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Kinder für russische Klangmalerei begeistert

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Zweitklässler aus Oberteisendorf mit dem Klarinettisten Thomas Huber und Geigerin Elena Tolkacheva beim Workshop. (Foto: Mergenthal)

Eine lautmalerische russische Komposition, Inbegriff der Programmmusik, steht im Mittelpunkt der »Workshopkonzerte« für Kinder im Alter von drei bis elf Jahren am Flughafen Salzburg: »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgsky. Anfang der Woche starteten sie im »amadeus terminal 2«, als Kooperationsprojekt zwischen der Philharmonie Salzburg und des »Salzburg Airport W. A. Mozart«. Ein Höhepunkt dieses Projekts sind sechs Familienkonzerte zum selben Thema am kommenden Wochenende.


Die Familienkonzerte beginnen am Samstag um 14 und 16 Uhr sowie am Sonntag um 11, 13, 15 und 17 Uhr. Im zum Konzertsaal umgewandelten Terminal, der im Winter als Abflughalle für Gäste aus England, Skandinavien und Russland dient, ist die Philharmonie Salzburg zudem am morgigen Freitag ab 19 Uhr im Familienmusical »Ruth« zu erleben. Mit dabei ist die Kinder- und Jugendmusicalgruppe »KISI – God’s singing kids«. Karten und nähere Infos gibt es jeweils an der Tageskasse und unter www.kinderfestspiele.com.

Auf zehn Tage verteilt, erleben am Flughafen mit den Profi-Musikern insgesamt 360 Gruppen aus Schulen und Kindergärten spannende Konzerte und Workshops. Das Interesse von der bayerischen Seite ist im 12. Jahr der Kinderfestspiele ungebrochen: Heuer sind 52 Gruppen aus dem Berchtesgadener Land – aus allen Städten sowie Berchtesgaden und den Gemeinden Teisendorf, Ainring und Saaldorf-Surheim – dabei und neun Gruppen aus dem Kreis Traunstein, aus Traunstein und Vachendorf. Darüber hinaus lockt das Salzburger Event Schüler aus Neubeuern, Gars am Inn und von der Fachakademie für Sozialpädagogik in Rosenheim an. An die 10 000 Besucher werden in den kommenden zehn Tagen erwartet.

»Musik ist für mich eine große Inspirationsquelle. Diese möchte ich weitergeben, auch an Familien für die ein Konzertbesuch noch eher ungeübt ist«, sagt Elisabeth Fuchs, die die Philharmonie Salzburg in allen Konzerten selbst dirigiert. »Die Kinder sind offen und neugierig. Uns macht es sehr viel Spaß, für sie zu musizieren. Die vielen positiven Rückmeldungen zu unserem Konzept machen mich froh und stolz. Zum Beispiel beginnen viele nach ihrem Besuch bei uns, ein Instrument zu lernen.«

Besonders freut sie sich heuer über die Verbindung zwischen Musik und Malerei. Mit Live-Painter Severin Krön ist ein musikerfahrener, bildender Künstler mit »on stage«. Fantasievolle Rahmenhandlungen und viele witzige, anschauliche Elemente beleben die Aufführungen, die bei den Workshopkonzerten von Krön und Fuchs im Dialog moderiert werden. Bei den Familienkonzerten wirken zusätzlich Schauspielerin Yvonne Moules und Tänzerin Jasmin Rituper mit. Jedes Kind erhält bei allen Konzerten eine Gratis-CD mit allen Musikstücken.

Lautstark ruft es aus vielen Kehlen »Ja«, als die Dirigentin fragt: »Sollen wir mal 'Harry Potter' spielen?« Anstelle von »Das Schloss« von Mussorksky erklingt zur Abwechslung als Anleihe Harry-Potter-Filmmusik von John Williams, die so ziemlich alle kennen. »Augen zu, Ohren auf!«, ermutigt Elisabeth Fuchs das junge Publikum beim nächsten Stück. Schnell sind alle mucksmäuschenstill, um »Auf dem Marktplatz von Limoges« in Form von Klangfarben Tomaten, Gurken und Erbsen zu entdecken.

Zu Mussorkskys »Tanz der Küken in ihren Eierschalen« tanzen ein paar »Küken« den Ententanz. Zum Stück »Der Ochsenkarren« mit einem Solo für das tiefste Blechblasinstrument Tuba wird die Imitation eines Ochsenkarren gemächlich vor der Bühne vorbei gezogen. Die Hexe Baba-Jaga in ihrem unförmigen Kostüm wird vom Jäger hin- und hergesprengt.

Im Mittelpunkt steht immer wieder der Künstler Severin, der selber gesteht, er sei Konzeptkünstler geworden, weil es schon so viele Maler gibt und weil die Leute eher für Menschen mit Ideen als für Bilder bezahlen. Er mache einfach eine Ausstellung mit unsichtbaren Bildern. Es stellt sich heraus, dass der Maler insgeheim davon träumt, echte Gemälde zu malen, sich aber nicht traut. Unterstützt von den Kindern, ermutigt ihn die Dirigentin, es dennoch zu wagen.

Die Gesamtperformance wurde zum Ende des Workshopskonzerts immer bunter, bis alle Kinder gemeinsam schließlich das »Große Tor von Kiew« bauten. Aufgeteilt auf Zelte, vertieften in Workshops jeweils zwei Orchestermusiker mit den Kindern das Erlebte mit Singen, Spiel und Musizieren, in Wahrnehmungsübungen und im Gespräch. Im Rahmen der Kinderfestspiele legt die Philharmonie, die seit 20 Jahren besteht, auch ein Abo mit jährlich sechs Konzerten auf. Veronika Mergenthal