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Immlinger Stimmenfest in der Vollmondnacht

Wenige Stunden vor der exakten Rundung des Vollmonds ließ das Opernfestival Gut Immling wieder seinen besonderen Zauber wirksam werden, dem sich die zahlreichen Besucher der abendlichen Operngala nicht entziehen konnten und auch nicht wollten. Die Magie des Ortes in ihrer Mischung aus reizvoller Landschaft, bäuerlichem Umfeld und erstklassig dargebotenen Opernhits zog jeden Anwesenden in ihren Bann. Die große Verdi-Wagner-Gala zur Feier des 200. Geburtstags der beiden Operngiganten war einer der ersten Höhepunkte im diesjährigen Immlinger Festspielsommer.

Schlussapplaus für (v. l.) Duccio Dal Monte, Florin Marele, Adrian Marcan, Cornelia von Kerssenbrock, Mario Zhang und Rossana Cardia. (Foto: Aumiller)

Richard Wagner machte den Anfang. Mit dem »Einzug der Gäste« aus »Tannhäuser«, der »Meistersinger«-Ouvertüre und dem Vorspiel zum 3. Akt »Lohengrin« zeigten die Münchner Symphoniker unter der Leitung von Cornelia von Kerssenbrock beeindruckende Klangkultur. Die Dirigentin und Künstlerische Leiterin des Festivals machte nicht nur gute Figur am Pult, sondern verstand es auch, das Wagner-Melos dynamisch vielfältig und farbenreich Klang werden zu lassen, ohne lastende Schwere in der Orchesterdichte. Wo nötig durfte klingende Fülle imposant auftrumpfen, aber es blieb auch Raum für Transparenz und feines instrumentales Blühen.

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Mit den Monologen des Hans Sachs aus den »Meistersingern« und des Holländers aus dem »Fliegenden Holländer« punktete Duccio Dal Monte mit markantem Bass in deutlicher Diktion und präsentem Ausdruck als erfahrener Wagnersänger. Das ist nicht alltäglich für eine italienische Stimme, die voluminös und technisch gut geführt dann ebenso im heimischen Idiom mit der Liebesklage des König Philipp »Ella giammai m'amó«aus Giuseppe Verdis »Don Carlo« beeindruckendes Profil zeigte. Das Solocello unterstützte empfindsam und tonschön des Königs Liebesleid.

Verdi kam im zweiten Programmteil zu klingendem Wort. Nach der Ouvertüre zu »La Forza del Destino« eröffnete Leonoras »Pace, pace, mio Dio« aus der gleichnamigen Oper den Arienreigen. Rossana Cardia sang das flehende Bitten um inneren Frieden mit klangvollem Sopran, rund, ausgeglichen und differenziert eingesetzt. In Aidas »Nilarie« »O Patria mia« gefiel sie mit strahlender Tonqualität bis hinauf zum prunkenden hohen C im Vollton. Zauberisch wehmütig die aufklingende Solooboe. Im Finalduett »O Terra addio« war sie dem Radames von Mario Zhang eine gefühlvolle Partnerin im Verein mit den schönen Holzbläserpassagen.

Zhang, über Jahre als Immlings Startenor großer Publikumsliebling, errang mit seinem strahlkräftigen Tenor natürlich auch diesmal wieder die applausfreudige Gunst seiner Zuhörer. Glänzend meisterte er Radames' »Celeste Aida«, von der Soloflöte fein untermalt, und bot auch in den Duetten aus »La Forza del Destino« und »Don Carlo« seinen Baritonpartnern Florin Marele und Adrian Marcan tenoral brillant Paroli. Die beiden Baritone konnten in der Bühnenpräsenz (noch) nicht ganz mit dem Tenor gleichziehen, zeigten aber beachtliches Stimmpotenzial. Als Zugabe durfte natürlich der obligate Brindisi aus »La Traviata« nicht fehlen. Da war dann Hochstimmung im Auditorium mit Bravorufen und Applausjubel für alle Gesangssolisten und nicht minder für Cornelia von Kerssenbrock und die Münchner Symphoniker.

Aber der Abend war damit noch nicht zu Ende. In Immling gibt es immer noch eine »Après-Oper«. Das ist eine einzigartige Extraspezialität, nirgendwo anders anzutreffen, die sich kaum jemand entgehen lässt. Genossen die Zuhörer in der Pause noch die letzten Strahlen der untergehenden Sonne, so wandelten die meisten am Ende im milden Mondlicht hinüber zum großen Restaurantzelt. Dort wurde nicht nur zum feinen Schmaus geladen, sondern da ging es weiter mit musikalischen Schmankerln. Die Sänger des Abends schmetterten einen Hit nach dem anderen zur Klavierbegleitung von Kamila Akhmedjanova. Da wurde noch lange gefeiert, und der Vollmond lächelte dazu. Elisabeth Aumiller