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Jair Lapid: liberale Überraschung der Wahl

Tel Aviv (dpa) - Der frühere Fernsehmoderator Jair Lapid hat bei der israelischen Parlamentswahl für eine Riesenüberraschung gesorgt. Der 49 Jahre alte Politneuling schaffte mit seiner Zukunftspartei aus dem Stand den Sprung auf Platz zwei im Parlament.

Jair Lapid
Die Zukunftspartei des ehemaligen TV-Journalisten Jair Lapid schaffte aus dem Stand Platz Zwei im Parlament. Foto: Abir Sultan Foto: dpa

Der gut aussehende Mann mit dem grau melierten Haar wirkt wie ein liberales Gegenbild zu dem rechtsorientierten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Lapids Familienname bedeutet auf Hebräisch Fackel - mit seinem Gang in die Politik will der verheiratete Vater dreier Kinder den Weg zu einem moderneren, gerechteren Israel leuchten.

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Für eine Koalition mit Netanjahu hat er sich aber anders als andere Repräsentanten des Mitte-Links-Lagers ausdrücklich offen gezeigt. Noch in der Wahlnacht äußerte er sich dankbar für den überraschend großen Wählerzuspruch. «Danke», schrieb er lapidar auf seiner Facebook-Seite.

Bei der Abstimmung im Norden Tel Avivs hatte Lapid vorher gesagt: «Das ist das erste Mal, dass ich für mich selbst stimme. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, von dem mir auch mein Vater erzählt hat.» Sein vor knapp fünf Jahren gestorbener Vater, ein Holocaust-Überlebender aus Ungarn, war Vorsitzender der liberalen Schinui-Partei und bis 2004 Justizminister. Deshalb kennt Lapid das politische Geschäft von Kindesbeinen an.

Doch auch seiner Mutter Schulamit, einer bekannten Autorin, ist er beruflich gefolgt: Lapid hat schon mehrere Kinderbücher und Romane veröffentlicht. Seine Frau Lihi ist eine in Israel sehr prominente Schriftstellerin und Zeitungskolumnistin. Sie sorgte vor einigen Jahren für großes Aufsehen, als sie offen über den Autismus ihrer Tochter sprach.

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Porträt von Lapids Vater