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Kandidaten für Bürgermeisterwahl in Waging nehmen Stellung

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Rede und Antwort standen die Kandidaten für das Bürgermeisteramt (von links): Zweiter Bürgermeister Matthias Baderhuber (CSU), Walter Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen) und Beppo Hofmann (Unabhängige Gruppierung Waging). Anton Huber moderierte die Podiumsdiskussion. (Foto: Sojer)

Waging am See – Die Entscheidung naht: Am Sonntag wählen die Waginger einen neuen Bürgermeister. In einer Podiumsdiskussion im Badwirt in Tettenhausen haben die drei Kandidaten kommunalpolitische Überzeugungen geäußert. Anton Huber war der Moderator. Anhand von Gesprächen mit den Bürgern waren im Vorfeld drei Fragen zusammengestellt worden.


Wie sieht es mit der Weiterentwicklung in Tettenhausen bezüglich Infrastruktur, Kindergarten und Baugebiet aus?

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Matthias Baderhuber (CSU) setzt wegen der Kreisstraßen auf das Engagement der örtlichen Kreistagsmitglieder. Es gebe einige Stellen, die verbessert werden müssen wie die Situation ortsauswärts Richtung Lampoding. Beim Straßenbauamt sei eine 60er-Beschränkung beantragt, aber diese würde an dieser Stelle für nicht notwendig gehalten. »Wir werden trotzdem dranbleiben, dass wir eine Beruhigung bekommen«, sagte Baderhuber. Der Kreisverkehr beim Feuerwehrhaus werde nicht kommen, dafür werde aber die Kreuzung hergerichtet. Eine Erschließung Gut Horn sei weder Ziel noch Gegenstand der vorliegenden Bauleitplanung vom sogenannten Baugebiet Tettenhausen Ost. Die Planung stehe aber nicht im Konflikt mit einer eventuellen, künftigen Erschließung, das heißt, es sei nichts Konkretes geplant, aber die Möglichkeit gebe es nach wie vor.

Beppo Hofmann (Unabhängige Gruppierung Waging) sieht die Gemeinde in der Pflicht, die Gemeindestraßen weiterhin im Blick zu haben. »Grundsätzlich sind wir qualitativ bei den Straßen gut aufgestellt. Aber es gibt immer noch Abschnitte, die dringend saniert werden müssen«, sagte Hofmann. Im Haushalt müsse deshalb mehr Geld zum Straßenunterhalt zur Verfügung gestellt werden. Die Situation an dem Fahrbahnteiler sei für ein Kind »saugefährlich« und dürfe keinesfalls so gelassen werden, monierte Hofmann. Für einen Kreisverkehr an der Feuerwehr sieht Hofmann keine Notwendigkeit, stattdessen sei ein Kreisel an der Einmündung zur Staatsstraße 2105 umso dringlicher. Eine Trasse im Flächennutzungsplan von Taching sei leider nicht vorgesehen. Hofmann fordert jedoch eine überkommunale Zusammenarbeit mit Taching und Waging in der Planung und Umsetzung eines Kreisverkehrs, um den Unfallschwerpunkt zu beheben.

Walter Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen) meinte, dass bei den Instandhaltungen der Straßen rechtzeitig begonnen werden sollte, damit keine Mehrkosten entstehen. Überlegt werden könnte, ob man die eine oder andere Straße überhaupt noch braucht oder sogar einen Rückbau machen könnte.

Beim Thema Kindergarten rechnet Baderhuber künftig mit mehr Kindern. Derzeit gebe es im gesamten Gemeindegebiet vier Einrichtungen für die Kinder. Die Art der Kinderbetreuung sei im Wandel, denn mehr Mütter bräuchten eine Betreuung der Unter-Dreijährigen. Der Idealfall sei, dass jedes Kind in seinem Ortsteil in den Kindergarten gehen kann. Den Bedarf müsse man frühzeitig erkennen, um rechtzeitig reagieren zu können. Von den im letzten Jahr verschickten Bedarfsbögen seien leider nur zirka die Hälfte zurückgeschickt worden. »Meine Idee wäre, dass es in der Gemeinde eine zentrale Kindergartenanmeldestelle gibt«, sagte Baderhuber.

Für Hofmann steht der Erhalt des Kindergartens außer Frage. Die Nachfolge des Montessori-Kindergartens müsse langsam geregelt werden. Die Gesamtsituation der Kindergärten übe dank der Käsemäuse der Firma Bergader keinen großen Druck aus. Vielmehr sollte man sich Gedanken über einen Waldkindergarten oder Bauernhofkindergarten machen.

Wimmer teilt die Meinung, dass Tettenhausen keine Krippe braucht. Der Zustand des Kindergartens sei in Ordnung. Das eine oder andere Spielgerät könne dazugekauft werden.

Über die »unendliche Geschichte« des Baugebietes sagte Hofmann: »Wir haben vergangenen Mittwoch eine weitere Auslegung von dem Bebauungsplan beschlossen. Die Problematik ist, dass wir im Landschaftsschutzgebiet sind. Eine Lösung ist erarbeitet und wird ausgelegt, und das Ganze wird bis Mitte 2020 dauern.«

Der Einleitungsbeschluss für die Aufstellung eines Bebauungs- und Prüfordnungsplans für das Gebiet Tettenhausen-Ost sei vor längerer Zeit gefasst, jedoch aus mehreren Gründen immer wieder geändert worden. »Der Bebauungsplan wird aber heuer noch fertig werden« versprach Baderhuber.

Zwecks Baugebiet möchte Wimmer einen anderen Weg einschlagen. Als Flächensparer und Naturschützer ist er in Sorge: »Da werden wieder Einfamilienhäuser wie in den 70er und 80er Jahren gebaut, so wie es immer schon gemacht wird.« Er möchte nicht daran festhalten, was man immer schon gemacht habe. Er denkt an Wohnhöfe mit Einbindung des Kindergartens. So entstehe Gemeinschaft, und der Dorfcharakter bleibe erhalten. Wimmer möchte mehrere Vorschläge gemeinsam mit den Bürgern für etwas Nachhaltiges und Langfristiges erarbeiten.

Die Ökomodell-Region wird bis 2022 verlängert. Einerseits wird beworben, regional einzukaufen, andererseits siedelt sich ein Rewe-Markt an. Muss das sein?

Beppo Hofmann: »Ich sehe keinen Konflikt zwischen Rewe und der Ökomodell-Region. Die Verbraucher entscheiden schließlich selbst über ihr Einkaufsverhalten.« Vielmehr stelle sich die Frage, wie es nach 2022 mit der Ökomodell-Region weitergeht. Falls die Förderung wegfällt, werde es eng.

Wimmer ist der Meinung, dass die Ökomodell-Region zu den Leuten, zur Landschaft und zu den Voraussetzungen passt. »Wir kriegen keine billigere Wirtschaftsförderung«, sagte Wimmer. Die letzten fünf Jahre habe das Projekt unglaublich viel geschafft. Allerdings müsse man sich eminent dagegen spreizen, dass Rewe Ökoprodukte vertreibt. »Wir brauchen regionales Bio, und die Chance bietet uns die Ökomodell-Region, für so wenig Geld.« Er möchte den Handel in Schwung bringen, er hofft, dass die Gemeinde ein Marketing auflegt – und dass der Tourismus profitiert.

»Es war richtig, dass die Ökomodell-Region verlängert worden ist«, sagte Baderhuber. Die Hauptthemen der Ökomodell-Region seien die Erzeugung und Vermarktung regionaler Produkte. Der neue Rewe-Markt stehe keinesfalls im Widerspruch zu den Zielen der Ökomodell-Region. Gerade bei einem Vollsortimentler habe man die Möglichkeit, regionale Produkte zu verkaufen. Rewe sei sehr aufgeschlossen. Die Managerin der Ökomodell-Region müsse sich mit dem Pächter in Verbindung setzen. Waging selbst als Einkaufsort werde durch den Rewe-Markt gestärkt.

Wie stellen sich die Kandidaten den Waginger Ortskern zukünftig vor?

Walter Wimmer sind die Ökomodell-Region, das Naturtourismuskonzept und integrierte ländliche Entwicklung wichtig. »Ich möchte was Neues probieren wie zum Beispiel autofreie Straßen oder Überdachung des Platzes der Tourist-Info, sodass das ganze Jahr der Bauernmarkt veranstaltet werden kann. Wir brauchen Anreize, damit in Waging mehr investiert wird. Und ich würde es gerne managen.«

Matthias Baderhuber stellt sich den Ortskern mit Biergärten, Eisdiele, vielen Geschäften, gepflegten Wegen und Grünflächen, Bänken, Parkplätzen und Radlständern vor – so weit die Vision. Aufgabe der Gemeinde sei es, die Rahmenbedingung für einen belebten Ortskern zu schaffen.

So sieht es auch Beppo Hofmann. Für ihn ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Verein »Waging bewegt« von großer Wichtigkeit. »Nur mit den Fachleuten schaffen wir dies.«

Nach der Pause stellten einzelne Bürger Fragen an die drei Bewerber, die Rede und Antwort standen. Für die drei Bürgermeisterkandidaten ist es wichtig, dass jeder am Sonntag zur Wahl geht, unabhängig von seinem Favoriten. soj

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