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Jump, klick, surf

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Felix Straub in seinem Element. Dass sein Klicksystem funktioniert, zeigen die Probesprünge. (Foto: Privat)

Frei sein, sich nicht auf den Alltag konzentrieren müssen, kein Smartphone, keine Abhängigkeit, Wind und Wellen spüren – wenn der 18-jährige Felix Straub über seine Leidenschaft Kitesurfen spricht, ist er ganz in seinem Element. Nun ist er, der derzeit in Siegsdorf wohnt, auf dem besten Weg, mit seinem Hobby auch unternehmerisch erfolgreich zu werden. Er hat mit »klick.ma« ein neuartiges Bindungssystem fürs Kitesurfen entwickelt und mit seiner Idee einen mit 10 000 Euro dotierten Gründerpreis gewonnen.


Das Kiten liegt dem jungen Mann im Blut. Bereits als Sechsjähriger haben ihn seine Eltern – selbst passionierte Kitesurfer – dazu ermutigt, den Sport zu erlernen. Beim Kitesurfen steht der Sportler auf einem kurzen Brett und wird von einem Lenkdrachen übers Wasser gezogen. »Es hat lange gedauert, bis ich wirklich auf dem Wasser stand zum Kiten, davor waren viele Trockenübungen auf der Wiese angesagt«, erinnert sich Straub an die Anfänge seiner Kitesurfkarriere.

Schwacher Ostwind, Westwind bringt Gewitter

Diese begann übrigen nicht am heimischen Chiemsee sondern am Roten Meer. »Am Chiemsee sind die Windverhältnisse nicht optimal, der Ostwind ist zu schwach, der Westwind bringt schlechtes Wetter.« Nur am Meer habe man konstanten Surfwind.

Das Kitesurfen eine Risikosportart mit hohem Verletzungspotenzial ist, merkte auch Felix Straub schnell. Nach einem Sturz hatte der damals Zwölfjährige Probleme mit der Achillessehne, bei Überlastung knickte plötzlich im Gehen sein linkes Bein weg. Das Kiten hat er dennoch nicht sein lassen. Als ihn eine Mittelohrentzündung während eines Surfurlaubs in Ägypten ausbremste, war klar, dass die Schmerzen und Probleme mit dem Kiten zusammenhängen, vor allem mit dem durch die konventionelle Bindung fixierten Stand auf dem Board, erinnert sich Felix. Da den Sport aufzugeben keine Option war, musste eine andere Lösung her, ergo eine andere Bindung. Die Idee für »klick.ma« begann zu reifen.

Die gängige Halterung auf dem Kiteboard besteht aus Boots, ähnlich den Stiefeln beim Snowboard, und einer Bindung, die fest mit dem Board verbunden ist. Der Winkel zwischen Stiefel und Brett ist nur wenig variabel, die Füße bleiben immer am Board. »Ich wollte etwas, das maximale Freiheit und cooles Design verbindet«, betont Felix Straub. Und so hat er angefangen, verschiedene Varianten auszuprobieren.

Inspiriert vom Skateboard

Inspiriert wurde er vom Skateboarden. »Da steht man komplett flach auf dem Brett und kann problemlos springen und Tricks zeigen, das wollte ich fürs Kitesurfen adaptieren«, beschreibt Straub seine Idee. Der erste Versuch 2013 mit dem von Rennradschuhen bekannten Klicksystem, die er auf ein Holzbrett montierte, scheiterte. Es hatte genau den gegenteiligen Effekt, die Schuhe lösten sich aus der Bindung. »Wenn man einen Move auf dem Board machte, dreht man den Fuß seitlich – eine Bewegung, die das Klicksystem des Rennradschuhs löst«, erinnert sich Straub. Als nächstes probierte der damals 13-Jährige mit Klettverschlüssen, um die Schuhe am Board zu befestigen. Doch weder Design noch Funktionalität überzeugten: »Hält nicht und sieht nicht gut aus«.

Doch Felix hat weiter getüftelt und kam schließlich auf die Idee, Schuhe und Board mit Magneten zu verbinden. »Ich war total überzeugt von der Idee, die ersten Magneten hatten eine Haltekraft von 20 Kilogramm, ich hab sie sofort ans Board geklebt – und es hat nicht funktioniert«, sagt der Tüftler und muss heute über seinen Eifer lachen. Die Magneten waren einfach zu schwach.

Etwas stärkeres musste her. Doch diese Magneten zu finden war alles andere als einfach. Bei seiner Recherche stieß er auf einen japanischen Herstellen, der runde Magnete mit einer Haltekraft von 120 Kilogramm anbot. Damit ließ sich die Idee endlich umsetzen – auch wenn einer 60 Euro kostet. Für den Schüler war das damals viel Geld. Doch er feilte weiter an seinem Klicksystem – aus der Idee wurde ein vielversprechendes Produkt. Seinen Ritt auf der Erfolgswelle begann der Kitesurfer schließlich im Oktober 2018. Beim gemeinsamen Ideen Camp von Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice (BGLW) und Startup Teens an der Berufsschule Berchtesgadener Land wurden Jugendliche aus der Region dazu aufgerufen, gemeinsam mit Mentoren an ihren Ideen zu feilen und diese zu Geschäftsplänen weiterzuentwickeln. Felix – inzwischen Azubi zum Zerspanungsmechaniker und damit Berufsschüler – nahm daran teil: Zudem wurde er fortan von der BGLW-Gründerlotsin Jasmin Klünsner unterstützt.

»klick.ma« ist markenrechtlich geschützt

Eine Teilnahmen an Start­up Live an den Alpen in der Lokwelt Freilassing folgte. Hier knüpfte Felix Straub nicht nur den Kontakt zu einem Patentanwalt – »klick.ma« ist nun für ein Jahr weltweit markenrechtlich geschützt –, sondern gewann nach zwei intensiven Coachingtagen vor großem Publikum in der Kategorie »Nachwuchsgründer«. Es folgten verschiedene Preise und Auszeichnungen bei weiteren Startup-Teen-Wettbewerben. Die Chancen und Erfahrungen wappneten ihn auch für die Teilnahme am Bundeswettbewerb Startup Teen in Berlin im Frühsommer. Auch hier überzeugte Felix, er siegte in der Kategorie Konsümguter und gewann 10 000 Euro.

Und wie soll es nun weitergehen? Ausgegeben hat er das Geld bislang noch nicht. »Ich suche Produktionspartner, die mir helfen, die Boards mit 'klick.ma' zu produzieren«, bringt es der 18-Jährige auf den Punkt. Denn seine Kiteboards möchte der Nachwuchsunternehmer unbedingt selbst produzieren – »die Lizenz zu verkaufen kommt nicht in Frage«. vew