weather-image

»Keine Insel der Seligen« – Nachhaltigkeit und Qualität zentrale Punkte

3.0
3.0
Berchtesgadener Land ist »keine Insel der Seligen« – Nachhaltigkeit und Qualität
Bildtext einblenden
Sie stehen hinter den ausgearbeiteten Zielen (v.l.): Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung, Dr. Brigitte Schlögl (Geschäftsführerin BGLT), Thomas Gasser (Erlebnisregion Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel) und Hannes Rasp (Vorsitzender TRBK). (Foto: Lena Klein)

Berchtesgadener Land – Die Perspektive soll geändert werden, dafür hat die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) konkrete Vorsätze ausgearbeitet. In einem Pressegespräch haben die Verantwortlichen dieses Strategiepapier nun vorgestellt. Ziel ist, dem Tourismus mehr Qualität zu verleihen. Dafür soll die Nebensaison gestärkt und das Tagungsgeschäft ausgebaut werden.


Vor einer Weile veröffentlichte die BGLT einen Imagefilm. Stefan Schimmel führt darin durch das Berchtesgadener Land und stellt zahlreiche Orte und Attraktionen vor. Die Macher legten viel Wert darauf, die Eigenheit des Landkreises und der Einwohner hervorzuheben.

Anzeige

»Es soll künftig darum gehen, die Kultur zu vermitteln und gute Gastgeber zu sein«, sagt Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall. »Wir wollen uns nicht verbiegen, sondern die Besonderheiten herausarbeiten.«

Dafür soll online unter anderem ein Schaukasten entstehen, in welchem heimische Erzeugnisse gezeigt werden. »Interessenten können dann auf den Link klicken und das Produkt auf der Webseite des Herstellers erwerben«, erklärt Dr. Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin der BGLT.

Wichtig ist den Verantwortlichen, verschiedene kulturelle Höhepunkte unangetastet zu lassen. »Der Almabtrieb ist bei Touristen seit Jahren sehr beliebt, wir wollen aber nicht, dass auch der Almauftrieb zu so einem Spektakel heranwächst.« Feste Termine sollen nicht verschoben werden, nur um mehr Gäste zu generieren. »Solche Aktionen sollen ohne Schnick-Schnack vonstattengehen können«, sagt Dr. Schlögl.

Die BGLT hat das Strategiepapier in mehreren Workshoprunden selbst erarbeitet, ohne externe Institutionen hinzuzuziehen. Die Grundaufgabe sei, mehr Qualität in den Tourismus zu bringen. Man will das, was den Landkreis ausmacht, bewahren. Die Menschen, die hierher in den Urlaub kommen, sollen bewusst reisen, sich Zeit nehmen und den Ort mit allen Sinnen erleben.

Um dies umsetzen zu können, beinhaltet das Papier mehrere Handlungsfelder, die sich jeweils einem näheren Aufgabenbereich widmen. Besonders wichtig sei dafür die Marktforschung, denn nur so könne man herausfinden, wo der Landkreis steht und wie es weitergehen soll. Dafür wird alle zwei Jahre von einem externen Institut eine Studie durchgeführt. Zudem erstellt die BGLT Fragebögen, die an Gastgeber und Gäste ausgegeben werden.

Ein anderer Punkt ist die Verkaufsförderung. »Es reicht nicht zu sagen, wie schön es bei uns ist«, sagt Dr. Schlögl. Man müsse die Nebensaison beleben und vor allem auch gezielt Märkte bearbeiten. Ein großes Potenzial sieht die Geschäftsführerin nach wie vor in Deutschland. Mit Kampagnen werbe man unter anderem in Hamburg, Stuttgart und Berlin/Brandenburg. Demnächst will man auch Österreich und Tschechien miteinbeziehen. Besonders Wanderurlaub käme bei den Tschechen gut an.

Für nächstes Frühjahr haben die Verantwortlichen bereits ein Projekt in Angriff genommen. Unter dem Motto »Bergfrühling« sollen Urlauber in den Landkreis gelockt werden. »Die Monate April und Mai eignen sich sehr gut, denn im Rupertiwinkel können die Menschen dann bereits radfahren, am Jenner liegt dagegen noch genügend Schnee, um auch die Ski miteinzupacken.«

Als weiteren wichtigen Punkt sieht die Gesellschaft die Ausrichtung von Großveranstaltungen an. Auch die Positionierung als MICE-Region ist geplant. Das bedeutet, man möchte mehr Tagungen und Kongresse im Landkreis ausrichten. »Uns ist sehr wichtig, dass die jeweilige Veranstaltung zu uns passt«, so Dr. Schlögl. Ziel sei nicht, eine Kongressstadt zu werden, denn dafür fehlen die Betten. Dennoch möchte man offen auf Firmen zugehen, um beispielsweise »Führungskräfteseminare« in Berchtesgaden oder Bad Reichenhall zu bewerben. So soll der Landkreis mit seinen Gastgebern auch in der Nebensaison profitieren.

Auch Nachhaltigkeit soll eine zentrale Rolle spielen. Denn Brennpunkte sind die Themen »Verkehr« und »Umweltschutz«. »Der Landkreis ist keine Insel der Seligen«, sagt Dr. Schlögl. Fehlverhalten müsse bestraft werden. »Wir wollen Gäste, die die Natur respektieren.«

Das Strategiepapier soll mit den enthaltenen Punkten nun priorisiert werden. Dann werden die Aufgaben im Team verteilt. Lena Klein