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Kindergarten unter Schock

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Keine Spur gibt es bislang von den seit 29. Dezember am Mount Cook vermissten drei Bergsteigern. Einer von ihnen – ein 26-Jähriger aus Winhöring – war vor 16 Monaten als Erzieher nach Berchtesgaden gekommen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Nicht nur für die Familien der drei am Mount Cook in Neuseeland vermissten Bergsteiger aus Winhöring und Australien sind derzeit die Nachrichten vom anderen Ende der Welt erschütternd. Auch im Kindergarten Berchtesgaden steht man in diesen Tagen unter Schock. Hier nämlich arbeitete der 26-Jährige, der mit seinem 58-jährigen Vater und einem australischen Kameraden an dem anspruchsvollen Berg verschollen ist, als Erzieher.


»Wir stehen zurzeit alle unter Schock«, sagte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp gestern dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Obwohl im Urlaub, ließ sich der Rathauschef am Vormittag noch im Kindergarten sehen, um am ersten Öffnungstag nach den Ferien die aktuell traurige Sachlage zu erläutern und Trost zu spenden. »Den Kindern muss man das in nächster Zeit behutsam beibringen«, so Rasp. Der Winhöringer, der bei seiner Freundin in Schönau am Königssee lebte, war seit 16 Monaten im Kindergarten Berchtesgaden als Erzieher beschäftigt.

Die Suche nach Vater und Sohn mit dem australischen Kameraden am Mount Cook war am Sonntag eingestellt worden. Franz Rasp wollte diese Entscheidung nicht bewerten. »Ich kann die Situation vor Ort nicht einschätzen«, so der Bürgermeister, der selbst schon einmal am Fuße des Berges stand. »Es ist ein sehr anspruchsvoller Berg, der stark vergletschert ist«, so der Rathauschef, der selbst ein guter Bergsteiger ist. Mit einer Besteigung sei immer ein gewisses Risiko verbunden. »Das Ganze ist sehr tragisch für die Familie. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen«, so Franz Rasp.

Die beiden Winhöringer waren in der Nacht zum 29. Dezember um 1.30 Uhr Ortszeit von der Schutzhütte »Plateau Hut« aufgebrochen, um Neuseelands höchsten Gipfel auf 3 724 Metern zu erklimmen. Die Route wird auf der französischen Schwierigkeitsskala mit AD (ziemlich schwierig) bewertet. Der Anstieg erfordert Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad und beinhaltet Firn- und Eispassagen bis zu 45 Grad Steilheit.

Um 4 Uhr früh begegneten die Drei noch dem Chef der dortigen Bergrettung, Dave Mc Kinley. »Sie waren bester Stimmung und gut ausgerüstet«, berichtete der Bergwachtchef in einem Interview mit einem neuseeländischen TV-Sender. Die Männer seien mit Seilen gesichert gewesen und wollten offenbar am Nachmittag zurück sein. Ihr Proviant war für einen Tagestrip ausgelegt. Ursprünglich wollten Vater und Sohn alleine auf den Berg. Als sie den Mount Cook-erfahrenen Australier trafen, beschlossen sie aber, die Besteigung gemeinsam anzugehen. Nachdem das Trio am Abend nicht zurückgekehrt war, sorgten sich Polizei und Bergrettung ernsthaft um die Bergsteiger. Seit Neujahr suchte man mit Unterbrechungen am höchsten Berg Neuseelands immer wieder mit Helikoptern nach den Männern.

Alle drei galten als extrem fit. Der in Berchtesgaden beschäftigte Erzieher war jahrelang erfolgreicher Leichtathlet und sein Vater gilt als sehr erfahrener Bergsteiger, der schon viele Gipfel in den Alpen und in Russland bezwungen hat. Dessen Bruder war in den 1980er Jahren mit einem weiteren Winhöringer von einer Bergtour am Mont Blanc nicht mehr zurückgekehrt. Sie gelten bis heute als verschollen. Ulli Kastner