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»Keiner kann sie sehen - nur ich«

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Für Florian (Martin Trippensee) sind sie ein Segen: Seine Fantasiebegleiter Guter und Böser Drache. (Foto: Witzgall)

Fantasie ist eine Begabung. Der kreative Mensch gestaltet Realität durch Fantasie, der Erfinder stellt sich etwas vor, was es noch nicht gibt und »erschafft« es. Doch die wahren Meister der Fantasie, das sind die Kinder: Mühelos vermischen sie Imagination und reale Wahrnehmung, schaffen sich mit ihrer Fantasie im Spiel ihre eigene Realität.


Und genau das beherrscht auch der kleine Florian aus Christine Nöstlingers Kinderbuch »Guter Drache, böser Drache« – ganz zum Leidwesen seiner von seinen »Fantasiegestalten« geplagten Mutter. In einer Theaterfassung von Michael Moritz ist derzeit in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters zu sehen, was man, so man als Künstler selbst Kind geblieben ist, aus einem Kinderbuch machen kann: Richtig gutes Kindertheater. Ein Ensemble aus vier Schauspielern haucht den Figuren, die einst aus Nöstlingers Fantasie entsprungen sind, neues Leben ein und lässt sie in geschmackvoller Bühnen-Ausstattung (Michael Ottopal) für die kleinen Zuschauer erlebbar werden.

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In der Premiere brachten vier Mimen in wechselnden Rollen von Guter Drache und Böser Drache (mal in groß im Kostüm steckend, mal in klein als Handpuppe gespielt), dem Mädchen Lea und dem Parkwächter Karlo das junge Publikum zum Toben. »Es gibt sie wirklich!«, versicherte Florian (Martin Trippensee) den Kindern und leitete somit die Geschichte, die Michael Moritz so liebevoll inszenierte, ein. Das wiederum schien das junge Publikum kaum zu wundern. »Keiner kann sie sehen«, erzählt er weiter – »nur ich«. Irrtum.

Seine zwei Begleiter in Menschengröße lösen, als sie in der Kulisse erscheinen, großes Kindergeschrei in den Kammerspielen aus: »Böser Drache« ist rot und kann Rauch speien, »Guter Drache« ist grün und speit bei Bedarf Seifenblasen. Man sieht sie doch – zumindest im Theater. Sie leben im Park, müssen nicht erlegt werden, weil sie gar nicht gefährlich sind und wer sie nicht sehen will, der verpasst was. Ohne die beiden wäre Florians Leben nicht nur fad: Die beiden Fantasiewesen sind ihm zugleich Spielkameraden, Zuhörer, Tröster, Berater, Mutmacher, Beschützer und manchmal sogar eine »gute Ausrede«.

Florians offenbar überforderte Mutter (Genia Maria Karasek) ist die angebliche Drachenexistenz und die Endlosdiskussionen, die sie wegen ihnen mit ihrem Sprössling auszufechten hat, mehr als lästig. Die beiden sitzen mit am Tisch, brauchen also ihr extra Tellerchen, liegen ab und zu sogar in Florians Bett (und stören seinen ruhigen Schlaf) oder werden genau dann krank, wenn Friseur- oder Arzttermine anstehen. Für Florian sind sie ein Segen, denn sie sind immer für ihn da, helfen ihm sogar, mit der zickigen Lea einen freundlichen Weg zu finden und irgendwie versteht ihn sogar der sonderbare Parkwächter Karlo (Axel Meinhardt).

Vollstes Verständnis in allen Drachenbelangen zeigten auch die bestens amüsierten Kinder, die sich kaum auf den Plätzen halten konnten. Am liebsten, so hatte es den Anschein, hätten sie sich selbst ins Spiel-Geschehen eingebracht, hätten die Bühne geentert, die Seifenblasen gefangen oder die nervige Lea (Patrizia Unger), die Florian ganz schön drangsalierte, von der Schaukel geschubst.

Bedauerlich war nur, dass offenbar versäumt wurde, den Kindern entsprechende Theaterbenimmregeln zu vermitteln, sodass das junge Publikum während des verdient kräftigen Schlussapplauses bereits die Kammerspiele verließ – man meinte fast, dass dem bösen Drachen deshalb ein wenig Rauch entwich.

Das wunderbare Stück wird für Kinder ab fünf Jahren (und Drachenfans) empfohlen und ist noch bis zum 28. Februar in den Kammerspielen zu sehen. Informationen zu Spielterminen oder Karten gibt es per E-Mail unter service@salzburger-landestheater.at oder unter der Telefonnummer 0043/662/871512222.

Kirsten Benekam