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Integration auf dem Rasen

Berchtesgaden – Bei der Fußballabteilung des TSV Berchtesgaden wird Integration ganz praktisch betrieben. Seit dieser Saison verstärkt der syrische Asylbewerber Achmed Alo die Offensivabteilung im TSV Berchtesgaden. Und das ziemlich erfolgreich.

Der Syrer Achmed Alo fühlt sich in Berchtesgaden sehr wohl und spielt erfolgreich beim TSV Berchtesgaden Fußball. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Nachdem Alo zunächst im »Café Waldluft« untergekommen ist, spielte er mit seinen Freunden öfter auf der Breitwiese Fußball. Die Ehefrau des früheren langjährigen Abteilungsleiters der Berchtesgadener Fußballer, Franz Kurz senior, brachte den Syrer mit TSV-Trainer Richard Hartmann zusammen. Und Hartmann freute sich über den neuen Mann im Berchtesgadener Sturm, der von Anfang an alle Mannschaftskameraden mit ihren Namen angesprochen hat.

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Der 19-jährige Achmed Alo kam völlig ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland, doch mit viel Fleiß eignete sich der Syrer in nur einem Jahr einen erstaunlich guten deutschen Wortschatz an. Der Syrer besucht die Berufsschule in Freilassing mit dem Schwerpunkt Holztechnik. Sein größter Wunsch wäre es, in der Kfz-Technik als Autospengler zunächst ein Praktikum zu absolvieren und später eine Anstellung zu finden.

Bei der Frage nach seinen Verwandten wird Alo nachdenklich. Seine Eltern sind inzwischen in den Irak geflüchtet, Verbindung hat er keine mehr. Als kurdisches Mitglied einer ethnischen Minderheit in Syrien hatte Alo dort nicht einmal einen Pass. Da war es noch das geringere Problem, dass er nicht organisiert Fußball spielen konnte.

In der Berchtesgadener Fußballmannschaft ist der Syrer gut gelitten, die Spieler mögen den kleinen quirligen Mann, auch wenn er als bekennender Moslem nach dem Spiel nicht mit zum Biertrinken geht. Er konzentriert sich voll und ganz auf den Sport: »Ich liebe Fußball so wie er in Deutschland gespielt und gelebt wird. Das hat es in Syrien so nicht gegeben. Wir haben nur Straßenfußball gespielt«. Christian Wechslinger