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Kirchenmusik hat einen Namen: Jochen Langer

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Der Unterwössner Kirchenmusiker Jochen Langer feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Dazu findet um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin ein Festgottesdienst statt.

Unterwössen – Vater, Opa, Verwaltungsangestellter, Organist, Chorregent, Musikschulleiter und -lehrer, Blaskapellendirigent, Komponist, Gründungsmitglied der Wössner Geigenmusik, Gründer der Volksmusikschule Oberes Achental. All dies trifft auf Jochen Langer zu. Die Pfarrgemeinde Unterwössen feiert ihn am Sonntag um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin – denn er feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag.


Ende 1960 las ein junger Jochen Langer, gerade frisch vermählt mit seiner Christl, in München eine Anzeige in der Zeitung: »Kleiner Gebirgsort sucht Organisten«. Kurz darauf traf er im Unterwössner Gasthof zur Post dessen Gastronomen Otto Stumbeck, zugleich Unterwössner Bürgermeister. Schnell wurden sich beide handelseinig. Fürs Geldverdienen gab es den Job im Rathaus, für die Leidenschaft den Posten des Organisten und Chorregenten der Pfarrgemeinde St. Martin. Langer war gut gerüstet.

Seinem Vater, selbst begeisterter Kirchenmusiker, hatte immer am Herzen gelegen, dass der Sohn einen kaufmännischen Beruf ergreift. Langer war Angestellter im katholischen Kirchensteueramt München. Gleichzeitig hatte er bei Professor Suttner Waldhorn gelernt und seine Abschlussprüfung B für Stadtchöre am Trappschen Konservatorium, München, in der Abteilung für Kirchenmusik absolviert. Der junge Langer war Kirchenmusiker an der Stadtpfarrkirche St. Vinzenz in München.

Pfarrer Franz Niegel und Bürgermeister Stumbeck lag viel daran, die Tradition der Kirchen- und Volksmusik in Unterwössen hochzuhalten. Sie waren froh über den jungen Mann mit seiner fundierten Ausbildung.

Kinderchor aufgebaut

Die damalige Musikkapelle suchte einen Tenorhornnisten. Langer schulte vom Waldhorn um und hatte seine Freude daran, mit den Musikanten im Stadl des Pfarrers zu proben. Langer begann einen Kinderchor aufzubauen und als einzelne Buben aus dem Chor wünschten, ein Instrument zu lernen, nahm sich Langer derer an. Einzig Leidtragender war der Gummibaum im jungen Haushalt Langer, der das viele Instrumentenwasser aus den Proben nicht vertrug, lachte Langer im früheren Gespräch mit unserer Zeitung. Langer lebte in der Dorfgemeinschaft und im täglichen Miteinander wuchs sein Engagement.

Es entstanden Chöre im Tal und verschiedene Ensembles. Ein Meilenstein war der Aufruf von Langer und dem damaligen Bürgermeister Josef Kurz-Hörterer an den Schulen in Oberwössen und Schleching, als sich ungefähr 80 Kinder zusätzlich zum Chorgesang anmeldeten. Um dem Ansturm gerecht zu werden, bildete Langer mehrere Chöre. Von Bürgermeister Kurz-Hörterer unterstützt gaben beide dem, was da entstanden war und längst lief, einen Namen: 1973 wurde offiziell die Gründung der Volksmusikschule Oberes Achental bekannt gegeben und im März 1973 vom Gemeinderat beschlossen. So etwas gab es nirgends in der näheren Umgebung.

Langer selbst hatte ursprünglich Geige gelernt, spielte Klavier und lernte Klarinette dazu. Seinen Dienst in der Gemeinde übte Langer nur noch halbtags aus, auch wenn der ihm auch wichtig war. Im Alter von 33 Jahren absolvierte er trotz seiner vielfältigen Einbindung in die Musik noch die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst. Neben umfangreichem Gruppen- und Einzelunterricht für seine Schüler fand er Zeit für Kompositionen, Rundfunkarbeit und Lektorentätigkeit. Längst trug Unterwössen einen ausgezeichneten Namen in der Musik und Unterwössner reisten zu Auftritten durch die ganze Welt.

Als Musikmeister der Musikkapelle hinterließ er deutliche Spuren. Er begründete mit seinen Musikanten die Oster- und Weihnachtskonzerte, war Mitbegründer der Wössner Geigenmusik. Die Zeiterscheinung der deutsch-amerikanischen Freundschaftskonzerte mit einer studentischen Konzertband der »Pensylvanian Ambassadors of Music« trug er mit. Seiner Wössner Weihnachtsmesse begegnet man bis heute immer wieder in der Weihnachtszeit in Bayern, Österreich und der Schweiz. Höhepunkt für ihn und die Musikkapelle war die Ehre, zum Empfang des Papstes in München 1980 aufzuspielen. Rundfunkauftritte, Schallplatten – vieles ist gekommen, manches auch wieder gegangen. Geblieben ist viel Musik in den Händen seiner Nachfolger.

Träger der Unterwössner Bürgermedaille in Gold

2001 übernahm Otto Dufter die Führung der Musikschule. 2003 ging Langer bei der Gemeinde in den Ruhestand. Die »freie« Zeit nutzte er für weitere große Kompositionen. Beispiele sind die Jubelmesse zum 60. Geburtstag von Pfarrer Klaus Wernberger oder die Deutsche Festmesse. Zu Lichtmess 2013 übergab er den Dirigentenstab des Kirchenchors an seinen ehemaligen Schüler Wolfgang Kurfer. Bei der Feier zu seiner Verabschiedung zeichnete ihn der damalige Bürgermeister Hans Haslreiter auf einstimmigem Beschluss des Gemeinderats mit der Unterwössner Bürgermedaille in Gold für sein Lebenswerk aus. lukk