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Kann man Weisheit mit dem Löffel essen?

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Blaubeeren
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Blaubeeren gelten oft als sogenanntes Brainfood. Wirklich schlauer machen solche Lebensmittel aber nicht. Foto: Christin Klose Foto: dpa
Obst und Gemüse
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Viel Obst und Gemüse zu essen, ist ohnehin gesund - und damit auch gut für das Gehirn. Foto: Florian Schuh Foto: dpa
Sport
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Für Körper und Geist: Wer sich regelmäßig zumindest etwas bewegt, hält so auch das Hirn auf Trab. Foto: Tobias Hase Foto: dpa
Birgit Brendel
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Birgit Brendel ist Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Foto: Johannes Waschke/Verbraucherzentrale Sachsen Foto: dpa
Gunter Eckert
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Gunter Eckert ist Professor für Ernährung in Prävention und Therapie an der Universität Gießen. Foto: Georg Gottschlich/Pure:Comm Foto: dpa
Wasser
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Hält das Hirn auf Trab: Ausreichend Flüssigkeit ist auch für die geistige Leistungsfähigkeit enorm wichtig. Foto: Christin Klose Foto: dpa

Täglich eine Kapsel schlucken, und schon viel besser denken können. Die Werbeversprechen sogenannter Brainfood-Produkte sind verführerisch - aber leider auch oft Quatsch. Experten sagen: Sich schlau zu futtern, geht auch simpler.


Gießen (dpa/tmn) - Brainfood nennen sie sich, »Iss dich schlau!« rufen sie: Ratgeber, Snacks und Nahrungsergänzungsmittel, die Versprechen rund um die geistige Fitness machen, gibt es zuhauf. Doch wirklich schlauer essen können wir uns nicht, sagen Experten.

Brainfood sei ein trügerischer Werbebegriff, der nicht genauer definiert ist, sagt Birgit Brendel, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Sachsen. »Es gibt allerdings Lebensmittel, die gut fürs Gehirn sind.«

Ausgewogene Ernährung ist das A und O

Wer sich ausgewogen ernährt, versorge auch das Gehirn mit ausreichend Nährstoffen. Nahrungsergänzungsmittel sollte man nur in Erwägung ziehen, wenn ein Defizit droht - zum Beispiel bei langfristigen Diäten oder bei veganer Ernährung, durch die es vielleicht an Vitamin B12 mangelt.

Vitamin B12 ist einer von vielen Nährstoffen, die dem Gehirn auf die Sprünge helfen. »Und dazu braucht es keine Wundermittel», sagt Gunter Eckert, Professor für Ernährung in Prävention und Therapie an der Universität Gießen. Besonders wichtig sei eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vollkornprodukten ist.

Das Gehirn benötigt Glukose

Denn die liefern dem Körper langfristig Kohlenhydrate in Form von Glukose. »Glukose ist der Brennstoff unseres Gehirns«, sagt Eckert. Das Gehirn verbrauche fast ein Fünftel des täglichen Energiebedarfs – das ist etwa so viel, wie den Körper ein Dauerlauf kostet, so Eckert.

Einfach nur Glukose einzunehmen, in Form von Traubenzucker etwa, bringt deshalb aber nicht unbedingt etwas. Der Blutzucker steigt nach der Einnahme zwar schnell an, sinkt aber auch schnell wieder in den Keller. Eckert empfiehlt stattdessen komplexe Kohlenhydrate, die langkettigen Vielfachzucker enthalten: Den verwertet der Körper erst nach und nach.

Auch Flüssigkeitsaufnahme ist wichtig

Wer geistig fit bleiben möchte, sollte außerdem darauf achten, ausreichend Eiweiße und Fette zu sich zu nehmen. »Besonders wichtig sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die ein wichtiger Baustein fürs Gehirn sind«, sagt Eckert. Enthalten sind sie in fettem Seefisch wie Lachs oder Makrele.

»Das Allerwichtigste ist, ausreichend zu trinken«, sagt Brigit Brendel. Wer zu wenig trinke, bekommt nicht nur schnell Kopfschmerzen - auch die Leistung des Gehirns fährt herunter: »Wenn wir nicht ausreichend Flüssigkeit zu uns nehmen, dickt das Blut ein und das Gehirn wird schlechter mit Sauerstoff versorgt«, warnt Brendel.

Wer viel denkt, sollte sich auch mal auspowern

Auch Bewegung sei ein wichtiger Faktor für eine gute Hirnleistung. »Wer viel geistig arbeitet, sollte sich auch mäßig bewegen«, sagt Gunter Eckert. »Mäßig« bedeute dabei kein Hochleistungssportprogramm. Schon 30 Minuten Bewegung pro Tag, die den Puls leicht steigen lässt, oder 75 Minuten Sport pro Woche reichen aus.

Bei der Ernährung rät Eckert zu der mediterranen Variante. Das heißt konkret: »Sehr viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, viele Milchprodukte und nur moderat Alkohol. Dazu kommen vor allem auch Nüsse und Olivenöl.« Eventuell könne eine solche Ernährung sogar beim Kampf gegen Krankheiten wie Alzheimer helfen.

Auch Monique Breteler kennt Hinweise darauf, dass die Ernährung Krankheiten wie Alzheimer beeinflussen könne: Sie leitete die Rheinland Studie - eine große Bevölkerungsstudie, die seit März 2016 die Faktoren für gesundes Altern erforscht. Gut möglich also, dass Forscher in Zukunft tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Essen und Demenz finden - Brainfood im wahrsten Sinne des Wortes also.