Mohnblume aus der Guyenne und das Blau des Lavendels aus dem Bergland der Provence zart ineinander zu fließen schienen, ließ die Zuhörer genießerisch lauschen und bereitete sie auf das Hauptwerk des Abends, Mozarts berühmtes Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur, vor. Die Klarinettistin Hsiang-Ching Liao spielte das Konzert auswendig und erfreute das Publikum mit gefühlvoller Phrasierung, Klangschönheit und technischer Präzision.

Simonis dirigierte die kleine Abordnung der Bad Reichenhaller Orchestermusiker mit einem seligen Lächeln und beseelter Körpersprache. Dem kraftvollen Allegro des ersten Satzes folgte ein sinnliches, schlaftrunkenes Adagio, das mit einem düsteren Paukenschlag das aufgekratzte Allegro Vivace einleitete. Simonis führte das Orchester mit einer großen Leichtigkeit, entwickelte gemeinsam mit den Musikern die kraftvollen Phrasen und vertraute ihnen den jeweiligen Höhepunkt an, indem er sich genau dann zurück nahm. So konnte die musikalische Energie ungehindert fließen und sich entfalten. Das fließende, zart colorierte Adagio bewegte die Zuhörer durch seine Intensität, die sich aus einer tief empfundenen Sanftheit entwickelte. Die verhalten seufzenden, geheimnisvoll klingenden Geigen, die edle Tonproduktion der Bläser und der anderen Musiker beschwor ein zu Herzen gehendes, romantisch gefärbtes Musikerlebnis herauf, dem man sich als Zuhörer nur zu gerne hingab. Das Finale war dann ganz großes Ohrenkino.

Mit einem optimalen Spannungsaufbau durch die Pauken und einem gelungenen Übergang in ein anderes, düster-sanftes musikalisches Bild, das sich am Schluss der Komposition in einen Zustand der bewussten Freude resolut transformierte, endete der beglückende Konzertabend. Barbara Heigl