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Statt mit Wolle wird in der »Theater Strickerei« mit Kreativität, Fantasie, Leidenschaft und Ehrgeiz gestrickt

In Grabenstätt wird künftig Kunst »gestrickt«

Das reichhaltige Grabenstätter Kulturleben ist um eine weitere Attraktion reicher. Mit der Eröffnung der Kleinkunstbühne »Theater Strickerei« im hinteren Gebäudetrakt der ehemaligen Firma Seidel, Chieminger Straße 24, ist für die Junge Chiemseer Bühne und ihre Kooperationspartnern Salztheater Traunstein und Chiemgau Theater Ensemble ein Traum in Erfüllung gegangen.

Aufführung der Bremer Stadtmusikanten: (von links) Emely Walch, Sophia Biller, Christoph Brandl und Lena Brandl von der Jungen Chiemseer Bühne. (Foto: Müller)

Acht Monate dauerte der aufwendige Umbau, der mit großer Unterstützung ortsansässiger Firmen und weit über 1000 ehrenamtlich aufgebrachten Arbeitsstunden erfolgreich bewältigt werden konnte. Auch vom Timing her war es am Ende Maßarbeit, denn nicht nur der letzte Nagel wurde erst kurz vor der Eröffnung in die Wand geschlagen, sondern auch einige Behörden gaben alles, um pünktlich »grünes Licht« geben zu können.

»Es war ein langer, nicht ganz leichter Weg mit einer Punktlandung am Ende«, strahlte der 1. Vorsitzende der Jugendtheater, -Musik und -Kunst AG, Rudi Rett, und machte keinen Hehl daraus, dass allen eine Riesenlast von den Schultern gefallen sei. Nun stehe dem gemeinsamen Kulturprojekt nichts mehr im Weg.

»Es freut uns sehr, dass so viele Gäste zur Eröffnung gekommen sind und der mit 80 Sitzplätzen ausgestattete Aufführungsraum übervoll ist«, betonte der 1. Jugendvorstand Lukas Herschke und machte gleich einmal Werbung in künstlerischer Sache: »Wir behaupten, wir sind absolute Strickprofis. Allerdings stricken wir nicht mit Wolle oder anderen Fäden. Unsere Materialien sind Kreativität, Fantasie, Leidenschaft, Motivation, Ehrgeiz, die Freude am künstlerischen Schaffen und vieles mehr«. Für Herschke ist klar, dass die Räume der Theater Strickerei »schon bald mit Lampenfieber, Leidenschaft und Lust auf die Darbietung gefüllt sein werden« und deswegen lade man insbesondere junge Künstler ein, »ihr Können und damit ihr Strickwerk auf dieser neu geschaffenen Plattform zu präsentieren«. Die Theater Strickerei stehe erst ganz am Anfang, aber die Visionen seien groß.

»Es ist eine Selbstverständlichkeit, die Jugend zu fördern, denn sie ist unsere Zukunft«, meinte Schirmherr Baron Dieter Freiherr von Wrede aus Grabenstätt. Auf der Theaterbühne könne man viel fürs Leben lernen. Was der 2010 gegründete Verein Jugendtheater, -Musik und -Kunst AG und die Junge Chiemseer Bühne, das vormalige Jugendtheater Grabenstätt, in kurzer Zeit geschaffen hätten, sei nicht normal. Mit dem 2014 in Salzburg verliehenen »Papageno-Award«-Anerkennungspreis Goldener Vogel für die beste Produktion »hat die Gruppe den Vogel abgeschossen«, lobte von Wrede. Ein Sonderlob verteilte er an Doris Biller, die »Mutter« der Jungen Chiemseer Bühne, und zeigte sich vom Erfolg der Kleinkunstbühne überzeugt.

Von einem »großen Werk« sprach auch Bürgermeister Georg Schützinger und wünschte der Theater Strickerei viele schöne Aufführungen und dass sich Jung und Alt hier zuhause fühlen. Doris Biller bedankte sich bei der Gemeinde, beim Landratsamt und Landrat Siegfried Walch für die großartige Unterstützung und lobte die vielen Sponsoren, die man im Eingangsbereich mit Kulturbausteinen entsprechend gewürdigt habe. »Ohne die vielen Helfer wäre es nicht gegangen«, so Rett. »Mit unserer neuen Spielstätte sind wir jetzt auch nicht mehr abhängig von anderen«, freute sich der Chef des Salztheaters Traunstein und Regisseur der Jungen Chiemseer Bühne, Gerhard Brusche, der es kaum erwarten konnte, mit seinem Kollegen Max Berger vom Chiemgau Theater Ensemble die Bühne zu stürmen. Es sei großartig, »Teil dieser neuen Kulturstätte mitten im Chiemgau sein zu dürfen«, meinte Berger und gratulierte der Gemeinde Grabenstätt dazu, jetzt so eine »Perle hier im Ort zu haben«.

Für die passenden Klänge zwischendurch sorgten Musiker und Sänger Michi Lermer und Sängerin Brigitte Bichler. Und auch die ersten Theaterkostproben kamen bestens an. Die Junge Chiemseer Bühne zeigte eine besondere Fassung der Bremer Stadtmusikanten, mit der sie bereits bei den Chiemgauer Kulturtagen begeistert hatten.

Die dem Grabenstätter Jugendtheater entsprungenen ambitionierten Nachwuchsdarsteller Lukas Herschke und Juliane Grünbauer, mittlerweile in Diensten des Salztheaters Traunstein, zeigten mit ihrem langjährigen Regisseur Gerhard Brusche eine improvisierte Theaterprobe ihres aktuellen Krimistücks »Die Mausefalle« von Agatha Christie. Die Premiere ist am 24. November in der »Theater Strickerei«. Weitere Aufführungen des Salztheaters Traunstein folgen dort am 25., 26. und 30. November sowie am 1. und 2. Dezember.

Den Auftakt machte bereits das Chiemgau Theater Ensemble, das mit dem Stück »Fräulein Julie« Premiere feierte. Es folgen weitere Auftritte am 11., 12., 13., 19. und 20. November. Im Dezember bringen sie dann das Weihnachtsstück »Mein Kampf« und im Januar »Jeykyll&Hyde« zur Aufführung. Die Kindergruppe der Jungen Chiemseer Bühne zeigt zur Jahreswende den »Räuber Hotzenplotz«. Im März folgt dann die Junge Chiemseer Bühne mit dem klassischen Stück »Birnbaum und Hollerstauden«. Als unterhaltsame Moderatoren bei der Kleinkunstbühneneröffnung fungierten Emely Walch und Christoph Brandl.

Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Theater Strickerei und auf der Homepage www.theater-strickerei.de. Markus Müller