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In Verantwortung für hohes künstlerisches Können

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Die zehnjährige Kinga Philippzig.

Was die Schüler von Isabel Melendez Alba, Klavierlehrerin an der Musikschule Traunstein im Kulturzentrum Traunstein mit Werken der Wiener Klassik zur Darstellung brachten, konnte die Zuhörer erstaunen lassen, mitunter begeistern.


Philip Huber eröffnete den Reigen mit kindlichem Schwung. Wie er Mozarts Variationen »Unser dummer Pöbel meint« und den »Alla turca«-Satz aus der A-Dur-Sonate KV 331 meisterte – mit einem schmunzelnden Lächeln auf den Lippen –, zeigte einerseits seine innere Ruhe und andererseits seine wunderbare Spielfreude.

Kinga Philippzig, die schon in Hamburg einen Preis im Hause Steinway erzielte, schloss mit der Mozart-Sonate Nr. 16 C-Dur an diese Gelöstheit an und zeigte, wie hingebungsvoll und anmutig sie mit ihren zehn Jahren bereits mit Meister Mozarts Komposition umzugehen weiß.

Alexandra Jira spielte den 1. Satz der Beethoven-Sonate op. 2 Nr. 3 mit jugendlicher Bewegung und überzeugender Klanggeste. Auch der nachfolgenden Fantasie d-Moll des Salzburger Meisters verlieh sie fast ein Beethovensches Gepräge. Verwunderlich, wie sie die nachdenklichen Einschnitte und Phasen dieser Fantasie fühlbar werden ließ.

Tatjana Harder, die derzeit mit der Vorbereitung auf das Abitur beschäftigt ist, interpretierte die Haydn-Sonate D-Dur Nr. 37 im Anschluss. An ihrem Spiel war zu erleben, dass Haydn der Architekt und eigentliche Baumeister der klassischen Formen ist: in der Sonate wie hier und auch sonst in Streichquartett und Sinfonie. Tatjana Harder und Sophia Philippzig, die die Haydn-Sonate e-Moll Nr. 34 spielten, gebührt große Anerkennung dafür, dass sie noch bis in die Zeit ihres Abiturs hinein ihr Klavierspiel auf so hohem Niveau halten konnten.

Sophia, die ältere Schwester von Kinga, vermochte als Schlusspunkt dieses Vorspiels sehr feine Gestaltungen in der Deutung ihrer Haydn-Sonate zum Ausdruck bringen. Ihr Spiel wirkte außerordentlich lebendig und geschmeidig, und es verriet in seinem Nuancen-Reichtum bereits ein selbstständiges Eindringen in die klassische Formenwelt.

Das Dreigestirn der Wiener Klassik brachte ja eine neue Erfüllung der Musik: Joseph Haydn schuf die Form, W. A. Mozart den Seelenreichtum und Ludwig van Beethoven schließlich die Willensenergie.

Auffallend bei dieser Schülerdarstellung war, mit welcher handwerklichen Solidität Isabel Melendez Alba ihre Schüler ausrüstet und mit welcher Behutsamkeit sie sie führt. Es kann als Glücksfall gewertet werden, dass eine solche Lehrerpersönlichkeit für den Unterricht an der Musikschule Traunstein gewonnen wurde, zumal Frau Melendez Alba auch in München neben anderen Aktivitäten ein beachtliches »Jugendklavierfestival« ins Leben gerufen hat. Hans Leonhardt