weather-image
22°

Kann der Mensch die Natur beherrschen?

4.5
4.5
Bildtext einblenden
»Winterbild« von Judith Egger. Am Freitag ist die Münchner Künstlerin Gast bei der 32. Traunsteiner Kunstsprechstunde.

Die 32. Kunstsprechstunde in Traunstein findet am Freitag um 19 Uhr im Gebäude Hinter der Veste 11, (neben Computer Zagler) mit der Künstlerin Judith Egger (München) statt.


Kann der Mensch die Natur beherrschen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichneten Münchner Künstlerin Judith Egger. In ihren Installationen, Videos, Performances und Zeichnungen setzt sie sich immer wieder mit diesem Thema auseinander, dabei entstehen sehr vielschichtige Arbeiten, in denen sie aus Ton, Gips, Transparentpapier, Draht oder Latex scheinwissenschaftliche Objekte und Dokumente erschafft, welche aus den Sammlungen von Forschungsreisenden, aus aufgelassenen Laboren und frühen naturkundlichen Museen stammen könnten.

Im Gegensatz zu ihrer naturwissenschaftlich orientierten Verwandtschaft: Der Ururgroßvater Paläontologe, der Vater Meteorologe, die Schwester Biophysikerin, konzentriert sich Judith Egger in ihren Performances, Installationen und Objekten auf die unkontrollierbaren Kräfte der Natur, wobei sie sich besonders den Naturerscheinungen, die andere als eher abstoßend oder bedrohlich empfinden, widmet. So gründete Egger 2004 ihr eigenes »Institut für Hybristik und Schwellkörperforschung«. Dessen künstlerisch-forschender Ansatz unterscheidet sich allerdings erheblich vom heutigen Wissenschaftsverständnis, welches beherrscht ist von analytischer Beweisführung mit dem Ziel größtmöglicher Objektivität und Abstraktion. In Judith Eggers Forschung steht vielmehr das ungehemmt Wuchernde, myzelhaft Wachsende, sich assoziativ Entgrenzende im Mittelpunkt.

Schon die Titel ihrer Ausstellungen »accumulation«, »Biotopie«, »Befall«, »das Röhren der Würmer« oder »Sumpf« weisen darauf hin, dass hier den sterilen, jede Unschärfe und Verunreinigung ausschließenden Laborprozessen andere, scheinbar zufällige, assoziative, ja »wilde« Denk-und Schaffensprozesse entgegengesetzt werden, welche mehr Fragen stellen als Antworten liefern. Das Institut wird für die Künstlerin zu einer Art Forschungslabor, in welchem sie das Thema für ihre weitere Arbeit findet: die künstlerische Gestaltung und Abbildung der Lebenskraft mit dem Schwerpunkt Natur mittels Zeichnung, Objektkunst, Installation und Performance.

Ihre Installationen erinnern bisweilen an wissenschaftliche Versuchsaufbauten – gleichzeitig widersprechen sie in ihrer Gestaltung überprüfbaren Gesetzen. Judith Egger nähert sich ihrem Thema mit großer Konzentration und wertfreiem Blick. Die Materialien, die die Künstlerin verwendet, stammen oft aus den Bereichen des Organischen und Pflanzlichen. Durch die Interaktion dieser Materialien werden anarchische Prozesse des Wachsens, Wucherns und Fließens in Gang gesetzt. In ihren Performances unternimmt Judith Egger den Versuch einer Vereinigung von Körper und Natur und geht dabei oft bis an die Grenzen ihrer physischen Belastbarkeit.

Wer näheren Einblick in die faszinierende Arbeitsweise der Künstlerin Judith Egger und ihrer vielschichtigen Arbeiten bekommen möchte, ist zur Kunstsprechstunde willkommen. Der Eintritt ist frei und es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig.