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Justiz will Mordfall Peggy nach elf Jahren überprüfen

Bayreuth (dpa) - Der spektakuläre Mordfall Peggy kommt elf Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens erneut auf den Prüfstand. Das kündigte die Staatsanwaltschaft Bayreuth an, nachdem ein Zeuge laut Bayerischem Rundfunk seine Aussage widerrufen hat.

Peggy
Die Aufnahme zeigt Peggy K. aus dem oberfränkischen Lichtenberg. Foto: Polizei Foto: dpa

Er hatte den Angeklagten Ulvi K., der dann wegen Mordes verurteilt wurde, schwer belastet. Dies werde geprüft, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky am Donnerstag mit.

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Janovsky betonte zugleich, dass sich das Gericht bei der Verurteilung nicht entscheidend auf diese Zeugenaussage gestützt habe. Unterdessen kündigte der Anwalt des Verurteilten einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens an. Er habe die Vorbereitungen dafür fast abgeschlossen, sagte der Frankfurter Jurist Michael Euler.

Peggy war im oberfränkischen Lichtenberg 2001 spurlos verschwunden. Bei der Suche nach dem damals neunjährigen Mädchen kamen sogar Flugzeuge der Bundeswehr zum Einsatz - vergeblich. Schließlich präsentierte die Polizei Ulvi K. als Täter. Von Anfang an gab es Zweifel an seiner Verurteilung. In Lichtenberg gründete sich sogar eine Bürgerinitiative, die von der Unschuld des Verurteilten überzeugt ist. Anwalt Euler hatte bereits vor Monaten auf viele offene Fragen und angebliche Fehler bei den Ermittlungen hingewiesen. Im Fall Peggy gibt es bis heute keinen Leichenfund.

Das Erste zeigte am Mittwoch die Dokumentation «Mord ohne Opfer - Neue Spuren im Fall Peggy» von Christian Stücken. Er begab sich auf Spurensuche und befragte Prozessbeobachter und Betroffene von damals erneut. Das Fazit des Filmautors: Ulvi K. kann den Mord, so wie ihn das Gericht im Urteil darstellt, nicht begangen haben. 1,12 Millionen Zuschauer verfolgten die Doku (Marktanteil 7,4 Prozent).

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass unabhängig von der Prüfung keine rasche Entlassung von Ulvi K. bevorstehe: Er sei in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht - «wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern, der völlig unbestritten ist», wie Janovsky betonte. Der Belastungszeuge hatte nach BR-Angaben im Verlauf des Verfahrens ausgesagt, Ulvi K. habe ihm den Mord an Peggy gestanden und auch Details genannt. In Wahrheit sei er von der Polizei zu dieser Aussage gedrängt worden.