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Beeindruckende Skulpturen zeigt die Ausstellung des Bildhauers Franz-Xaver Angerer in der Studienkirche St. Josef in Burghausen. (Foto: Morgenroth)

Der Bildhauer und Grafiker Franz-Xaver Angerer hat mit großer Konsequenz in kontinuierlicher Arbeit ein wuchtiges Werk geschaffen. Sein unstillbarer Drang nach Verwandlung und ästhetische Experiment führen ihn zu unterschiedlichen Gestaltungsweisen. Angerers umfangreiches Oeuvre umfasst vor allem Holzskulpturen, parallel dazu sind in seinem mehr als 30 Jahre langen Kunstschaffen Holzschnitte, Materialbilder, Objektkästen, Aquabilder, Installationen, fotographische Arbeiten und Landart-Projekte entstanden.


Die Überblicksausstellung in der Studienkirche St. Josef in Burghausen verfolgt thematisch Leitlinien, gruppiert in Werkreihen und Motive in Angerers Kunstschaffen. Die Ausstellung mit 36 Werken bietet einen tiefen Einblick in die vergangenen 20 Jahre Schaffenszeit, sie zeigt anschaulich, wie sich Themen klar durch das Werk ziehen und analysiert aus verschiedenen Blickwinkeln seine Bildhauerarbeiten.

Seine Arbeiten beschäftigten sich mit Raum und Zeit, mit dem Wechselspiel von Innen und Außen – so auch der Ausstellungstitel – und mit den vielfältigen Möglichkeiten ihrer Wahrnehmung. Die monumentale Größe vor allem aber die dramatische Kraft und Energie, die den Skulpturen und Arbeiten eigen ist, weisen auf den hohen Anspruch hin, den Franz Xaver Angerer an die Kunst stellt. Die scheinbare Einfachheit und Überschaubarkeit der in Burghausen ausgestellten Skulpturen, ihr sinnlicher Reichtum und ihre optische Vielfalt ziehen den Betrachter an, um ihn dann durch die Rätselhaftigkeit und vielleicht auch Fremdartigkeit zu irritieren. Die Werke lassen Vorstellungen und Assoziationen wach werden, die immer wieder zu den Werken selbst zurückführen, dort aber nicht restlos eingelöst werden können.

Franz-Xaver Angerer, 1953 in Hammer bei Siegsdorf geboren, absolvierte 1968 eine Lehre zum Maschinenbauer. Bereits in diesem Jahr entstehen erste Materialbilder. Ab 1985 folgt die intensive Auseinandersetzung mit der Literatur von Thomas Bernhard und 1986 die Teilnahme an der internationalen Sommerakademie in Salzburg mit dem Schwerpunkt Bronzeguss. Seit 1988 ist er freischaffender Künstler. Er lebt und arbeitet in Inzell sowie in Hammer in seiner Atelier Galerie »Kunstgetriebe«.

Am stärksten beeindruckt der unglaublich raffinierte Abwechslungsreichtum seiner bildhauerischen Kunst. Sein Zugang zeigt sich in Massivholzstämmen, die er nüchtern-linear aber auch raumbildend und raumgreifend, fast grafisch mit der Motorsäge bearbeitet. Material und Kantigkeit der Skulpturen signalisieren, dass sich hinter ihrer Herstellung ein künstliches und technisches Verfahren verbirgt. Demgegenüber und in einem spannungsreichen Gegensatz dazu lassen sich verschiedene organische Kurvaturen, Neigungen und Abschrägungen erkennen, die vom natürlichen Ursprung der Formen künden. Zudem ist eine feinfühlige Dramatik mit ausgeklügelten Licht- und Schattenwirkungen harten Kontrasten und plastischen Volumen den Skulpturen eigen.

Strukturen seiner Holzskulpturen findet man auch in seinen ausgestellten Holzschnitten, die eine gesonderte Werkgruppe in seinem Kunstschaffen einnehmen und die im immerwährenden Austausch entstehen. Dabei werden innere Strukturen der Skulpturen nach Außen transformiert und für den Betrachter zweidimensional als Bilder sichtbar.

Die Natur spielt bei seiner bedeutenden Werkgruppe der Aquadrucke eine wichtige Rolle. Die in Burghausen präsentierten Drucke mit dem Titel »Hommage an Gallileo Gallilei« entstehen in freier Natur. Visuelle Effekte werden durch spontane »Tuschespiele« erzeugt. Sie zeigen äußerst reduzierte und prägnant gesetzte Farbspuren, die die Konzentration des Betrachters gleichzeitig sammelt und die intensive Kraft seiner Aussage spürbar macht.

Die Ausstellung und »Werkschau« ist noch bis 17. Mai zu sehen und donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Künstlerführungen mit Franz-Xaver Angerer finden am Sonntag, 26. April, um 16 Uhr und am Sonntag, 10. Mai, um 16 Uhr statt.

Parallel zu der Ausstellung in Burghausen ist in der Atelier-Galerie »Kunstgetriebe« in Hammer, Inzeller Str. 10, eine Ausstellung mit Franz-Xaver Angerers Werken (Skulpturen, Objektkästen, Materialbilder, Aquadrucke, Collagen, Fotografien und Holzschnitte) sowie Kohlezeichnungen jeweils samstags von 17 bis 19 Uhr oder auf Anfrage unter der Telefonnummer 08665/927223 zu besichtigen. Gabriele Morgenroth