weather-image

Keiner will die Brücke sanieren

Bischofswiesen - Die Brücke am Bischofswieser Bahnhof muss saniert werden. Doch sieht sich keiner der Eigentümer und Rechteinhaber in der Pflicht. Der Schwarze Peter wird weitergereicht. Und es wird gedroht. Im schlimmsten Fall behält sich die Eigentümergesellschaft das Recht vor, Teile des Bahnhofsgebäudes abzureißen, wie Bürgermeister Toni Altkofer informierte.

Die Eigentümergesellschaft »Patron Elke« droht mit einem Teilabriss des Bischofswieser Bahnhofsgebäudes. Foto: Anzeiger/kp

Kopfschütteln bei den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung: Die Firma »Patron Elke«, die neben der »DB Station und Service AG«, Eigentümer des Bahnhofs ist, droht in einer schriftlichen Stellungnahme mit rüden Mitteln. Das an Bürgermeister Toni Altkofer gerichtete Schreiben, das der Heimatzeitung vorliegt, zeugt davon, dass der Wille zur Zusammenarbeit nicht gegeben ist. »Derzeit besteht seitens der Eigentümergesellschaft kein Interesse an einer Erneuerung der Bahnhofsbrücke«, heißt es dort. Der Bahnhof sei außerdem flächendeckend mit Rechten der Deutschen Bahn belastet, darunter Geh- und Fahrtrechte sowie Parkplatzrechte. Die Bahn werde dadurch begünstigt. »Diese Konstellation erfordert es zwingend, dass etwaige Kosten auf die Deutsche Bahn übertragen werden«, so Patron Elke.

Anzeige

Denn aus rein wirtschaftlicher Sicht ergebe eine Sanierung sowieso keinen Sinn. Patron Elke behält es sich in dem Schreiben vor, sämtliche Rechtsmittel einzulegen. Bei einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss zur Erneuerung der Bahnhofsbrücke, der auf Kosten von Patron Elke getroffen werde, behalte man sich vor, das Gebäude zu entmieten und gegebenenfalls abzureißen.

Aber auch die DB Station und Service AG hat sich zum Thema geäußert. In dem ebenfalls vorliegenden Schreiben heißt es, dass Patron Elke als Eigentümerin des Empfangsgebäudes beitragspflichtig und damit für eine Erneuerung verantwortlich sei. Ob man selbst, als Gesellschaft der Deutschen Bahn, überhaupt in Anspruch genommen werden könnte, könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.

Der Tenor ist klar: Sowohl Deutsche Bahn als auch Patron Elke sind sich sicher, keine finanziellen Mittel für die Brückenerneuerung zuschießen zu müssen. Für die Gemeinderäte in Bischofswiesen ein Schlag ins Gesicht. »Die Gemeinde steht alleine da«, sagte der Bürgermeister. Für eine neue Brücke fehlt aber das Geld - zumal die Zuständigkeit eben nicht bei Bischofswiesen liegt.

Gemeinderat Josef Angerer (SPD) forderte, alle rechtlichen Schritte zu prüfen. So auch Giselher Cramer (CSU): »Nicht den Kopf in den Sand stecken«, lautet sein Credo. Matthias Aschauer (Parteilose Gruppe) warnte davor, dass sich die Gemeinde nun selbst um eine Brückensanierung kümmern werde, um später dann doch feststellen zu müssen, dass der Eigentümer Gebäudeteile abreißen lässt.

Für Kaspar Stanggassinger (Parteilose Gruppe) steht nicht die marode Brücke für Fahrzeuge im Vordergrund: »Eine Fußgängerbrücke wäre viel wichtiger.« Auch Fraktionskollege Thomas Resch erkennt nur eine Lösung für die Gemeinde: Die Brücke zurückzubauen und einen Übergang für Fußgänger zu errichten. »Die paar Parkplätze sind nicht so wichtig«, so Resch.

Ganz anders die Meinung von Paul Grafwallner (UBB): Der sagt, dass sich die Gemeinde blamieren würde, wenn man auf eine Autobrücke verzichten würde. Im Übrigen sei die Gemeinde dafür verantwortlich, dass der Zustand nun so ist, wie er ist. »Wir müssen uns eine solche leisten können«, lautet seine Forderung. Alles andere wäre ein Rückschritt ins vergangene Jahrhundert.

Den Vorwurf, den Übergang vernachlässigt zu haben, ließ Bürgermeister Altkofer nicht gelten. Nach einem schweren Unfall bei der Brücke vor ein paar Jahren seien Sanierungsmaßnahmen umgesetzt worden, das Bauwerk wurde für »in Ordnung« befunden. Josef Fegg (Parteilose Gruppe) ließ sich von seinen Emotionen leiten: »Am besten wäre es, den Bahnhof abreißen zu lassen. In zwei Jahren ist das Dach durchgerostet.« Und dann sei sowieso alles zu spät. So schlimm ist das Szenario für die Gemeinde dann aber doch nicht: Die Gemeindeverwaltung wird zunächst erneut den Kontakt zu den Eigentümern suchen - und dann rechtliche Schritte prüfen. kp