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In der Gemeinde Unterwössen wurden zwei Maibäume aufgestellt

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Ein prächtiger neuer Maibaum schmückt auch den Rathausplatz in Unterwössen. (Fotos: Flug)
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Mittels Kran wurde der neue Maibaum in Oberwössen aufgestellt.

Unterwössen – Es ist vieles so ganz anders im Moment. Ein Maianfang ganz ohne Maibäume und Feierlichkeiten. Eine traurige Vorstellung. Umso schöner – wenngleich anders als sonst – die Bilder und Geschichte von unserem Mitarbeiter Ludwig Flug aus der Gemeinde Unterwössen:


Da hatten sich viele in der Gemeinde Unterwössen im letzten Jahr die Hände gerieben: Als der Bauhof in Ober- und Unterwössen die Maibäume umlegte, versprach das doch zwei grandiose Maibaumfeste. Und tatsächlich. Heute, einen Tag nach dem traditionellen Maifeiertag, schmücken zwei mächtige Stämme – prächtig herausgeputzt mit Figuren und Schildern – das Bild beider Dörfer.

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Rechtzeitig zum Jahreswechsel stand fest, dass es 2020 tatsächlich zwei neue Maibäume in Unterwössen geben würde. Die Bayerischen Staatsforsten gaben ihre Zustimmung. Nach alter Tradition und unabhängig voneinander fällten die Ober- und Unterwössner Helfer zwischen den Jahren zwei mächtige Stämme. Kurz darauf schlugen die Maibaumdiebe zu. Den Oberwössner Baum schafften die Diebe über den Maserer Pass nach Reit im Winkel. Sie lagerten ihn sorgfältig ein. In den langen Nächten der Wachen, träumte so mancher Dieb von einer üppigen Auslöse und einem großen Fest. Doch es kam anders. Die Oberwössner trugen der Situation um die Corona-Pandemie Rechnung. Sie führten Auslöseverhandlungen in Reit im Winkl. Die Diebe brachten Verständnis auf, dass es ein Maibaumfest nicht geben durfte. Gut abgefunden gaben sie den Baum schließlich frei.

Traditionell wird in Oberwössen – wie auch in Unterwössen – der Maibaum mit Schwarten von kräftigen Männerhänden hochgewuchtet. Einen Kran hatten die Oberwössner ursprünglich allein dazu bestellt, die gefährlichen Arbeiten zu sichern und einen Sturz des Maibaums zu verhindern. Doch bald war an Arbeiten Schulter an Schulter und ein Fest nicht zu denken. Ein Maibaum in der Scheune macht aber auch keinen Sinn, fanden die Oberwössner. So kam das Komitee um die Maibaumbeauftragten Harald Leuhuber und Florian Loider in Abstimmung mit der Gemeinde überein, den Maibaum am 1. Mai eher verschwiegen aufzustellen. Statt vieler Burschen richtete der ohnehin georderte Kran den Stamm auf. Pünktlich um zehn in der Früh schlug der Stamm in der Halterung an. Ein Gebirgsschütze verkündete den Moment mit einem Kanonensalut. Die Helfer schmückten den Baum mit Figuren und Schildern. Ein paar Einwohner spendeten ihren Beifall, doch das war's.

Von Oberwössen fuhr das Kranunternehmen gleich weiter nach Unterwössen. Dort hatten zunächst die Schlechinger den Maibaum gestohlen – jedoch wenig Freude daran, weil ihn kurz darauf die Staudacher die Ache abwärts entführten. Auch hier wurde das Unterwössner Maibaumkomitee um den Maibaumbeauftragten Franz Gasteiger mit den Dieben handelseinig. Auch dort trafen sie auf Verständnis, dass es kein Maibaumfest geben durfte.

In aller Stille richtete der Kran unterstützt von Mitgliedern des Burschenvereins und Mitarbeitern des Bauhofes den Stamm auf dem Rathausplatz auf. Die Kirchenglocke läutete 12 Uhr, da schmückte der neue Maibaum das Ortszentrum. Auch hier erlebten das nur ein paar Passanten. Die Helfer sorgten mit Abstand und Mundschutz für ihre eigene Sicherheit.