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Jubiläum für Anne-Sophie Mutter

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Anne-Sophie Mutter und ihre »Virtuosi« begeisterten das Publikum in Salzburg mit Vivaldis »Vier Jahreszeiten«. (Foto: Aumiller)

Vor 40 Jahren, am 29. Mai 1977, debütierte Anne-Sophie Mutter bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Sie spielte Mozarts G-Dur-Violinkonzert KV 216 mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan, der ein Jahr zuvor die damals 13-Jährige entdeckt und nach Salzburg eingeladen hatte. Damit wurde ihre Weltkarriere begründet – 40 Jahre Salzburg waren also der außergewöhnliche Anlass, die charismatische Geigerin in der pfingstlichen Jubiläumsmatinee entsprechend zu feiern.


Den ersten Teil bestimmte Kammermusik von Franz Schubert. Im bezaubernden Klaviertriosatz Es-Dur D 897, dem sogenannten »Notturno«, das in seiner verträumten nächtlichen Stimmung berührend die Gefühle streichelte, zeigte sich die Stargeigerin als subtile Kammermusikerin. Mit ihr musizierten der Pianist Daniil Trifonov, der sich mit fein glänzenden Klanglichtern einfügte, die Bratscherin Hwayoon Lee und der Cellist Maximilian Hornung.

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Im populären »Forellenquintett«, bei dem noch der Kontrabassist Roman Patkoló hinzukam, wich der leicht melancholische Unterton des »Notturnos« heiterem Klingen in flotter dynamischer Bewegung. Der Name des Quintetts und vermutlich auch seine Beliebtheit leitet sich von der Scherzo-Melodie her, die Schuberts Lied »Die Forelle« zum Thema hat. Im ausgewogenen Kammerspiel suggerierten die Musiker mit singender Melodik und tanzender Rhythmik frühlingshafte Naturstimmungen. Die Feinheiten wirkten fast zu filigran auf der großen Bühne, die leider kein ideales Kammermusikambiente ist.

Nach der Pause kamen »Mutter’s Virtuosi«, das Kammerensemble, das die Geigerin seit 2011 aus Stipendiaten ihrer Stiftung besetzt, zum Einsatz. Antonio Vivaldis »Le quattro stagioni«, die überaus populären »Vier Jahreszeiten«, erlebten eine stupende Aufführung, die mitriss und am Ende einen wahren Begeisterungstaumel hervorrief.

Vivaldis Original ist verschollen, der Musik liegt eine Erstausgabe zugrunde, was den jeweiligen Interpreten Freiheiten – vor allem in den Auszierungen und Kadenzen – gewährt. In der programmatischen Vorgabe des jahreszeitlichen Ablaufs kreierte der Opernkomponist Vivaldi vielfältige Stimmungsbilder der Natur, in denen die Vögel zwitschern, der Donner grollt, die Blitze zucken oder der Hund bellt. Die schwüle Sommerhitze wird ebenso fantasievoll zu Klang wie die klirrende Winterkälte, der prasselnde Regen oder die wohlige Kaminwärme. Die Violine ersetzt die Gesangsstimme in Vivaldis bildhafter Tonmalerei und Anne Sophie Mutter war auf ihrer Geige die mit edlem Ton brillant singende Primadonna.

Ihre »Virtuosi« mit Knut Johanessen am Cembalo sind die fabelhafte Streichergarnitur, die den Auftritt in Salzburg zusammen mit ihrer prominenten Mentorin bestens nutzten. Zu Recht gab es Standing Ovations und nicht enden wollenden Jubel für dieses hochkarätige Jubiläumskonzert. Da ließen es sich Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Cecilia Bartoli als künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele nicht nehmen, noch während des Applauses auf die Bühne zu kommen, um Anne-Sophie Mutter zu gratulieren.

Kein Event, sondern ein musikalisches Ereignis, das weit bis in den Alltag aller Anwesenden fortleben werde, habe die Geigerin kreiert, sagte die Festspielpräsidentin. Anne-Sophie Mutter sei eine Entdeckerin, die immer wieder von vermeintlich gut bekannten Stücken neue Interpretationen möglich mache. »Am 29. Mai 1977 ereignete sich auf dieser Bühne ein musikalisches Pfingstwunder. Herbert von Karajan, dem Salzburg so viel verdankt, lud das nicht einmal 14-jährige Geigenwunderkind ein. Sie kam, spielte und siegte bei Publikum und Kritik. Und so ist es bis heute geblieben«, sagte Helga Rabl-Stadler. Elisabeth Aumiller

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