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Klangakrobatik und eine Reise nach Italien

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Miteinander zu musizieren bedeutete, miteinander die gleiche Freude an der Musik zu empfinden und dies auf das Publikum zu übertragen. (Foto: Janoschka)

Von ihrer besten Seite hat sich die Bad Reichenhaller Philharmonie im Kurgastzentrum mit dem Programm »Italien« unter der Leitung des erfolgreichen Dirigenten Reinhard Seifried gezeigt – dessen klares Dirigat führte die Bad Reichenhaller Philharmonie ein weiteres Mal zu Bestleistungen.


Der absolute Höhepunkt des Konzertabends war das Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 in Es-Dur op. 6 von Niccolò Paganini (1782-1840). Der Paganini-Interpret Ingolf Turban hatte bereits im Einführungsvortrag vor dem Konzert über seinen Zugang zu dem als »Teufelsgeiger« in die Musikgeschichte eingegangenen Komponisten ebenso gesprochen wie über sein pädagogisches Konzept als Professor an der Hochschule für Musik in München.

»Das Paganini-Konzert ist eine Art Oper ohne Sänger«, erklärte der Ausnahmeinterpret. Auf der Basis dieser Aussage nahmen die halsbrecherischen Glissandi, Flageoletts und Doppelflageoletts, der Springbogen, also die gesamte Technik der Violinkunst, die Paganini in seinen Kompositionen auf die Spitze getrieben hat, aber auch die samten-warmen und berührenden Melodien der ruhigeren Passagen einen besonderen Stellenwert im Verständnis des Werkes ein.

Turbans Spiel vermittelte bisweilen den Eindruck, als würden zwei Soloviolinen erklingen, und dann wieder, als würde eine Gitarre die Geigenmelodie begleiten – dann nämlich, wenn Turban mit der linken Hand die Saiten auf dem Griffbrett in Pizzicato-Manier zupfte und gleichzeitig virtuoseste Läufe mit dem Bogen spielte.

Zuvor hatten die Zuhörer mit der spritzigen Ouvertüre zu der Oper »Le donne curiose« (»Die neugierigen Frauen«) von Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) einen lautmalerischen Eindruck der Verwicklungen im heiteren Geschehens in der Oper erhalten.

Die drei Sätze des Violinkonzertes »Allegro maestoso«, »Andante cantabile« und »Finale: Allegro« waren ein unglaublich brillantes Feuerwerk der Extraklasse. Wie von unsichtbaren Fäden gesteuert, erspürten der Solist Ingolf Turban und der Dirigent Reinhard Seifried gemeinsam die jeweiligen Ritardandi.

Das Konzert auf der Bühne ging nahtlos in ein »Jubelkonzert« mit Fußgetrampel und begeistertem Applaus im Zuschauerraum über, wonach Turban dem Publikum erklärte, dass er auf seiner »verstimmten« Geige, die ja laut der Anordnung von Paganini um einen halben Ton nach oben zu stimmen war, leider keine Zugabe geben könne – und tauschte spontan das Instrument mit der Konzertmeisterin. Auf ihrer Geige spielte er ein unglaublich virtuoses Capriccio von Paganini als Zugabe. Auch bei dieser Musik des italienischen Komponisten strahlte der Solist eine heitere Gelassenheit aus.

Ein würdiger Abschluss nach diesem außergewöhnlichen Konzerterlebnis war Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfonie Nr. 4 in A-Dur, op. 90, genannt die »Italienische«, mit den Sätzen »Allegro vivace«, »Andante con moto«, »Con moto moderato« und »Saltarello, Presto«, deren unterschiedliche musikalische Stimmungen von lebendig über melancholisch bis ausgewogen und überschäumend im abschließenden Springtanz mit seiner fein ziselierten Fuge durch die Reichenhaller Philharmonie unter Reinhard Seifried hervorragend zur Geltung kamen und für Gänsehaut sorgten. Ein erhebendes Konzert mit Spiritualität und Adrenalinkick. Brigitte Janoschka