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»Kandler hat große Fußstapfen hinterlassen«

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In Marktschellenberg lässt es sich gut aushalten. Dr. Michael Köhler genießt seinen Gemeinderats-Ruhestand und verbringt gern Zeit im Garten mit Kater Moritz. (Foto: Annabelle Voss)

Marktschellenberg – Dr.  Michael Köhler hat die vergangenen 24 Jahre des politischen Geschehens in Marktschellenberg aktiv mitgestaltet. Der CSU-Angehörige war nicht nur seit 1996 Gemeinderat, sondern die vergangenen sechs Jahre auch Kreisrat. »Ein bisschen Wehmut« empfindet er schon, jetzt, da seine politische Tätigkeit beendet ist. »Jetzt hab ich nicht mehr mein Ohr am Geschehen.« Aber Dr. Köhler sieht es gelassen: »Ich bin gerade erst 73 geworden, da muss ich auch nicht mehr überall dabei sein.«


Die Sonne scheint in den großen Garten der Familie Köhler in Marktschellenberg. In diesem Kleinod gibt es einen großen Teich, ein gigantisches Fass als Gartenhütte, Gemüsepflanzen und jede Menge gemütliche Sitzgelegenheiten. Dr. Michael Köhler wirkt grundentspannt, sitzend auf einer Holzbank und mit Kater Moritz, der ihm um die Beine streicht. Nun ist er zwar nicht mehr im Marktgemeinderat Marktschellenberg tätig, dafür hat er noch die ärztliche Leitung eines Kurhotels in Bad Dürrnberg inne. Seine eigene Praxis in seinem Wohnhaus am Ahornweg will er »keine zwei Jahre« mehr betreiben. Ein Nachfolger soll dann die Praxis übernehmen.

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Viele Vorhaben und Projekte fallen in seine Zeit als Mandatsträger, die er mitentschieden hat. »Am wichtigsten war mir die Verbesserung der Abwasserentsorgung«, sagt er nach kurzer Überlegung. Zu den anderen Themen, die ihm wichtig waren und sind, zählt die Infrastruktur. »1977/78 haben wir das Haus hier gekauft. Damals gab es im Ort ja noch etliche Gastwirtschaften und auch Lebensmittelgeschäfte in Marktschellenberg.« Es sei durchaus möglich gewesen, die Versorgung mit Geschäften zu verbessern, lautet die Meinung des Arztes. Umso positiver findet er die baldige Eröffnung einer Gastwirtschaft im Ort. »Das ist traumhaft, sowas von toll«, schwärmt er.

Natürlich gab es auch Dinge in den vergangenen 24 Jahren, die ihm nicht gefallen haben. »Leider ist das mit den Chalets nichts geworden«, bedauert er. Vor drei Jahren hatte ein Investor geplant, am Buchenweg mehrere Chalets zu errichten (wie berichtet). »Das ist leider versiebt worden. Jetzt haben wir immer noch die Moospipp'n da oben und nichts passiert.« Dieses Projekt sei mit Argumenten abgeschmettert worden, »die nicht verständlich sind«. Denn strukturell hätte es gut zum Ort gepasst.

Aber das Thema Chalets falle noch in die neuere Zeit. Zu Beginn seines Engagements im Gemeinderat habe es mal persönliche Anfeindungen gegen seine Person gegeben. »Damals gab es Personen im Gemeinderat, die auch unter die Gürtellinie gegangen sind«, so Köhler zum Thema negative Erfahrungen. »Aber das muss man aushalten«, schiebt er schnell hinterher. Man könne es nie allen immer Recht machen. Gute Erinnerungen hat Dr. Köhler an die Zeit unter Bürgermeister Alfons Kandler. Damals wurden die Wege zu den Bauern saniert, es wurden Zufahrten geschaffen. »Da bin ich ganz zufrieden damit.« Durch Kandler ist er selbst damals zur CSU gegangen, und über ihn kam er auch dazu, sich für den Gemeinderat aufstellen zu lassen. Der CSU-Gemeinderat habe sich in dieser Zeit auch teilweise heftig mit ihm »gefetzt«, dennoch sei Alfons Kandler ein sehr guter Bürgermeister für Marktschellenberg gewesen. Und was hält Dr. Michael Köhler von Kandlers Nachfolgern im Amt? Es folgt eine Pause. »Ich war mit diesen nicht immer einverstanden. Sagen wir mal so: Mit Kandler war ich ganz besonders zufrieden, und er hat schlicht große Fußstapfen hinterlassen.«

Persönlich hat ihn das Amt als CSU-Gemeinderatsmitglied nicht besonders verändert, sagt der 73-Jährige. Was er gelernt hat: »Viele können nicht zwischen Beruf und Ehrenamt unterscheiden.« Es sei ihm aufgefallen, dass manche, die mit seinen politischen Entscheidungen nicht einverstanden waren, auch nicht mehr in die Praxis kamen.

Was die Arbeit im Gremium betrifft, so sei man sich aber über die Parteien hinaus meist einig. »Zu 90 Prozent gibt es einstimmige Entscheidungen aufgrund der Rechtslage. Ich kann ja auch keinen Bauantrag ablehnen, nur weil mir das Vorhaben nicht gefällt.«

Im Moment vermisst er es nicht, im Gemeinderat zu sitzen. Wenn er bald im Ruhestand ist und noch mehr Freizeit hat, will sich der Arzt dem Haus und Garten widmen und auch mal nach Kroatien fahren. »Ich war schon viel auf Reisen und muss nicht mehr weiter wegfahren.« Dennoch will er das politische Geschehen in seiner Heimatgemeinde in den kommenden Jahren weiterverfolgen und auch Sitzungen des Marktgemeinderats beiwohnen, »wenn interessante Themen behandelt werden«. Für die Zukunft wünscht er sich, dass das ehemalige Gasthaus »Forelle« im Ort wiederbelebt wird und auch, »dass wir einen Grundversorgungsladen bekommen«. Dies sei vor allem für die älteren Bürger wichtig.

Annabelle Voss