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»Is’s a Freud auf dera Welt« ...

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Unser Bild zeigt Wastl Fanderl, der im Juni 100 Jahre alt geworden wäre. (Foto: privat, über Ernst Jani)

»Is’s a Freud auf dera Welt« – so hat der Fanderl Wastl (der am 24. Juni seinen 100. Geburtstag hätte feiern können) eines seiner Lieder überschrieben und danach auch eines seiner zahlreichen Liederbücher benannt.


In einer Zeit, in der sich die Menschen von vielen Seiten, von Kriegsgefahr und Baumsterben, von Umweltschäden und Müllnotstand bedroht sehen, ist das nicht nur eine Feststellung, mit der man einverstanden sein kann oder auch nicht. Es ist auch eine Mahnung, nicht auf die guten Seiten unseres Lebens zu vergessen, auf die Schönheit unserer Landschaft, auf verbesserte Gesundheit und hohe Lebenserwartung, auf unseren wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand. Der das sagt und geschrieben hat, kommt nicht aus einem reichen Elternhaus, das ihm eine sorglose Jugend und ein unbeschwertes Fortkommen ermöglicht hätte.

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Wastl Fanderl ist 1915 als jüngstes von fünf Geschwistern in Bergen im Chiemgau geboren worden. Der Vater stammte aus dem Altmühltal und hatte als Bader für die Frisuren und Bärte und die einfachere medizinische Behandlung zu sorgen. Über seine musikalischen Äußerungen hatte Fanderl viele lustige Geschichten zu erzählen. Die frühesten musikalischen Erinnerungen gehen auf die Mutter zurück, eine Wirtstochter aus Frasdorf bei Rosenheim. Ihr Kinderlied: »Heita mei Büabal tuat schlafa« hat später viele Menschen durch seine eindringliche Einfachheit berührt«. Diese Zeilen stammen von Wolfi Scheck, dem leider allzu früh verstorbenen, unmittelbaren Nachfolger Fanderls im Amt des Volksliedpflegers des Bezirks Oberbayern. Sie sind in der Broschüre »Rundschau« – illustrierte Zeitschrift des Bezirks Oberbayern« aus dem Jahr 1991 nachzulesen.

Umfangreiche Dokumentationen zum Leben und Wirken des Fanderl Wastl haben im Jahr 1992 der Bayerische Rundfunk in einer Zusammenstellung von Erich Mayer und das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern unter Leitung von Ernst Schusser 1996, letzteres unter dem Titel »Begegnungen mit Wastl Fanderl« herausgebracht. Das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern zeichnete im Jahr 2012 auch für die Herausgabe der wohl umfassendsten Darstellung über die Person und das Wirken des »Fanderl Wastl« (Volkskultur im Wandel der Zeit), verfasst von Universitätsprofessor Karl Müller aus Salzburg verantwortlich. Hier und heute geht es darum, einen der engsten Wegbegleiter Fanderls, seinen leider ebenfalls viel zu früh verstorbenen Cousin und langjährigen Sängerkollegen, Bertl Witter aus Traunstein, in kurzen Ausschnitten zu Wort kommen zu lassen.

Vorab aber noch das Ergebnis einer vom Bayer. Rundfunk initiierten und im Rahmen der »Bayernchronik« veröffentlichten Umfrage (Originaltöne) aus der Stadt München einen Tag vor Fanderls 75. und damit letzten Geburtstag im Jahr 1990 zur Person Wastl Fanderls und dessen Wirken. Nachzulesen ist dies in der o.g. Broschüre des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern von 1996:

Mann: »Einer, der Gestanzl oder so was ähnliches singt.«

Frau: »Interessiert mi net.«

Frau: »Volksmusik, ja, und a Sänger is er.«

Mann: »De Sendungen warn wunderbar – schad daß’s den nimmer gibt.«

Mann: »I kennan vom Radio. I mag de volkstümliche Musik.«

Frau: »I glaub, er ist ein Sänger oder Schauspieler oder so was, den hamma scho öfters im Fernsehen gsegn.«

Frau: »Des is a Komiker, oder?«

Frau: »Der hat doch Theater gspuit, oder?«

Frau: »Volkssänger.«

Frau: »Der is doch zu de Leut in d’ Stubn ganga, oder?«

Mann: »Ja, Volkssänger, den hab i scho öfters ghört, an Fanderl Wastl. Der wohnt ja da drinna bei, Herrgott wia hoaßts’n, hinter Rosenheim. Den Samerberg runter, da is a dahoam. Den kenn i no guat, weil der a a guade Volksmusik bracht hat. Net de neie Volksmusik wia mas iatz so hört, de wo so fernsehgerecht gmacht werd, die guate alte dialektmäßige Volksmusik, net de wo scho ins hochdeutsche übergeht.«

Mann: »A oida Zitherspieler.«

Mann: »Den Hörern war er sehr populär und is heute noch ein sehr populärer und angesehener Mann in Sachen Volksmusik.«

Mann: »Der hat so a Zithermusi und hat so Witz verzählt und so Zeigl, Volksmusik hat a hoit gmacht oiwei no besser wie de Strolch vom Olympiastadion, de ois’ zammhaun – de Rolling Stones (ausgesprochen wie geschrieben).«

Frau: »Musiker, gell, zithergspuit und gsunga, nebenbei glab i aa gjodelt, gell? (Zitat Ende).

Es wäre wohl interessant, heute, 25 Jahre später, an der gleichen Straßenecke in München wieder die Frage zu stellen: »Wer war Wastl Fanderl« und das Ergebnis dann zu veröffentlichen.

Bertl Witter, der den »Wastl« in und auswendig kannte, traf mit ihm am Silvesterabend 1944 auf der Gröbl Alm oberhalb von Mittenwald zusammen und man versprach sich, auch nach Kriegsende in Sachen Volkslied zusammen zu arbeiten, was in der Folge zur Gründung des legendären Fanderl-Trios 1946 in Grassau geführt hat. Sehr ungeduldig sei er gewesen, der Wastl, wenn es mit dem Einlernen nicht sofort klappte, so Bertl Witter in einer kurzen Zusammenfassung. »Er machte mit uns Gehör- und Singübungen. Er sang irgendeine Melodie, die wir noch nicht kannten, irgend ein Lied oder eine Melodie, die ihm gerade einfiel, und wir (Witter und Döllerer) mussten sofort die 2. und 3. Stimme dazu singen. Die Proben waren immer in Bergen. Wir fuhren da meistens mit dem Radl nach Bergen, auf der Autobahn. Da war die Gefahr, uns einen Nagel einzufahren und 'Radlflicken' zu müssen am Geringsten. Der Verkehr war auch noch gering«. Die Fahrt zum Gäubodenfest, von Fanderl organisiert, war da schon ganz etwas Anderes. Sie wurde in einem Mercedes 300 von Willy Bogner Senior bewerkstelligt. Welche Pracht, damals.

Weniger prachtvoll, so der Bertl, war eine Fahrt in Fanderls Opel im Jahr 1950 nach München. Der Wagen brauchte auf 100 km einen ganzen Liter Öl und versagte zu allem Überfluss in Holzkirchen auf der Autobahn seinen Dienst bei ca. 10 Grad Minus. Glücklicherweise kam ein Lastwagen mit Christbäumen beladen des Weges. Auf der Ladefläche sitzend, mitten unter Christbäumen, wurde das Fanderl Trio nach München kutschiert, wo es zu Beginn des 2. Teils einer Veranstaltung ankam.

Mittlerweile sind ja nicht wenige Volksmusikanten und Sänger zusammen mit dem Fanderl Wastl im »Sängerhimmel« beieinander und freuen sich wohl darüber, dass sie auf Erden (noch) nicht ganz vergessen sind. Ein Beitrag gegen das Vergessen ist sicher der am 7.  Mai im Grassauer Klaushäusl stattfindende Volksmusikabend »A weni kurz a weni lang« (siehe Ankündigung). Siegi Götze

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