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In 3000 Metern Höhe: Kachelofen statt Klimaanlage

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Roman Kurz fühlt sich seit 21 Jahren wohl auf dem Matrashaus. Das gilt ganz besonders für Zeiten, in denen die Temperaturen im Tal in die Höhe schießen. (Foto: privat)

Marktschellenberg/Mühlbach – Das Matrashaus als höchster Punkt der Berchtesgadener Alpen dürfte wohl einer der kühlsten Orte in der Region sein. Wer aktuell bei Hüttenwirt Roman Kurz auf 2951 Metern Station macht, der kann sich tagsüber bei rund 15 Grad von der anstrengenden Hitze im Tal erholen. Und abends wird's sogar so frisch, dass der Marktschellenberger in der Stube den Kachelofen einheizt.


»Das Thermometer über der Tür zeigt aktuell 15 Grad«, sagt Roman Kurz dem »Berchtesgadener Anzeiger« am Telefon. Der Hüttenwirt schätzt aber, dass es auf freier Fläche nur 12 oder 13 Grad sein werden. »Wenn man an einem windstillen Ort rund ums Haus in der Sonne sitzt, dann ist es sehr angenehm«, berichtet Kurz. Im Schatten oder bei Wind werde es dagegen sehr schnell frisch.

Frisch ist es aktuell im Tal freilich nirgends, die Temperaturen sollen in diesen Tagen auf über 35 Grad steigen, teilweise ist von bis zu 40 Grad die Rede. »Hitze und Baden – das ist für mich reine Folter«, sagt Roman Kurz, der seit 21 Jahren das Matrashaus am Hochkönig bewirtschaftet. Heuer ist er erstmals ohne seine Frau Jeni da oben. Das hat für ihn jetzt den Vorteil, dass er zum Einkaufen nicht ins Tal muss. Denn das besorgt seine Frau. »Und wenn ich nicht hinunter muss, dann gehe ich auch nicht hinunter«, bekräftigt der Marktschellenberger.

Tatsächlich fragen immer mal wieder Bergsteiger nach beheizten Zimmern – sogar aktuell im Hochsommer. Diesen Wunsch kann Roman Kurz natürlich nicht erfüllen. Wenn's die Leute aber in der Stube friert, dann hat er schon ein Einsehen. »Wenn 20 oder 30 Leute da sind, dann wird's ja automatisch warm«, sagt Kurz. »Wenn es nur drei oder vier Leute sind, dann heize ich schon den Kachelofen ein.« Das ist auch aktuell der Fall, wenn im Tal die Leute vor Hitze stöhnen. Immerhin kann es auf fast 3000 Metern Höhe nachts schon auf zwei oder drei Grad abfrischen.

Insgesamt ist aber auch am Hochkönig die Durchschnittstemperatur der letzten Wochen höher als sonst. Das hat dazu geführt, dass der Großteil der im Winter gefallenen Schneemassen bereits verschwunden ist. »Wir haben jetzt, was den Schnee betrifft, Normalzustand für diese Jahreszeit«, beschreibt es Kurz. Und vom Hochkönig-Gletscher, der sogenannten Übergossenen Alm, ist ohnehin nicht mehr viel übrig. »Es gibt nur noch hier und dort einzelne Eisflächen, keine zusammenhängende Fläche mehr«, sagt der Wirt.

Auf die Übernachtungszahl wird sich die aktuelle Rekordhitze im Tal nicht auswirken, ist Roman Kurz überzeugt. »Es werden nicht mehr, aber auch nicht weniger kommen«, prognostiziert der Marktschellenberger. In Hütten auf rund 1500 Metern Höhe sei das anders. Hier gehe der Besuch bei hohen Temperaturen im Tal in der Regel zurück. So steht Roman Kurz vermutlich ein ganz normaler Sommer auf fast 3000 Metern Höhe bevor. Ulli Kastner