weather-image

Klangschönheit und Harmonie zum Advent in Seeon

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Das Modern String Quartet stimmte mit grandioser Musik auf den Advent ein. (Foto: Benekam)

Wenn man ein großes musikalisches Werk durch die Auswahl der Instrumente in eine völlig andere Klangsprache übersetzt, ohne die Grundidee seiner musikalischen Ausrichtung aus dem Auge zu verlieren, so könnte man das ein spannendes Abenteuer nennen. Ist das Ergebnis dann auf andere Weise ebenso grandios in seiner Darbietung, also dieselbe Geschichte in anderer Ausführung von ähnlicher Genialität, so könnte man es ein Meisterwerk nennen.


Eben dies gelang Jörg Widmoser mit Johann Sebastian Bachs »Das Wohltemperierte Klavier« in seiner Fassung für Streichquartett. Mit dem Modern String Quartet und seinen lieblich-weichen Streichertönen hätten sich die Gäste im sehr gut besuchten Klostersaal des Kultur- und Bildungszentrums im Kloster Seeon nicht besser auf die bevorstehende Adventszeit einstimmen können. Hatte man am Morgen die erste Kerze am Adventskranz angezündet, so wurde es einem in der Sonntags-Matinee mit erstklassiger Musik zum zweiten Mal warm ums Herz.

Das Modern String Quartet – das sind Jörg Widmoser (Violine), Winfried Zenner (Violine), Andreas Hoericht (Viola) und Thomas Wollenweber (Cello) – blickt seit seiner Gründung im Jahr 1983 auf große Tournee-Erfolge rund um den Globus zurück und arbeitete seither mit namhaften Gastmusikern höchsten Ranges, wie Konstantin Wecker, Mercedes Sosa oder Joan Baez zusammen. Wie Widmoser zu Beginn erklärte, bekämen die Zuhörer eine Auswahl der schönsten Präludien und Fugen im Quintenzirkel zu hören, mit dem Ziel, dem Hörer die Übergänge zwischen den Tonarten zu erleichtern.

Schon von den ersten Tönen des Präludium 1, C-Dur, BWV 846, ließen sich die Musikliebhaber voll auf das Hörabenteuer ein: Bachs außergewöhnliches Werk, das bisher nur den Pianisten vorbehalten war, klang anders, entfaltete aber dieselbe Sogwirkung auf den Zuhörer. Mit seinem Wechselspiel der Stimmungen schickt dieses Werk musikalischer Verzauberung und Verführung auf eine Reise zum inneren der Seele. Zwar bietet das Werk auf Tasteninstrument – wie ursprünglich vorgesehen – mehr akzentuierte Klarheit und Transparenz, doch wirkt der Reiz der Mehrstimmigkeit der Streicher auf andere Weise betörend schön. Stimmverquickungen, in denen vier Stimmen umeinander kreisen, halten den Zuhörer wach und lassen immer neue Ausblicke auf neue Klangvariationen zu.

Den vier Vollblutmusikern ist die Routine des Miteinander-Musizierens anzumerken. Das ist Musik aus einem Guss, die trotz oder gerade durch die lange gemeinsame Zeit, nicht an Leidenschaft und Feuer für die gemeinsame Sache eingebüßt hat. Bei soviel Klangschönheit und Harmonie kann Weihnachten kommen – und was wäre Weihnachten ohne Musik? Mit langem und stürmischen Applaus verabschiedeten sich die Zuhörer von dem Streicher-Quartett in einen Advent, der nicht schöner hätte beginnen können. Kirsten Benekam