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Kitzrettung hoch zu Ross

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Die Reiter versammeln sich morgens kurz vor Beginn der Mäharbeiten auf ihren Pferden und reiten in Reih und Glied die Felder strukturiert ab, um die Kitze aufzustöbern.

Grassau – Jedes Jahr sind die Rehkitze in den Wiesen, die an Waldgebiete grenzen, für Landwirte während der Frühjahrsmahd ein brenzliges Thema. Trotz des dröhnenden Lärms der Traktoren und der Mähwerke verlassen die Jungtiere ihren vermeintlich sicheren Platz im hohen Wiesengras nicht. Regungslos und versteckt warten sie auf die Rettung durch ihre Mutter. »Viel zu oft gelingt die Flucht vor den Maschinen leider nicht und die Kitze kommen bei den landwirtschaftlichen Arbeiten zu Tode«, sagt Alexandra Gricks vom Reiterhof Raab-Gricks in Hindlingen bei Grassau.


Es gibt eine Anzahl gebräuchlicher Methoden, die Wildtiere vorübergehend aus dem Gras zu vertreiben: Die bekannteste ist das Aufstellen von langen Stöcken, an denen wehende Plastiktüten oder Blinklichter befestigt sind. Immer beliebter wird der Einsatz moderner Technik, wie Drohnen mit Wärmebildkameras. Ebenso üblich und nicht veraltet ist das Absuchen der Feldstücke zu Fuß.

Die Stallgemeinschaft des Reiterhofs Raab-Gricks lebt seit Jahren eine ganze eigene Methode der Kitzsuche. Die Reiter versammeln sich morgens kurz vor Beginn der Mäharbeiten auf ihren Pferden und reiten in Reih und Glied die Felder strukturiert ab. Heuer waren es neun Reiter und vier Helfer. »Wir produzieren das Futter für die Tiere auf unserem Hof auf den eigenen Wiesen und mähen spät, da das Gras entsprechend alt sein muss«, sagt Gricks auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. »Um uns herum sind ansonsten nur Wiesen, die von den Bauern deutlich früher und deutlich öfter gemäht werden. Die Masse an Rehen zieht sich somit in unsere Wiesen zurück, um Schutz zu suchen.«

Daher kommen die Reiter ins Spiel. Am Wiesenrand beobachten und verfolgen Helfer, wohin die Rehe laufen. »Hoch zu Ross ist die Sicht auf die Tiere und deren Liegeflächen deutlich besser, kleine Kitze können somit leichter gesichtet werden als zu Fuß«, schildert Alexandra Gricks das Vorgehen.

Das Stampfen der Pferde motiviert die etwas älteren Jungtiere, sich zu erheben und wegzulaufen. Somit können die Kleinen entweder Richtung schützenden Wald getrieben werden oder von den Helfern am Rand behutsam gerettet werden.

Dieses Jahr konnte die Hindlinger Reiterstaffel somit sechs Rehkitze aufspüren und vor dem sicheren Tod bewahren. »Uns motiviert in erster Linie das Wohl der Tierbabys, die Wiesen werden für unsere Pferde gemäht, da sollte das mindeste sein, dass wir dafür sorgen, dass dabei kein Tier zu Schaden kommt«, sagt Gricks unserer Zeitung.

In der heutigen Gesellschaft würden Pferde oft als störendes Luxusgut betrachtet, kaum einer denke an die Zeit zurück, in der die prachtvollen Tiere für die Menschen unersetzliche Partner waren, bedauert Alexandra Gricks. Der Einsatz im Krieg als Militärpferd, vor der Entstehung der Dampfmaschine als Kutschpferd für den Transport von Gütern und Personen oder in der Forst- und Landwirtschaft als Rückepferd oder im Ackerbau gerate dabei in Vergessenheit. Bemerkenswert sei jedoch, dass diesen vielseitigen Einsatz bis heute kein anderes Tier zeigen könne. »Umso schöner ist die Anerkennung der Pferde, durch diese nützliche und zugleich so wunderbare Aufgabe – der Wildtierrettung.« fb