weather-image
10°

Ist Europa noch zu retten? Viel Prominenz beim »Berchtesgadener Gespräch«

4.3
4.3
Bildtext einblenden
Frontansicht des Königlichen Schlosses Berchtesgaden. (Foto: Rosephantom/Wikipedia)

Berchtesgaden – Herzog Franz von Bayern lädt auch heuer wieder zu einem »Berchtesgadener Gespräch« in die Marktgemeinde ein. Es wird am heutigen Freitag und morgigen Samstag im Schloss zu Berchtesgaden stattfinden.


Diesmal sind 16 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Polen eingeladen: Fürst Karl Schwarzenberg (Prag/Wien), Dr. Theo Waigel, die früheren EU-Kommissare Dr. Franz Fischler (Absam/Tirol) und Peter Schmidhuber (München), der deutsche Botschafter in London, Dr. Peter Wittig, der Generalsekretär der CSU, Markus Blume und der Europa-Abgeordnete Markus Ferber (Augsburg/Brüssel).

Anzeige

Von der Sorbonne in Paris kommt die Zeithistorikerin Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, aus Rom der Leiter des ARD-Studios für Italien, Griechenland und Vatikan, Tassilo Forchheimer vom Bayerischen Rundfunk, aus Warschau der Direktor des polnischen Büros des European Council for Foreign Relations, Piotr Buras. Wieder dabei ist Stefan Kornelius, Leiter der Außenpolitischen Redaktion der »Süddeutschen Zeitung«. Erstmals eingeladen ist der international hoch angesehene Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Hacke (Universität Bonn). Und ebenso zum ersten Mal wird Erzabt Dr. Korbinian Birnbacher OSB (St. Peter Salzburg) teilnehmen.

Die Organisation des Gesprächs oblag wieder wie seit 15 Jahren Prof. Dr. Albert Scharf, dem früheren Intendanten des Bayerischen Rundfunks, von dem auch die Idee für dieses Gespräch stammt. Er wird das Gespräch zusammen mit Prof. Dr. Ursula Münch, der Direktorin der Politischen Akademie Tutzing, auch moderieren.

Den Vorsitz führt Herzog Franz von Bayern, der selbst in das Thema einführen wird, das ihm sehr am Herzen liegt und das, wie er sagt, »uns weiter in Atem halten und beunruhigen muss«: die politische Veränderung der Welt, wie sie durch die Vorgänge in den USA, in Großbritannien, Italien, aber auch in Frankreich und bei unseren Wahlen der letzten Jahre und Monate sichtbar wird.

Nationalistisch und populistische Parteien gewinnen an Bedeutung, die alten ausgleichenden Volksparteien verlieren an Gewicht. Das Bewusstsein für eine grenzüberschreitende, übernational, globale Verantwortung scheint in einem neuen politischen Chauvinismus verloren zu gehen.

Und auch nach den Wahlen zum Europäischen Parlament und der immerhin schließlich gelungenen Bildung einer neuen Europäischen Kommission bleibt die Frage: Was wird aus Europa? Wird es noch gelingen, ein Europa strukturell und mit der unverzichtbaren Solidarität so zu organisieren, dass es in dem immer noch schärfer akzentuierten globalen Machtwettbewerb zwischen den USA, China, und Russland mithalten und bestehen kann? Hat dieses politisch verbundene, aber zunehmend oft uneinige Europa noch eine Chance, den europäischen Völkern eine sichere, friedliche, ökonomisch und ökologisch vernünftige Zukunft zu gestalten und zu garantieren?

Kurz gesagt: Ist Europa noch zu retten? Es gibt viele Kräfte in der Welt, die daran arbeiten, ein geeintes, handlungsfähiges, schlagkräftiges Europa zu verhindern und diese EU zurückzuversetzen in die politische Steinzeit mit vielen vergleichsweise kleinen, je für sich global irrelevanten Staaten.

Die große Idee oder Ideologie von einer transatlantischen Allianz für Freiheit und Demokratie hat sich, so scheint es, verbraucht, verflüchtigt. Europa braucht eine neue überzeugende Idee und eine Reform der EU, um wieder Tritt zu fassen und krisenfest zu werden: politisch, wirtschaftlich und militärisch. Darüber soll beim diesjährigen »Berchtesgadener Gespräch« im schlicht-noblen Ambiente des ehedem königlichen Schlosses, der weiland Stiftspropstei, weiter diskutiert werden. fb

Italian Trulli